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DVR Förderpreis 2026: Vier Abschlussarbeiten für mehr Sicherheit auf Deutschlands Straßen

DVR Förderpreis 2026: Vier Abschlussarbeiten für mehr Sicherheit auf Deutschlands Straßen
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Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e.V.

Pressemitteilung

DVR Förderpreis 2026: Vier Abschlussarbeiten für mehr Sicherheit auf Deutschlands Straßen

Berlin, 25. Juni 2026

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hat heute im Rahmen des DVR Forums in Berlin die Gewinnerinnen und Gewinner des DVR Förderpreises 2026 ausgezeichnet. Prämiert wurden vier herausragende akademische Abschlussarbeiten, die sich mit aktuellen Herausforderungen der Verkehrssicherheit befassen und praxisnahe Lösungsansätze für Politik, Kommunen, Verbände und Unternehmen aufzeigen. Die ausgezeichneten Arbeiten liefern wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse und konkrete Handlungsempfehlungen, um dem Ziel der Vision Zero – keine Getöteten und Schwerverletzten im Straßenverkehr – einen weiteren Schritt näherzukommen. Der DVR Förderpreis wurde in diesem Jahr zum 17. Mal verliehen.

Erster Platz: Melina Brock – Begleitetes Fahren ab 16 Jahren

Junge Fahranfängerinnen und Fahranfänger zwischen 18 und 20 Jahren weisen ein deutlich höheres Unfallrisiko als andere Altersgruppen auf. Melina Brock untersuchte in ihrer Bachelorarbeit, ob eine Absenkung der Altersgrenze für das Begleitete Fahren von 17 auf 16 Jahre die Unfallzahlen in den ersten Jahren des selbständigen Fahrens weiter senken könnte. Sie verfasste ihre Arbeit im Fachbereich Polizeivollzugsdienst an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen in Münster.

Auf Basis einer Literaturstudie und von Experteninterviews zeigt Melina Brock, dass das Unsicherheitsgefühl junger Fahranfängerinnen und Fahranfänger mit zunehmender Dauer des Begleiteten Fahrens deutlich abnimmt. Gleichzeitig sinken die Unfallraten im ersten Jahr des selbstständigen Fahrens. Nach Einschätzung der Autorin werden mögliche Reifeunterschiede zwischen 16- und 17-Jährigen durch den zusätzlichen Gewinn an Fahrerfahrung und die Unterstützung einer Begleitperson mehr als ausgeglichen, sodass insgesamt ein Sicherheitsgewinn zu erwarten ist.

Da eine Absenkung des Mindestalters des Begleiteten Fahrens derzeit europarechtlich nicht möglich ist, empfiehlt Melina Brock eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit: Jugendliche sollten motiviert werden, genau mit Erreichen des Alters von 16 ½ Jahren die Fahrausbildung zu beginnen, um die rechtlich vorgesehene Begleitphase ab dem 17. Geburtstag vollständig zu nutzen. In der Praxis wird die Begleitphase bislang von vielen Jugendlichen nicht voll ausgeschöpft.

Für ihre Bachelorarbeit erhält Melina Brock ein Preisgeld in Höhe von 3.500 Euro.

Zweiter Platz: Sabrina Bittel – Betriebliche Arbeitsorganisation senkt Mobilitätsunfälle

Rund die Hälfte aller tödlichen Arbeitsunfälle in Österreich und Deutschland ereignet sich im Straßenverkehr – auf dem Arbeitsweg oder bei dienstlichen Wegen. Sabrina Bittel analysierte in ihrer Masterarbeit die Daten von 947 Beschäftigten in österreichischen Unternehmen mithilfe des Analysetools GUROM (Gefährdungsbeurteilung und Risikobewertung organisationaler Mobilität). Sie verfasste ihre Arbeit am Institut für Psychologie der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Die Ergebnisse zeigen, dass verhaltens- und kompetenzbezogene Maßnahmen wie Fahrtrainings und Schulungen zur Vermeidung von Ablenkung zwar wichtig bleiben, allein jedoch nicht ausreichen. Den größten Einfluss auf die Verkehrssicherheit haben organisatorische Rahmenbedingungen: Schlechte Arbeitsbedingungen und eine mangelhafte Planung dienstlicher Wege erhöhen Stress und damit das Unfallrisiko erheblich.

Sabrina Bittel empfiehlt, Mobilität systematisch in die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen. Unternehmen sollen realistische Zeitbudgets und verbindliche Pausenregelungen für dienstliche Wege festlegen, Aufgabenanforderungen anpassen und die Notwendigkeit von Dienstreisen kritisch prüfen. Auch die gezielte Weiterentwicklung und Sensibilisierung von Führungskräften sieht sie als wichtigen Hebel für eine nachhaltige Präventionskultur.

Für ihre Masterarbeit erhält Sabrina Bittel ein Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro.

Geteilter dritter Platz: Jerome Busch – Hindernisse in der Fußverkehrsplanung überwinden

Der Fußverkehr ist nach dem motorisierten Individualverkehr die zweitwichtigste Mobilitätsform in Deutschland. Mehr als ein Viertel aller Wege wurde im Jahr 2022 zu Fuß zurückgelegt. Dennoch bestehen vielerorts erhebliche infrastrukturelle Defizite. Jerome Busch untersuchte in seiner Masterarbeit die strukturellen Hindernisse einer fußverkehrsfreundlichen Planung. Er verfasste seine Arbeit am Institut für Verkehrswesen an der Universität Kassel.

