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Breitbandmarkt 2026: Vodafone und seine vielen Fehltritte

Breitbandmarkt 2026: Vodafone und seine vielen Fehltritte
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Stuttgart (ots)

Anfang 2020 war die Transformation zum bundesweiten Kabelriesen perfekt - im Zuge seiner ersten großen Gigabit-Offensive präsentierte sich Vodafone als kraftvolles Gegenwicht zur Deutschen Telekom. Seitdem aber hat der Netzbetreiber viele Hunderttausend Breitbandkunden verloren. Wie konnte das passieren?

Vodafone hat heute seine Geschäftszahlen zum 4. Kalenderquartal 2025 herausgegeben. Darin zu sehen: Der Abwärtstrend bei Vodafone hält weiter an - wenn auch leicht abgeschwächt. Insgesamt ist die Zahl der Vodafone Breitbandkunden 2025 um weitere 120.000 zurückgegangen. Aber wie sind die teils massiven Verluste der letzten Jahre zu erklären? DSLWEB gibt einen Überblick über die entscheidenden Entwicklungen.

Die rosige Zukunft von 2020

Durch die Übernahme von Kabel Deutschland in 2013 und Unitymedia in 2019 hatte Vodafone das Unmögliche möglich gemacht: Rund zwei Jahrzehnte nach dem Fall des Kabelmonopols war in Deutschland wieder ein bundesweiter Kabelnetzbetreiber entstanden.

Im April 2020 konnte Vodafone schließlich in ganz Deutschland ein einheitliches Tarifportfolio unter dem eigenen Markennamen anbieten. Das Vodafone Kabelnetz brachte es zu dieser Zeit bereits auf rund 24 Mio. erreichbare Kabelhaushalte und fast 11 Mio. Breitbandkunden.

Kurzum: Dem Marktführer Deutsche Telekom stand nun erstmals ein Gegner auf Augenhöhe gegenüber. Darüber hinaus hatte dieser auch noch einen besonderen Trumpf in der Hand. Denn während die Telekom gerade noch mit dem Ausbau der Übergangs-Technologie VDSL-Vectoring beschäftigt war, konnte Vodafone über sein modernes DOCSIS 3.1 Kabelnetz bereits großflächig Gigabit-Geschwindigkeiten anbieten.

Corona-Pandemie legt Schwächen offen

Das Jahr 2020 war natürlich auch das Jahr der Corona-Krise. Ein weltweiter Ausnahmezustand, für die Geschäfte der deutschen Breitbandprovider aber keine schlechte Zeit. Denn durch Kontaktbeschränkungen, Fernunterricht und Homeoffice waren ihre Produkte gefragt wie nie. Die verstärkte Abhängigkeit von Online-Diensten bewegte zudem viele private Nutzer, Unternehmen und Institutionen zum Umstieg auf höheren Bandbreiten.

Für Vodafone hatte das Ganze aber eine Kehrseite: Die extrem erhöhte Netzauslastung brachte schonungslos die Schwachstellen in der Vodafone-Infrastruktur zutage. Damit nicht genug, hatte der Vodafone Kundenservice sichtlich Schwierigkeiten, Geschwindigkeits-Einbrüche und Verbindungsausfälle zügig zu bearbeiten. Der Ruf des Gigabit-Kabels war nachhaltig angekratzt.

Ein weiterer Effekt der Pandemie: Mit den Vodafone-Shops hat ein für Vodafone sehr wichtiger Vertriebskanal langfristig Schaden genommen. Das Geschäft in den Ladenlokalen konnte auch lange nach den Lockdown-Zeiten nicht mehr an das alte Niveau anknüpfen.

Nach diesem Weckruf hat Vodafone jedoch auch wieder stark aufgeholt. Dank hoher Investitionen in die Stärkung der eigenen Infrastruktur konnte sich der Anbieter nicht nur schnell beim Kundenservice verbessern, sondern bereits im Jahr 2023 Testsiege in den Netztests von Computer Bild und Chip erringen. Im führenden Connect Festnetz-Test gelang Vodafone durch die Maßnahmen im gleichen Jahr der Sprung von Platz Vier auf den zweiten Platz.

Gesetzesänderung erwischt Vodafone kalt

Im Dezember 2021 ist eine Gesetzesänderung in Kraft getreten, die weitreichende Folgen für die deutschen Breitbandanbieter hatte. Denn seit der TKG-Novelle 2021 dürfen sich Kundenverträge nach dem Ende der zweijährigen Mindestlaufzeit nicht mehr automatisch um weitere 12 Monate verlängern.

Im 1. Halbjahr 2022 brachte das mit einem Schlag eine Menge Bewegung in den Markt, danach ebbte die große Kundenmigration aber auch schon wieder ab. Allerdings nicht bei Vodafone. Wie alle Marktteilnehmer war der Kabelanbieter im Vorfeld vor die Aufgabe gestellt, möglichst viele seiner Altkunden durch neue Verträge weiter an sich zu binden. Dieses Unterfangen hat Vodafone Deutschland jedoch schlicht an die Wand gefahren.

