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Irak: Muslimische Gelehrte sollen islamistisches Gedankengut bekämpfen

Irak: Hassprediger zur Rechenschaft ziehen! Muslimische Gelehrte sollen islamistisches Gedankengut bekämpfen

--- Göttingen, den 08. Januar 2019 --- Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt die wiederholten, eindringlichen Appelle des chaldäischen Patriarchen Kardinal Louis Sako an die irakische Zentralregierung und die anderen Regierungen der islamisch geprägten Länder im Nahen Osten, "ihr Image zu korrigieren, indem sie die Verantwortlichen für Hasspredigten zur Rechenschaft ziehen". Der GfbV-Irak-Experte Kamal Sido forderte am Dienstag in Göttingen: "Religiöse Führer, die Gewalt, extremistische Ideologie und Spaltung der Gesellschaft fördern, sollten aus ihren Ämtern entfernt werden." Die Appelle des Oberhaupts der chaldäischen Kirche stehen im Zusammenhang mit den Hasspredigten des aus dem Irak stammenden arabisch-sunnitischen Großmuftis Sheikh Abdul Mahdi Al Sumaidaie, der kurz nach Weinachten gefordert hatte, Muslime sollten nicht an christlichen Weihnachts- und Neujahrsfeiern teilnehmen.

"Während Bombenattentate, Entführungen und Einschüchterungen von Angehörigen nichtmuslimischer Glaubensgemeinschaften andauern, melden sich auch immer wieder muslimische religiöse Führer mit neuen Fatwas, die die Ideologie des radikalen-politischen Islams fördern", berichtete Sido. In den vergangenen 15 Jahren, sollen im Irak 1.300 Christen Opfer von Bombenanschlägen geworden sein. 61 Kirchen und tausende Häuser von Christen wurden zerstört.

"Islamgelehrte und islamische Zentren müssen alles dafür tun, dass radikale Prediger nicht die Oberhand gewinnen. Nicht nur Christen und Yeziden, sondern auch Muslime wurden Opfer der Gewalt radikaler Gruppen wie des "Islamischen Staats" (IS)", sagte der Menschenrechtler. "Nach der weitgehenden militärischen Zerschlagung des IS ist es jetzt vordringliche Aufgabe der muslimischen Geistlichen, auch das radikal-islamistische Gedankengut zu bekämpfen und die Botschaft der Toleranz, Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit zu fördern. Die alten positiven Erfahrungen im friedlichen Zusammenleben von Muslimen und Nicht-Muslimen dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Schon jetzt fliehen immer mehr Christen aus dem Nahen Osten."

Auch in der Türkei werde es für Christen immer enger, warnte Sido. Dort würden Christen zunehmend angefeindet, besonders zum Christentum konvertierte Gläubige. Christliche Priester sähen sich immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, Spionage zu betreiben. Nachdem der US-Priester Andrew Brunson fast zwei Jahre in türkischer Haft verbringen musste, wurde der kanadische Kleriker David Bell aufgefordert, die Türkei zu verlassen. Er lebt dort seit beinahe zwei Jahrzehnten. "Obwohl die türkische Verfassung die Glaubensfreiheit weitgehend garantiert, bekommen es Christen unter der Regierung von Recep Tayyip Erdogan zu spüren, dass sie offenbar nicht erwünscht sind", sagte Sido. Christen stellen in der Türkei 0,2 Prozent der 80 Millionen Einwohner.

Der GfbV-Irak-Experte Kamal Sido ist erreichbar unter Tel. 0173 67 33 980.

Gesellschaft für bedrohte Völker
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