Fahrgastverband PRO BAHN e. V.
Keine Rückkehr zur Bahnsteigsperre
Keine Rückkehr zur Bahnsteigsperre
Fahrgastverband PRO BAHN weist den Vorstoß von Verkehrsminister Bilger zu Zugangskontrollen an großen Bahnhöfen zurück
München, 15. September 2026 – Der Fahrgastverband PRO BAHN lehnt Zugangskontrollen zu den Bahnsteigen deutscher Bahnhöfe ab. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hält es für sinnvoll, den Weg zum Gleis im Fernverkehr an eine gültige Fahrkarte zu knüpfen, verweist auf Frankreich und Großbritannien und begründet das mit Angriffen auf die Verkehrsinfrastruktur. Eine Fahrkartenschleuse hält keinen Täter fern, sie hält Fahrgäste auf. Die Frage ist in Deutschland erst vor kurzem ausführlich geprüft und verworfen worden. Eine Neuauflage der Debatte braucht es nicht.
„Die Begründung des Ministers setzt voraus, dass eine gültige Fahrkarte Täter vom Bahnsteig fernhält. Diese Annahme ist falsch“, erklärt Prof. Dr. Lukas Iffländer, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN. „Wer Menschen auf einem Bahnsteig angreifen will, kauft für wenige Euro ein Ticket und geht durch die Schleuse. Die Täterin des Messerangriffs im Hamburger Hauptbahnhof im Mai 2025 hätte eine Fahrkartenkontrolle nicht aufgehalten, und wer Kabelschächte oder Stellwerke sabotiert, tut das an der freien Strecke, weit weg von jeder Bahnsteigsperre.“ Der Minister verwechselt Fahrkartenkontrolle mit Sicherheit.
Sicherheit am Bahnhof entsteht durch Personal und durch Technik, die Gefahren erkennt, nicht Fahrkarten. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert ansprechbare Bundespolizei und DB-Sicherheitskräfte dauerhaft auf den Bahnsteigen und in den Hallen aller großen Bahnhöfe, nicht nur an den 35 Stationen des befristeten Sofortprogramms, und Bahnhöfe, die aufgeräumt und übersichtlich sind, statt vor allem Umsatz für die Ladenmieter zu erzeugen. Wo der Bund Zugänge tatsächlich absichern will, gibt es moderne Detektionstechnik, etwa Durchgangsportale mit Sprengstoffsensoren, die Gefahrstoffe erkennen, ohne dass jemand stehen bleibt oder ein Ticket vorzeigt. Den Schutz von Kabeltrassen, Stellwerken und Brücken muss die DB InfraGO an der Strecke organisieren, denn dort fanden die Sabotageakte der vergangenen Jahre statt.
Hinzu kommt der Betrieb. In Paris starten die TGV in Kopfbahnhöfen von eigenen Bahnsteigen, die Schleusen stehen am Zugang zum Zug. In Deutschland teilen sich ICE, Regionalexpress und S-Bahn Bahnsteige, Treppen und Unterführungen, und der Umstieg in Hannover, Frankfurt oder Mannheim dauert planmäßig wenige Minuten oder findet am selben Bahnsteig am Gleis gegenüber statt. Der Deutschlandtakt baut auf genau diesen kurzen Übergängen auf. „Jede Schleuse frisst Übergangszeit, und bei jedem verspätungsbedingten Gleiswechsel steht die Schlange vor dem falschen Bahnsteig“, warnt Iffländer. Der Fahrgastverband PRO BAHN hat Zugangsschleusen nach ausländischem Vorbild bereits mit der DB InfraGO erörtert, mit dem gemeinsamen Ergebnis, dass sie sich nicht auf deutsche Bahnhöfe übertragen lassen. Bilger räumt das selbst ein, wenn er auf die historisch gewachsenen Bahnhöfe verweist. Dann sollte er es auch nicht erproben.
Der Bahnhof ist zudem öffentlicher Raum. Wer Eltern abholt, ein Kind zum Zug bringt, vom Mobilitätsservice zum Wagen begleitet wird oder die Bahnhofsmission sucht, braucht dafür keine Fahrkarte. Die Bundesbahn hat Bahnsteigsperre und Bahnsteigkarte 1974 abgeschafft, weil die Kontrolle mehr kostete, als sie einbrachte, und die Prüfung im Zug ausreicht. An dieser Rechnung hat sich nichts geändert.
Nach der Debatte um eine Reservierungspflicht im ICE ist es innerhalb einer Woche der zweite Vorstoß, den offenen Bahnbetrieb in Deutschland nach ausländischem Muster zu schließen. Der Fahrgastverband PRO BAHN hält klar dagegen: Jeder mit gültiger Fahrkarte kommt mit, und kontrolliert wird im Zug.
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