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17.09.2020 – 11:32

Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)

Brände im Feuchtbiotop Pantanal: Feuer bedroht indigene Siedlungen in Brasilien

Brände im brasilianischen Feuchtbiotop Pantanal:

  • Feuer im Weltnaturerbe-Gebiet bedrohen indigene Siedlungen
  • Über 2,3 Millionen Hektar Feuchtgebiet verbrannt
  • Kombination aus Dürre und Brandstiftung verantwortlich

Nicht nur Amazonien brennt: Das Pantanal erlebt seine schlimmste Krise seit Jahrzehnten. Eine schwere Dürre und von Menschenhand gelegte Feuer bedrohen derzeit eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde. Das Pantanal ist ein artenreiches Feuchtbiotop, das unter Naturschutz steht und seit dem Jahr 2000 zum Weltnaturerbe der UNESCO gehört. "In diesem Gebiet lebt unter anderem das Guató Volk, das zu den letzten Vertretern der Kanuvölker zählt", berichtet Juliana Miyazaki, Referentin für indigene Völker bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). "Etwa 80 Familien dieses Volkes sind durch die Feuer auf dem indigenen Land Baía dos Guató bedroht. Die 35 Familien des Bororo-Volkes auf dem indigenen Territorium Perigara durch die Brände 8.100 Hektar von Land verloren, mehr als 75 Prozent ihres Landes." Das indigene Territorium Tereza Cristina habe 12 Prozent seiner Fläche von 3.300 Hektar erreicht verloren.

"Die betroffenen Völker haben Häuser, Nahrungsmittel und Naturmedizin verloren, die ihre Lebensgrundlagen bilden", erklärt Miyazaki. "Jetzt befürchten vor allem die Guatós, dass die Fische durch Verschmutzungen der Flüsse sterben könnten, wenn die Brände während der Flutzeit weitergehen. Damit würden sie eine wichtige Nahrungsquelle verlieren." Bis zum Ende der Trockenzeit werde das zerstörte Gebiet noch wachsen. Darauf weist auch der Burn Monitor des Instituto Centro de Vida (ICV) hin, der die Anzahl der Brandherde im Mato Grosso überwacht. Das ICV analysiert die Global Fire Emissions Database der NASA und dem National Institute for Space Research (Inpe). "Die Daten zeigen von Januar bis August dieses Jahres 148 Brandherde in indigenen Gebieten im Pantanal. Davon wurden 81 Prozent im August beobachtet - zu dieser Zeit erhöht starker Wind das Risiko der Brandausbreitung", so Miyazaki.

Die Zahlen beschreiben einen deutlichen Anstieg der Feuer auf indigenen Gebieten in diesem Biom. Im Jahr 2019 gab es im gleichen Zeitraum fünf Brände, 2018 keinen einzigen. Das Pantanal hat nach Angaben des brasilianischen National Center for the Prevention and Fight against Forest Fires bereits etwa 15 Prozent seiner Fläche an die Flammen verloren. Das sind über 2,3 Millionen Hektar, etwa die zehnfache Fläche des Saarlandes. Zwischen Januar und dem 10. September 2020 gab es im Pantanal 12.703 einzelne Brände. Das ist die höchste Zahl für diesen Zeitraum seit Beginn der Überwachung durch das Inpe im Jahr 1998.

Sie erreichen Juliana Miyazaki unter j.miyazaki@gfbv.de oder 0551/49906-23.

Gesellschaft für bedrohte Völker
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