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Vier Jahre VISIONARY: Wie Europas Ernährungssystem nachhaltiger werden kann

EU-Forschungsprojekt liefert konkrete Ansätze für Landwirtschaft, Lebensmittelwirtschaft, Politik und Verbraucher:innen

Valencia/Radolfzell, 13. August 2026: Wie gelingt der Wandel zu einem nachhaltigen Ernährungssystem, das Klima schützt, Biodiversität erhält und Wasserressourcen schont, ohne Landwirt:innen, Unternehmen und Verbraucher:innen aus dem Blick zu verlieren? Mit dieser Frage hat sich das europäische Forschungsprojekt VISIONARY in den vergangenen vier Jahren beschäftigt. Ende August 2026 schließt das von Horizon Europe geförderte Projekt seine Arbeit ab.

Die zentrale Erkenntnis: Der Übergang zu nachhaltigen Ernährungssystemen gelingt nur, wenn Landwirt:innen, Unternehmen, Politik und Verbraucher:innen gemeinsam betrachtet werden. Technische Lösungen allein reichen nicht aus. Entscheidend sind passende Anreize, vertrauenswürdige Informationen, funktionierende Wertschöpfungsketten und politische Rahmenbedingungen, die nachhaltige Entscheidungen erleichtern.

VISIONARY untersuchte in zahlreichen Fallstudien und Experimenten in mehreren europäischen Ländern, wie nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung praktisch gefördert werden können. Im Fokus standen Klimaschutz, Biodiversität, nachhaltige Wassernutzung, ökologischer Landbau, nachhaltige Wertschöpfungsketten und klimafreundliche Konsumentscheidungen.

Klimapolitik braucht Transparenz und Akzeptanz

Ein Schwerpunkt des Projekts lag auf der Frage, wie Landwirt:innen auf klimapolitische Instrumente reagieren. Eine Untersuchung unter 981 dänischen Landwirt:innen zeigte, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen einer CO₂-Bepreisung häufig deutlich überschätzt werden. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass gezielte Informationen und transparente Kommunikation helfen können, Fehleinschätzungen abzubauen und die Akzeptanz von Klimamaßnahmen zu erhöhen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass wirksame Klimapolitik in der Landwirtschaft nicht nur von ökonomischen Anreizen abhängt, sondern auch vom Vertrauen in politische Maßnahmen und von verständlicher Informationsvermittlung.

Biodiversität braucht neue Anreize für landwirtschaftliche Betriebe

VISIONARY untersuchte zudem, wie sogenannte „dunkelgrüne“ Agrarumweltmaßnahmen mit besonders hohem Biodiversitätsnutzen attraktiver gestaltet werden können. Dazu zählen beispielsweise Blühflächen, Feldrandstreifen, Hecken oder andere Lebensräume für wildlebende Tier- und Pflanzenarten.

Eine Befragung von 1.077 Landwirt:innen in Deutschland, Polen, Spanien und dem Vereinigten Königreich zeigte, dass ein staatlich getragenes Biodiversitätslabel grundsätzlich Potenzial besitzt, die Teilnahme an solchen Maßnahmen zu fördern. Besonders wichtig waren den Befragten eine glaubwürdige staatliche Zertifizierung, Beratung sowie Unterstützung bei Vermarktung und Kommunikation.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Nachhaltigkeitsleistungen stärker sichtbar gemacht und durch Marktmechanismen ergänzt werden können.

Nachhaltige Wassernutzung gelingt besser durch Zusammenarbeit

Für den Schutz von Wasserressourcen analysierte VISIONARY Beispiele aus Spanien, Ungarn und Dänemark. Die Untersuchungen zeigen, dass kollektive Ansätze großes Potenzial besitzen, um Wasserknappheit und Gewässerbelastungen wirksam zu begegnen.

Besonders erfolgreich waren Modelle, in denen Landnutzer:innen aktiv in Entscheidungen eingebunden werden, Verantwortung teilen und auf lokaler Ebene zusammenarbeiten. Die Forschung unterstreicht, dass nachhaltiges Wassermanagement nicht allein durch staatliche Vorgaben erreicht werden kann, sondern vor allem von Vertrauen, Fairness und funktionierenden Kooperationsstrukturen abhängt.

Bio-Landbau braucht Nachfrage entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Europa vorangebracht werden kann. Dafür wurden bestehende Hindernisse in Deutschland, Polen, Ungarn und dem Vereinigten Königreich analysiert.

Um die fehlende Nachfrage zu steigern, kann die öffentliche Beschaffung, beispielsweise in Schulen, Kitas, Krankenhäusern und Kantinen, von der Politik als ein wirksamer Hebel eingesetzt werden. Es wurde deutlich, dass politische Förderung und stabile Absatzmärkte entscheidende Voraussetzungen für eine ausgewogene Entwicklung des Ökolandbaus sind.

VISIONARY kommt zu dem Schluss, dass die europäischen Nachhaltigkeitsziele nicht allein über die landwirtschaftliche Produktion erreicht werden können. Ebenso wichtig sind Verarbeitung, Handel, Gastronomie und öffentliche Einrichtungen.

Verbraucher:innen lassen sich durch konkrete Maßnahmen zu nachhaltigeren Entscheidungen bewegen

Auch das Verhalten von Verbraucher:innen stand im Mittelpunkt des Projekts. In groß angelegten Online-Supermarkt-Experimenten untersuchte VISIONARY, wie Kennzeichnungen, Preisanreize und die Platzierung von Produkten Kaufentscheidungen beeinflussen.

Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere die Kombination verschiedener Maßnahmen wirksam ist. In mehreren europäischen Ländern führte die Kombination aus Klimakennzeichnung und einer gezielten Platzierung pflanzenbasierter Alternativen zu einer Verringerung der klimainduzierten Emissionen der Einkaufskörbe um 13 bis 16 Prozent gegenüber Kontrollgruppen.

Die Forschung bestätigt damit die wichtige Rolle des Lebensmitteleinzelhandels bei der Transformation des Ernährungssystems.

Blick nach vorn

Nach vier Jahren Forschung zieht VISIONARY eine klare Bilanz: Nachhaltige Ernährungssysteme entstehen nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch das Zusammenwirken von Politik, Wirtschaft, Landwirtschaft und Gesellschaft.

Die Projektergebnisse liefern konkrete Hinweise für die Weiterentwicklung europäischer Agrar-, Umwelt- und Ernährungspolitik. Sie zeigen, wie politische Instrumente, Marktanreize und veränderte Konsummuster zusammenwirken können, um die europäischen Ziele für Klima-, Biodiversitäts- und Ressourcenschutz zu erreichen.

Weitere Informationen und alle Projektergebnisse:

www.visionary-project.eu

Förderhinweis:

Finanziert von der Europäischen Union im Rahmen der Fördervereinbarung Nr. 101060538. Die Arbeit der britischen Projektteilnehmenden wurde durch UK Research and Innovation (UKRI) im Rahmen der Fördergarantie der britischen Regierung für Horizon Europe finanziert [Förderkennzeichen 10037976 (University of Aberdeen) und 10044788 (University of Exeter)].

Kontakt

Global Nature Fund – Büro Radolfzell

Eva Schellenbeck

Telefon: +49 176 824 264 03

E-Mail: schellenbeck@globalnature.org

www.globalnature.org

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