Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Medizinpreise 2026: Jung-Stiftung zeichnet Forschung zu Schmerztherapie, KI in der Krebschirurgie und Diagnostik seltener Erkrankungen aus
Hamburg (ots)
- Rohini Kuner (Heidelberg) erhält den Jung-Preis für Medizin 2026 (300.000 Euro)
- Fiona Kolbinger (Dresden) wird mit dem Jung-Karriere-Förderpreis 2026 ausgezeichnet (210.000 Euro)
- Taroh Kinoshita (Osaka) wird mit Jung-Medaille für Medizin in Gold 2026 geehrt
Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung zeichnet drei Forschende für Arbeiten in der Schmerzforschung, der KI-gestützten Krebschirurgie und der Diagnostik seltener Erkrankungen aus. Die Medizinpreise sind mit insgesamt mehr als 500.000 Euro dotiert und werden heute Abend in Hamburg verliehen.
Der Jung-Preis für Medizin 2026 geht an die Pharmakologin Rohini Kuner von der Universität Heidelberg. Der Jung-Karriere-Förderpreis 2026 wird an die Ärztin und Wissenschaftlerin Fiona Kolbinger von der Dresdner Hochschulmedizin verliehen. Die Jung-Medaille für Medizin in Gold 2026 erhält der Molekularbiologe Taroh Kinoshita von der University of Osaka. Die ausgezeichneten Forschungsarbeiten verfolgen ein gemeinsames Ziel: Die Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten.
Schmerzforschung: Rohini Kuner erhält Jung-Preis für Medizin 2026
Professorin Rohini Kuner, (55), Pharmakologisches Institut der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg, erforscht, wie sich das Nervensystem unter anhaltenden Reizen verändert und dadurch chronischer Schmerz entsteht. Im Zentrum steht die neuronale Plastizität - die Fähigkeit von Nervenzellen, sich strukturell und funktional anzupassen. Ihre Arbeiten zeigen, wie Schmerz im Körper gespeichert und verstärkt wird. Daraus ergeben sich neue Ansatzpunkte für Therapien, die gezielter und langfristig wirksam sind. Für diese Erkenntnisse erhält Kuner den mit 300.000 Euro dotierten Jung-Preis für Medizin 2026.
Kuner stammt aus Indien und zog 1991 für ihre Promotion in die USA. 1995 führte ihr wissenschaftlicher Weg sie an die Universität Heidelberg, wo sie 2005 habilitierte. Die mehrfach ausgezeichnete Pharmakologin kam dort auch dank einiger Mentoren schnell zur Neurowissenschaft und Schmerzforschung. Seit 2015 leitet Kuner einen großen Sonderforschungsbereich, der präklinische und klinische Forschung zu chronischen Schmerzen vereint, und konzentriert sich innerhalb ihrer eigenen multidisziplinären Gruppe insbesondere auf die translationale Forschung. "Ich bin am glücklichsten, wenn ich im Labor bin, hautnah dran an der Forschung."
KI in der Krebschirurgie: Fiona Kolbinger erhält Jung-Karriere-Förderpreis 2026
Dr. Fiona Kolbinger (30) arbeitet als Ärztin und Wissenschaftlerin an der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus und der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden an der Schnittstelle von Chirurgie, Datenwissenschaft und Künstlicher Intelligenz. Ihr Forschungsprojekt analysiert Behandlungsergebnisse in der onkologischen Rektumchirurgie mithilfe kausaler Modelle. Ziel ist es, Ursachen für Komplikationen zu erkennen und Operationen präziser zu planen. Die Forschung soll dazu beitragen, Eingriffe sicherer zu machen und die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern. Die Jung-Stiftung zeichnet Kolbinger dafür mit dem Jung-Karriere-Förderpreis 2026 aus, der mit 210.000 Euro dotiert ist.
Kolbinger verbindet klinische Praxis mit datengetriebener Forschung und internationaler Zusammenarbeit. Ihre wissenschaftliche Arbeit ist seit Jahren durch die Zusammenarbeit mit dem Else Kröner Fresenius Zentrum (EKFZ) für Digitale Gesundheit an der TU Dresden und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden eng mit interdisziplinären Forschungseinrichtungen in Dresden verbunden. Seit 2023 leitet Kolbinger eine Forschungsgruppe an der Purdue University, einer führenden ingenieurwissenschaftlichen Universität in den USA, in der Mediziner:innen, Datenwissenschaftler:innen und Ingenieur:innen zusammenarbeiten. Ihr Ansatz in Forschung und Leben folgt einer klaren Haltung: "Nur weil noch niemand einen bestimmten Weg gegangen ist, heißt das nicht, dass er nicht zum Ziel führt."
Seltene Erkrankungen: Taroh Kinoshita erhält Jung-Medaille für Medizin 2026
Professor Taroh Kinoshita (74) vom Center for Infectious Disease Education and Research (CiDER) an der University of Osaka hat den Biosyntheseweg der sogenannten GPI-Anker aufgeklärt. Diese Moleküle sorgen dafür, dass Proteine korrekt an Zellmembranen verankert werden - ein zentraler Prozess für die Funktion vieler Zellen. Seine Forschung hat wesentlich dazu beigetragen, Krankheitsmechanismen besser zu verstehen, insbesondere bei seltenen und komplexen Erkrankungen. Sie bildet eine Grundlage für präzisere Diagnostik und neue therapeutische Ansätze. Für sein wissenschaftliches Lebenswerk erhält Kinoshita die Jung-Medaille für Medizin in Gold 2026. Die Auszeichnung ist mit 30.000 Euro zur Förderung eines/einer Nachwuchswissenschaftler:in verbunden.
Kinoshita prägte über Jahrzehnte die molekularbiologische Forschung und setzte sich früh klare wissenschaftliche Ziele. Mit der Aufklärung zentraler Mechanismen der GPI-Biosynthese hat er diese konsequent erreicht. Rückblickend zieht er eine nüchterne Bilanz seines Weges: "Als ich mich aus der aktiven Forschung zurückgezogen habe, hatte ich meine Ziele erreicht." Heute nutzt er seine Erfahrung, um gezielt die nächste Generation von Forschenden zu fördern.
50 Jahre Jung-Preis für Medizin
Die Jung-Stiftung vergibt ihre Medizinpreise jährlich für herausragende Forschung mit klinischer Relevanz. Der Jung-Preis für Medizin wurde im Jahr 1976, also vor genau 50 Jahre, erstmals verliehen. Anlässlich dieses Jubiläums findet neben der Preisverleihung in diesem Jahr auch ein Senatsempfang für geladene Gäste im Hamburger Rathaus statt.
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