Leistungsabfall, Psyche, Gewalt: hr-Umfrage beleuchtet zum Anlass der PISA-Ergebnisse die Situation an hessischen Schulen
Frankfurt am Main (ots)
Heute werden bei der Bundespressekonferenz in Berlin die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie vorgestellt. Vermutlich wird sie Deutschland das schlechteste Ergebnis der bisherigen Befragungen bescheinigen. Die PISA-Studie der OECD läuft in einem regelmäßigen Turnus alle paar Jahre ab und testet weltweit die Kompetenzen von 15-jährigen Jugendlichen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Konkrete Ergebnisse für einzelne Bundesländer werden nicht ausgewiesen. Der Hessische Rundfunk (hr) wollte es für Hessen genauer wissen und hat eine Umfrage an mehr als 500 weiterführende Schulen in ganz Hessen sowie an die Bildungsgewerkschaft GEW geschickt und rund 1700 Antworten von hunderten Schulen bekommen - mit ihrem Blick auf den Schulalltag und die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Diese Umfrage ist nicht repräsentativ.
Wir haben verschiedene Themen aus dem Schul-Alltag abgefragt. Mehr als drei Viertel der befragten Lehrer und Lehrerinnen haben angegeben, dass sich die Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler im Schnitt verschlechtern, wie auch bei den Ergebnissen der vergangenen PISA-Studien. Besonders alarmierend: Rund 88 Prozent der Lehrkräfte sagen, dass psychische Probleme bei den Jugendlichen zunehmen, dass es ihnen zunehmend schlechter geht. Außerdem sehen siebzig Prozent mindestens teilweise Gewalt zunehmend als Thema an ihrer Schule und ein Drittel gab an, die Schulgebäude seien marode.
Viele Lehrkräfte geben an, dass sie einen großen Teil ihrer Arbeitszeit für andere Dinge aufwenden müssen als dafür, guten Unterricht zu planen und durchzuführen. Dazu komme, dass viele den Personalmangel an ihrer Schule als hoch einschätzen. Nur etwa ein Viertel der Lehrkräfte sieht an ihrer Schule kein Problem mit fehlendem Personal. Die Frankfurter Bildungsforscherin Barbara Asbrand fasst das Grundproblem vieler Schulen im hr-hessenschau-Interview so zusammen: "Die Kapazitäten werden weniger, die Schulen zur Verfügung haben, und die Herausforderungen werden größer."
Woran das liegt, dazu haben die Befragten ganz unterschiedliche Erklärungen. Die Wissenschaftlerin Barbara Asbrand sieht nach wie vor die Spätfolgen der Corona-Pandemie, weil in der Zeit eine ganze Generation grundlegende soziale und schulische Entwicklungsschritte verpasst habe. Einige Lehrkräfte nennen andere Gründe: Probleme in der Erziehung zum Beispiel, aber auch fehlende Unterstützung der Politik - das sehe man etwa bei den Angaben zum Personalmangel. Beim hessischen Kultusministerium heißt es auf unsere hessenschau-Anfrage dagegen, dass zuletzt nur 1,6 Prozent der Lehrerstellen in Hessen unbesetzt geblieben seien. Außerdem ist demnach die Zahl der Schulpsychologen zuletzt hochgefahren worden.
Bei der PISA-Studie werden alle drei bzw. vier Jahre die Leistungen von 15-Jährigen in den Bereichen Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik getestet. In Deutschland nahmen zwischen März und Mai 2025 rund 7.000 Schülerinnen und Schüler teil.
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