Fahrgastverband PRO BAHN e. V.
Liegengebliebener ICE legte Fernverkehr Berlin–Hamburg lahm
Liegengebliebener ICE legte Fernverkehr Berlin–Hamburg lahm
Fahrgastverband PRO BAHN fordert versprochenen Ausbau der Umleitungsstrecken
Ein einzelner liegengebliebener ICE auf einem eingleisigen Abschnitt der Strecke Stendal–Uelzen blockierte über einen halben Tag die wichtigste Umleitungsstrecke der laufenden Generalsanierung Hamburg–Berlin. ICE-Züge mussten über Hannover umgeleitet werden, verspäten sich massiv oder fallen aus. Tausende Fahrgäste waren betroffen.
Der Fahrgastverband PRO BAHN kritisiert, dass ein einziger technischer Defekt ausreicht, um die zentrale Umleitung der neunmonatigen Vollsperrung Hamburg–Berlin komplett lahmzulegen. „Dieser Vorfall ist kein Pech – er ist die vorhersehbare Konsequenz eines seit Jahrzehnten verschleppten Streckenausbaus", erklärt Professor Lukas Iffländer, stellvertretender Bundesvorsitzender vom Fahrgastverband PRO BAHN.
Die Bahnstrecke Stendal–Uelzen, historisch als „Amerikalinie" bekannt, wurde nach der Wiedervereinigung als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 3 wiederaufgebaut – jedoch nur eingleisig. Obwohl das zweite Gleis auf beiden Seiten der ehemaligen Grenze bereits vor der Teilung existierte, wurde es nie vollständig wiederhergestellt. Die erste Baustufe brachte zwischen 2014 und 2018 lediglich 37 von über 100 Streckenkilometern auf Zweigleisigkeit – auch dort mit Verzögerungen durch Planungsfehler. Der im Bundesverkehrswegeplan vorgesehene durchgehende zweigleisige Ausbau steckt trotz hohem Nutzen-Kosten-Verhältnis und bestandskräftigem Planrecht weiterhin in der Planungsphase. Die eigene Korridorsanierung der Strecke ist sogar erst für das zweite Halbjahr 2030 vorgesehen.
Die Auswirkungen zeigen sich bereits im Ersatzkonzept für die Korrdiorsanierung: "Die RegionalExpress-Linie 20 von Stendal nach Uelzen fällt – wie bei anderen Sperrungen der Strecke Berlin - Hamburg auch – aufgrund der eingeschränkten Streckenkapazität teilweise komplett aus, als Ersatz müssen Fahrgäste mit Nahverkehrsticket einen Ersatzbus mit Umstieg nutzen", ergänzt Michael Koch vom Landesvorstand in Mitteldeutschland.
Der gestrige Vorfall ist dabei kein Einzelfall: Bereits im September 2025 legte eine Oberleitungsstörung bei Uelzen die Strecke für 30 Stunden lahm. Im Oktober folgten weitere Störungen. Das Portal DB-watch.de bilanzierte nach 100 Tagen Generalsanierung einen „Dauerstresstest" auf den Umleiterstrecken.
„Das Konzept der Generalsanierung ist im Grundsatz richtig", so Iffländer. „Aber auf einer überwiegend eingleisigen Strecke im Stundentakt ICE fahren zu lassen, heißt, jeden kleinen Zwischenfall zum Totalausfall werden zu lassen."
Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert:
- Den zweigleisigen Vollausbau der Strecke Uelzen–Stendal mit höchster Priorität voranzutreiben, auch im Hinblick auf weitere Korridorsanierungen und sonstige Umleiter.
- Für jede künftige Korridorsanierung verbindlich sicherzustellen, dass die Umleitungsstrecken vor Beginn der Sperrung ausreichend leistungsfähig und redundant verfügbar sind, so wie es bei der Vorstellung des Konzepts versprochen wurde.
- Die Reihung der Korridorsanierungen mit dem Ausbaustand der jeweiligen Umleitungsstrecken zu synchronisieren.
- Kurzfristig die betriebliche Robustheit auf der Strecke zu erhöhen – etwa durch Vorhaltung zusätzlicher Hilfslokomotiven, um die verbleibende Sanierungsdauer bis Ende April 2026 zu überbrücken.
-- Fahrgastverband PRO BAHN e. V. Agnes-Bernauer-Platz 8, 80687 München T +49 89 248824971 presse@pro-bahn.de www.pro-bahn.de