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Mobilität auf zwei Rädern: Mehr tödliche Unfälle mit E-Scootern, Pedelecs und Kleinkrafträdern

Mobilität auf zwei Rädern: Mehr tödliche Unfälle mit E-Scootern, Pedelecs und Kleinkrafträdern
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Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e.V.

Pressemitteilung

Mobilität auf zwei Rädern: Mehr tödliche Unfälle mit E-Scootern, Pedelecs und Kleinkrafträdern

Berlin, 24. Juni 2026

Die Mobilitätswende verändert den Straßenverkehr in Deutschland grundlegend. Während die Zahl der tödlichen Unfälle im Pkw-Verkehr über Jahrzehnte hinweg deutlich reduziert werden konnte, fordert die zunehmende Nutzung neuer Mobilitätsformen auf zwei Rädern ihren Preis: Die Zahlen der getöteten Menschen auf E-Scootern und Pedelecs steigen dramatisch. Bei den klassischen Formen der Zweiradmobilität – Fahrrädern ohne Hilfsmotor, Kleinkrafträdern und Motorrädern – fällt die Unfallbilanz hingegen gemischt aus. Eine aktuelle Auswertung von Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) für das Verkehrsjahr 2025 durch den Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) belegt diesen besorgniserregenden Trend. „Die Ergebnisse sind alarmierend: Die Zahl schwerer oder tödlicher Unfälle bei Nutzung von Zweirädern verharrt auf einem besorgniserregenden Niveau oder steigt sogar“, sagt DVR-Präsident Manfred Wirsch. „Wir dürfen dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen. Kommunen, Länder und Bund sind gefordert, jetzt entschieden gegenzusteuern.“

E-Scooter, Pedelecs und Kleinkrafträder im Risikofokus

Die Nutzung von E-Scootern entwickelt sich zunehmend zu einem gravierenden Problem für die Verkehrssicherheit. Die Zahl der Getöteten stieg um 19 Prozent von 27 Personen im Jahr 2024 auf 32 im Jahr 2025. Parallel dazu nahm die Zahl der Schwerverletzten auf diesem Verkehrsmittel um rund 21 Prozent von 1.330 (2024) auf 1.611 Personen (2025) zu.

Eine ähnlich negative Entwicklung zeigt sich bei den Pedelecs: Hier stieg die Zahl der Getöteten von 195 Menschen im Jahr 2024 auf 217 im Jahr 2025 – ein Anstieg um 11 Prozent. Auch die Zahl der Schwerverletzten auf Pedelecs verzeichnete ein Plus von etwa 4 Prozent und stieg von 4.852 (2024) auf 5.064 Personen (2025).

Bei den Kleinkrafträdern mit Versicherungskennzeichen ist die Lage ebenfalls kritisch: Die Zahl der Getöteten stieg um 27 Prozent von 41 (2024) auf 52 (2025) Menschen. Die Zahl der Schwerverletzten blieb mit 1.764 Personen im Jahr 2024 und 1.771 Personen im Jahr 2025 auf hohem Niveau nahezu unverändert.

„Die Zahlen sind ein Weckruf: Wir dürfen nicht sehenden Auges zulassen, dass immer mehr Menschen auf unseren Straßen schwer verletzt werden oder sterben, wenn sie auf E-Scootern, Pedelecs oder Kleinkrafträdern unterwegs sind“, sagt Manfred Wirsch.

E-Scooter, Pedelecs, Kleinkrafträder: Politische Forderungen

Mit Blick auf den E-Scooter begrüßt der DVR die 2027 geltenden Änderungen der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung. Dazu zählen die Blinkerpflicht für Neufahrzeuge sowie höhere Verwarnungsgelder für die unerlaubte Gehwegnutzung oder das Fahren zu zweit. Positiv bewertet der DVR zudem die geplante Einbeziehung von E-Scootern in die Gefährdungshaftung der Fahrzeughalter, die sich derzeit im Gesetzgebungsverfahren befindet. Das geplante Gesetz soll Menschen, die durch rücksichtslos abgestellte Scooter verletzt wurden, den Zugang zu Entschädigungen erleichtern. Darüber hinaus fordert der DVR eine Anhebung des Mindestalters für die Nutzung von E-Scootern von 14 auf 15 Jahre, da junge Fahrende ein besonders hohes Verletzungsrisiko aufweisen. Außerdem sollte ein Befähigungsnachweis analog zur Mofa-Prüfbescheinigung eingeführt werden, um Regelverstöße aufgrund mangelnder Verkehrsregelkenntnisse oder unzureichender Fahrzeugbeherrschung zu reduzieren. Der DVR betont zudem die Notwendigkeit konsequenter polizeilicher Kontrollen bestehender Verbote und appelliert an alle Nutzenden, einen Helm zu tragen.