Auf Basis einer Literaturanalyse und von Experteninterviews identifiziert Jerome Busch zentrale Barrieren in Politik und Verwaltung. Dazu zählen die traditionelle Priorisierung des Kfz-Verkehrs, mangelndes persönliches Engagement für das Thema Fußverkehr, fehlende Offenheit für neue Lösungsansätze, unzureichende Kommunikation und fehlende Entscheidungskompetenzen. Auch finanzielle und personelle Engpässe sowie Lobbyarbeit von Verbänden erschweren Fortschritte.

Als Erfolgsfaktoren identifiziert Jerome Busch eine stärkere Kommunikation, die Einbindung externer Expertise sowie den verstärkten Einsatz von temporären Maßnahmen und Pilotprojekten. Darüber hinaus berücksichtigt seine Arbeit erstmals systematisch die Anforderungen vulnerabler Gruppen wie Senioren, Kinder und mobilitätseingeschränkter Personen. Mit 30 entwickelten Musterlösungen für typische Planungssituationen liefert die Arbeit praxisnahe Ansätze für die Verbesserung der Fußverkehrsinfrastruktur.

Für seine Masterarbeit erhält Jerome Busch ein Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro.

Geteilter dritter Platz: Linda Marie Pätzold – Radfahrverhalten und Infrastruktur an Kreuzungen

Rund zwei Drittel aller innerörtlichen Radverkehrsunfälle mit Personenschaden ereignen sich an Kreuzungen, Einmündungen und Zufahrten. Linda Marie Pätzold untersucht in ihrer Masterarbeit den Zusammenhang zwischen dem Verhalten von Radfahrenden und der Infrastruktur an unfallbelasteten Knotenpunkten. Sie verfasste ihre Arbeit am Lehrstuhl für Verkehrstechnik der Technischen Universität München.

Linda Marie Pätzold kombiniert in ihrer Arbeit Unfallanalysen der Jahre 2021 bis 2023 mit detaillierten Verhaltensbeobachtungen und App-basierten Radverkehrszählungen. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere Konflikte mit abbiegenden Kraftfahrzeugen eine zentrale Unfallursache darstellen – vor allem bei hohem Freizeitverkehrsaufkommen.

Die Autorin bestätigt den Vorteil sogenannter Schutzkreuzungen mit baulicher Trennung und zurückgesetzten Radwegfurten. Gleichzeitig betont sie, dass Schutzkreuzungen ausreichend dimensioniert sein müssen und freie Sichtbeziehungen vorzusehen sind. Eine Schutzkreuzung ist jedoch nicht automatisch sicherer als eine Kreuzung mit fahrbahnnaher Radverkehrsführung. Für die Verkehrssicherheit ist vor allem die Reduzierung der potenziellen Konfliktpunkte durch eine übersichtliche Verkehrsführung und eine getrennte Ampelsignalisierung für Rad- und Kfz-Verkehr ausschlaggebend.

Für ihre Masterarbeit erhält Linda Marie Pätzold ein Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro.

DVR-Präsident: Wissenschaft als Fundament wirksamer Unfallprävention

„Wissenschaft ist das Fundament wirksamer Unfallprävention. Die vier ausgezeichneten Arbeiten zeigen eindrucksvoll, an welchen Stellschrauben wir drehen müssen, um unserem Ziel der Vision Zero näherzukommen“, sagt DVR-Präsident Manfred Wirsch. „Für den DVR sind die Ergebnisse weit mehr als wissenschaftliche Theorie: Sie liefern konkrete Impulse für unsere grundsätzliche Arbeit, die Weiterentwicklung unserer Präventionsprogramme und den Dialog mit Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Melina Brock, Sabrina Bittel, Jerome Busch und Linda Marie Pätzold leisten damit einen wichtigen Beitrag für mehr Sicherheit auf Deutschlands Straßen.“

Die Abschlussarbeiten der Gewinnerinnen und Gewinner werden in WISOM, der digitalen Bibliothek für verkehrsbezogenes Wissen für Arbeitssicherheit und Prävention, veröffentlicht.

DVR Förderpreis 2027

Bewerbungen für den 18. DVR Förderpreis, der im Juni 2027 verliehen wird, können bis zum 27. November 2026 beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat eingereicht werden.

Weiterführende Informationen

DVR Förderpreis

WISOM

Pressefotos

Foto der Preisträgerinnen und Preisträger, v. l. n. r.: Jerome Busch, Melina Brock, Sabrina Bittel, Linda Marie Pätzold

DVR-Präsident Manfred Wirsch

Honorarfreie Nutzung bei Nennung des Bildnachweises: © Daniela Stanek, DVR

Über den DVR

Der DVR ist Deutschlands unabhängiger Vorreiter und Kompetenzträger in allen Belangen der Straßenverkehrssicherheit. Mit dem Ziel der Vision Zero („Alle kommen an. Niemand kommt um.“) setzt er sich für die gemeinsame Verantwortung aller Gesellschaftsgruppen ein, um den Straßenverkehr sicher zu machen. Durch die hohe Sachkenntnis und die Erfahrung seiner Mitglieder bildet der DVR ein effizientes Netzwerk für Verkehrssicherheit.

Kontakt

Christoph Rieger
Pressesprecher 
Abteilung Kommunikation

Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e.V.
Jägerstraße 67-69
10117 Berlin
+49 (0)30 2 26 67 71 - 30
 CRieger@dvr.de
 www.dvr.de