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GfbV-Memorandum zum Brumadinho-Dammbruch (25.1.): Der TÜV geht, das Gift bleibt

GfbV-Memorandum zum Brumadinho-Dammbruch (25.1.):  Der TÜV geht, das Gift bleibt
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GfbV-Memorandum zum Brumadinho-Dammbruch (25.1.):

- Vermeidbare, schwere Umweltkatastrophe vor einem Jahr  
- Verseuchter Fluss Paraopeba war die Lebensgrundlage der indigenen Pataxó 
- Erste Mordanklagen gegen Verantwortliche bei Vale und TÜV Süd

Am 25. Januar vergangenen Jahres brach der Damm des Auffangbeckens B1 der Eisenerzmiene Córrego do Feijão nahe Brumadinho im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Eine Schlammlawine von zwölf Metern Höhe ergoss sich mit einer Geschwindigkeit von anfangs 120 Stundenkilometern kilometerweit abwärts ins Tal. 272 Menschen starben am selben Tag, weitere 21 werden bis heute vermisst. Zum ersten Jahrestag dieser vermeidbaren Katastrophe veröffentlicht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ein Memorandum, das die Auswirkungen des Dammbruchs auf indigene Gemeinschaften beleuchtet.

Die Pataxó Hã-Hã-Hãe leben flussabwärts, 22 Kilometer entfernt von der Mine. In ihrem Dorf Naô Yohã direkt am Fluss Paraopeba leben etwa 150 Personen. "Der Fluss war ihre Existenzquelle", berichtet Regina Sonk, GfbV-Referentin für indigene Völker. "Seit dem Dammbruch ist er mit Schwermetallen verseucht und biologisch tot." Der Paraopeba sei die einzige Trinkwasserquelle der Pataxó gewesen und damit auch die Grundlage für Land- und Viehwirtschaft. "Das alles ist nicht mehr möglich. Für ihr alltägliches Überleben sind sie seitdem auf Wasser- und Essensspenden angewiesen. Die gesundheitlichen Langzeitfolgen sind unkalkulierbar und ein wichtiger Bestandteil ihrer Identität bis auf weiteres verloren", so Sonk.

Noch wenige Monate zuvor hatte das Prüfunternehmen TÜV Süd dem brasilianischen Bergbaugiganten Vale die Sicherheit des Auffangbeckens bescheinigt. Inzwischen hat er sämtliche Sicherheitszertifikate für brasilianische Minen zurückgezogen und will vorerst keine weiteren ausstellen. Am gestrigen Dienstag wurde bekannt, dass eine brasilianische Staatsanwaltschaft gegen 16 Personen Anklage wegen Mordes erhoben hat, darunter auch Vales ehemaligen CEO Fabio Schvartsman. Wie viele der Beschuldigten zum Bergbaukonzern Vale und wie viele zum TÜV Süd gehören, ist noch nicht bekannt. Auch bei der Staatsanwaltschaft München ist ein Verfahren gegen TÜV Süd anhängig: wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Überschwemmung, fahrlässiger Tötung, Bestechung sowie verletzter Aufsichtspflichten.

Vale ist der größte Eisenerzproduzent der Welt. Knapp 56 Prozent des nach Deutschland importierten Eisenerzes stammen aus Brasilien. "Deutsche Unternehmen haben also von einem Produzenten gekauft, der fahrlässig bei der Sicherheit gespart hat", kritisiert Sonk. Im Juli 2019 wurde Vale von einem brasilianischen Gericht zu Schadenersatz in Milliardenhöhe verurteilt. Die genaue Schadenshöhe lässt sich bisher nicht beziffern. Das Gericht ließ daher umgerechnet 2,6 Milliarden Euro Firmenkapital einfrieren.

"Indigene sind durch ihre naturnahe Lebensweise besonders von Umweltzerstörung gefährdet und gleichzeitig rechtlich besonders schlecht geschützt", erklärt Sonk. Die hochbelasteten Gewässer des Paraopeba bedrohten die gesamte Existenz der Pataxó. "Dennoch wollen sie ihr Land nicht aufgeben und kämpfen national wie international für Entschädigung und die Rettung der Gewässer auf ihren Territorien."

Das Memorandum hängt dieser Pressemitteilung an.

Sie erreichen Regina Sonk unter r.sonk@gfbv.de oder 0551 49906-23.

Gesellschaft für bedrohte Völker
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