Wo andere Anbieter mit reibungslosen Online-Verfahren punkten konnten, litt Vodafone intern an veralteten IT-Prozessen und gängelte seine Kundschaft mit einer umständlichen Nutzerführung - teilweise ließ sich die eigene Vertragsverlängerung sogar nur per E-Mail finalisieren.

Das hat nicht nur für erheblichen Unmut bei der Konzernspitze in London gesorgt, sondern sich auch ganz klar in den Kundenzahlen niedergeschlagen: Unterm Strich ist die Zahl der Vodafone Breitbandkunden im Kalenderjahr 2022 sogar um fast eine Viertelmillion abgerutscht.

Viele Kunden machen Preiserhöhungen nicht mit

Preisanpassungen bei Internettarifen sind an sich nichts Ungewöhnliches. Doch an Preiserhöhungen für Bestandskunden trauen sich die Provider vergleichsweise selten. Vodafone hat sich hier in 2023 aus der Deckung gewagt - mit einschneidenden Folgen.

Insgesamt wurden im Laufe des Jahres für rund 10 Mio. Vodafone Bestandskunden die Monatsgebühren um 5 Euro angehoben. Dass hier nicht jeder mitziehen würde, war klar. Deutliche Kundenverluste waren daher vorprogrammiert. Das war allerdings nicht die einzige Konsequenz. Denn der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hielt die einseitige Preiserhöhung für unrechtmäßig und ging mit einer Sammelklage gegen Vodafone vor. Hier ist der Ausgang jedoch weiterhin ungewiss, zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung läuft das Verfahren immer noch.

Ende des Nebenkostenprivilegs: Erdrutsch mit Ansage

Nach langem Vorlauf stand im Juli 2024 das endgültige Ende des sogenannten Nebenkostenprivilegs an. Seitdem kann der TV-Kabelanschluss nicht mehr direkt über die Mietnebenkosten abgerechnet werden. Millionen Mieter stand es damit frei, dem Kabel-TV endgültig den Rücken zu kehren.

Als größter deutscher Kabelbetreiber war Vodafone im extremen Maße von der Neuregelung betroffen. In der Rückschau hat Vodafone diese Herausforderung allerdings erstaunlich gut gemeistert. Am Ende konnte das Unternehmen rund 4 Millionen seiner 8,5 Millionen Vodafone TV-Haushalte halten, was in etwa den eigenen Zielvorgaben entsprach. Das Wegfall des Kabelzwangs dürfte den Anbieter jedoch weitere Internetkunden gekostet haben, die sich komplett vom Kabelanschluss losgesagt haben.

Vodafone Group: Restrukturierung nach Führungswechsel

Angesichts des harten Marktumfelds und dem stets schwierigen Verhältnis zur Konzernspitze kam es bei Vodafone Deutschland in den letzten Jahren gleich mehrmals zu Führungswechseln. So wurde 2022 der bisherige Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter durch Phillip Rogge abgelöst - nicht zuletzt eine Folge des verstolperten Umgangs mit der TKG-Novelle 2021. Doch allzu lange hielt sich Rogge nicht im Amt, bereits 2024 rückte der vorherige Privatkunden-Vorstand Marcel de Groot auf dessen Position nach.

Das Personalkarussell hat sich allerdings nicht nur in Deutschland gedreht. Im Dezember 2022 verkündete der 2018 eingesetzte Vodafone-CEO Nick Read seinen Rücktritt. Die daraufhin eingesetzte Interims-Chefin Margherita Della Valle übernahm im folgenden April offiziell die Führung der Vodafone Group. Sie ist mit einem tiefgreifenden Reformplan angetreten. Dieser sieht nicht nur eine deutliche Verschlankung des Konzerns vor, sondern auch eine stärkere Dezentralisierung. Die einzelnen Märkte sollen unabhängiger von der Konzernzentrale agieren können - die aktuelle Führung von Vodafone Deutschland genießt also mehr Freiheit im Umgang mit kommenden Herausforderungen vor Ort.

Breitbandmarkt 2026: Noch mehr Analysen und Einblicke

Welche weiteren Trends den deutschen Breitbandmarkt 2026 prägen, weshalb der Marktführer seine Strategie umwirft und ob eine neue Übernahmewelle bevorsteht, verrät der DSLWEB Breitband Report 2026. Die jährlich erscheinende Studie begleitet seit 2007 die Entwicklungen auf dem deutschen Breitbandmarkt und liefert detaillierte Daten zu Kundenzahlen, Marktanteilen und Umsätzen der wichtigsten Anbieter.

Der vollständige Report ist abrufbar unter https://www.dslweb.de/breitband-report-deutschland-2026.php

DSLWEB-Grafik zur Vodafone Kundenentwicklung

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