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09.03.2020 – 12:05

Die Stiftung Menschen für Menschen

Berhanu Negussie erhält Bundesverdienstkreuz in Addis Abeba

Berhanu Negussie erhält Bundesverdienstkreuz in Addis Abeba
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Er war Karlheinz Böhms erster Mitarbeiter, Freund und engster Vertrauter: Seit rund vierzig Jahren ist Berhanu Negussie für die Stiftung Menschen für Menschen in Äthiopien tätig, seit 18 Jahren als deren Landesrepräsentant. Heute erhielt er das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland.

Große Ehre für Berhanu Negussie:

Landesrepräsentant von Menschen für Menschen erhält Bundesverdienstkreuz

München/Addis Abeba, 9. März 2020. Er war Karlheinz Böhms erster Mitarbeiter, wurde zu dessen Freund und engstem Vertrauten bei der Arbeit in Äthiopien und ist seit 18 Jahren Landesrepräsentant der Stiftung Menschen für Menschen – nun wurde Berhanu Negussie für seinen jahrzehntelangen Einsatz mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Botschafterin Brita Wagener nahm die Auszeichnung am Montagmittag – stellvertretend für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – in der Deutschen Botschaft in Addis Abeba vor und würdigte damit Negussies großen Beitrag für die Menschen in Äthiopien: „Ihre Überzeugung und ihr Mut machen Sie zu einem echten Vorbild für Menschen in Äthiopien und weltweit.“

“Ideen und Werte werden erst zu Wirklichkeit durch Menschen, die sie leben und umsetzen. Ato Berhanu verkörpert seit fast 40 Jahren wie kein zweiter zum einen die Ideen und Werte der Stiftung und zum anderen die Beharrlichkeit und Umsetzungsfähigkeit derselben bei den Menschen vor Ort”, sagte Dr. Sebastian Brandis, Sprecher des Vorstands von Menschen für Menschen. “Diese verdiente Auszeichnung ist eine Bestätigung der Arbeit von Ato Berhanu in den vergangenen fast 40 Jahren sowie ein Ansporn für die ganze Stiftung Menschen für Menschen.”

Wegweisende Begegnung im Erer-Tal

Berhanu Negussie Woldemikael wird 1955 in Audigdig bei Harar im Osten Äthiopiens geboren und wächst dort in einer Bauernfamilie mit vier Brüdern und vier Schwestern auf. Während er auf die Sekundarschule geht, wird der Kaiser gestürzt und das Derg-Regime kommt an die Macht. Negussie besucht danach das College in Harramaya, wo er Soziale Arbeit studiert und gleichzeitig als Sozialarbeiter beim Deutschen Leprahilfswerk tätig ist.

Negussie arbeitet in einer Leprastation im Erer-Tal, als er 1981 Karlheinz Böhm kennenlernt. Der Schauspieler hat soeben durch seinen Auftritt in der TV-Sendung „Wetten, dass..“ 1,2 Millionen D-Mark an Spendengeldern erhalten und sucht einen Übersetzer, der ihn bei seinen ersten Besuchen in einem Flüchtlingslager in Babile unterstützt. Negussie wird schnell unverzichtbar für Böhm und wechselt wenig später fest zu Menschen für Menschen.

„Viele meiner Freunde haben nicht verstanden, dass ich meinen sicheren Job aufgab. Sie waren überzeugt, dass es die Stiftung nach ein bis zwei Jahren nicht mehr geben würde“, erzählt der heute 64-Jährige. „Mich hingegen hat beeindruckt, dass ein erfolgreicher europäischer Schauspieler sein bisheriges Leben aufgibt, um Menschen in Äthiopien zu helfen.“

Respekt und Sympathie beruhen auf Gegenseitigkeit und wachsen mit den Jahren, in denen Böhm und Negussie eng zusammenarbeiten. „Ich hatte viele Diskussionen mit ihm. Karl wusste, dass er die Tradition, die Kultur, den Glauben der Menschen respektieren musste. Er hat niemals versucht, den Bauern etwas aufzudrängen, sondern ihnen eine Veränderung in Aussicht gestellt. Darüber wurde dann intensiv diskutiert“, gab Negussie kürzlich im Interview mit der „Main-Post“ Einblick in die Zusammenarbeit mit dem Gründer der Äthiopienhilfe.

Vom Übersetzer zum Landesrepräsentanten

Anfangs als erster Angestellter der Stiftung noch persönlicher Dolmetscher von Böhm, wird Negussie bald mit weiteren Aufgaben betraut. 1984 wird er „Resident Representative“ im Erer-Tal, dem ersten Projektgebiet von Menschen für Menschen. 1992 übernimmt er die Position des Verwaltungsleiters am Agro Technical and Technology College (ATTC) in Harar, von 1996 an ist Negussie als Projektleiter für die Projektgebiete Merhabete, Mida und Derra zuständig, ehe er 2001 in die Zentrale in der Hauptstadt Addis Abeba wechselt.

2002 übernimmt Berhanu Negussie das Amt des Landesrepräsentanten von Menschen für Menschen in Äthiopien, welches er bis heute innehat. Als (mit Abstand) dienstältester Angestellter führt er seitdem eine Organisationseinheit der Stiftung, die rund 640 Mitarbeiter umfasst.

Dabei hat sich Negussie stets als Mittler zwischen den Spendern in Deutschland und den Empfängern in Äthiopien verstanden. Das Verständnis füreinander ist ihm ein sehr wichtiges Anliegen. Im eigenen Land hat er sich mit großem Einsatz – zum Teil auch unter Inkaufnahme erheblicher Gefahren – für die Empfänger der Entwicklungshilfe eingesetzt.

„Seit 2013 arbeite ich nun mit Ato Berhanu zusammen“, sagt Menschen für Menschen-Vorstand Peter Renner. „Stets hat mich seine offene, warmherzige Art sowie sein wacher und für Veränderungen bereiter Geist beeindruckt.“

Für seinen jahrzehntelangen Einsatz wird Negussie jetzt mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Der Verdienstorden wird laut Webseite des Deutschen Bundespräsidenten „an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, wie zum Beispiel im sozialen und karitativen Bereich.“

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Pressekontakt
Andrea Hegener
Stiftung Menschen für Menschen
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