Für Pedelec-Fahrende sind vom motorisierten Verkehr baulich getrennte, durchgängige und von Fremdnutzung freigehaltene Radwege entscheidend für die Verkehrssicherheit. Wo eine bauliche Trennung nicht möglich ist, sollte die zulässige Höchstgeschwindigkeit für den motorisierten Verkehr reduziert werden. Zudem müssen Radwege insbesondere an Kreuzungen sicher geführt sowie ganzjährig gut instand gehalten und gereinigt werden.

Bei der Typgenehmigung von Kleinkrafträdern setzt sich der DVR dafür ein, Manipulationen von Leistung und Höchstgeschwindigkeit wirksam zu verhindern. Darüber hinaus sollten Hersteller freiwillig zusätzliche Schutzmaßnahmen gegen illegale Veränderungen ergreifen. Außerdem fordert der DVR, dass der Einschluss der Führerscheinklasse AM für Kleinkrafträder in die Führerscheinklasse B nur erfolgen soll, wenn der Bewerber um die Fahrerlaubnis der Klasse B im Rahmen der Fahrausbildung eine angemessene theoretische und praktische Einweisung in die fahrphysikalischen Besonderheiten von Zweirädern erhalten hat.

Gemischte Bilanz: Leichte Entlastung bei Fahrrädern und Motorrädern

Auf Fahrrädern ohne Hilfsmotor wurden im Jahr 2024 noch 250 Menschen getötet, während die Zahl 2025 um zwei Prozent auf 245 sank. Die Zahl der Schwerverletzten sank um etwa 7 Prozent von 9.067 Menschen im Jahr 2024 auf 8.396 Menschen im Jahr 2025.

Auch bei Motorrädern ist die Entwicklung positiv: Die Zahl der Getöteten ging von 513 (2024) auf 474 Menschen (2025) zurück. Dies entspricht einem Rückgang von etwa 8 Prozent. Die Zahl der Schwerverletzten auf Motorrädern sank um etwa 6 Prozent von 7.734 (2024) auf 7.297 (2025) Personen.

„Die Zahlen getöteter Menschen auf Fahrrädern ohne Hilfsmotor sinken leicht, die auf Motorrädern sogar deutlich stärker. Das ist ein Teilerfolg“, sagt Manfred Wirsch. „Gerade bei Motorrädern dürfen wir jedoch nicht vergessen, dass die Unfallzahlen von Jahr zu Jahr stark wetterabhängig sind. Für beide Gruppen gilt: Wir dürfen uns auf den Erfolgen nicht ausruhen. Die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten bleibt weiterhin inakzeptabel hoch.“

Fahrrad und Motorrad: Politische Forderungen

Für Fahrende von Fahrrädern ohne Hilfsmotor gelten dieselben politischen Forderungen wie für Pedelec-Fahrende: eine sichere und vom motorisierten Verkehr getrennte Infrastruktur oder die Absenkung der Höchstgeschwindigkeit des motorisierten Verkehrs, eine sichere Kreuzungsgestaltung sowie eine gute Unterhaltung und Reinigung der Radwege.

Für Motorradfahrende fordert der DVR die Bundesregierung auf, sich auf EU-Ebene für die verpflichtende Einführung des automatischen Notrufsystems eCall sowie für verbindliche europäische Ausrüstungsvorschriften für Assistenzsysteme – darunter das Kurven-Antiblockiersystem – einzusetzen. Ebenso wichtig ist eine bessere digitale Vernetzung von Motorrädern. Im Bereich der Infrastruktur fordert der DVR eine motorradfreundliche Straßengestaltung mit hindernisfreien Seitenräumen oder den Einsatz eines Unterfahrschutzes an den Schutzplanken. Darüber hinaus sollten die in Nordrhein-Westfalen erfolgreich erprobten ellipsenförmigen Fahrbahnmarkierungen in unfallauffälligen Kurven bundesweit zum Standard werden. Gleichzeitig appelliert der DVR an Motorradfahrende, ihren Fahrspaß verantwortungsvoll und im Rahmen der geltenden Verkehrsregeln auszuleben.

DVR Forum am 25. Juni: „Mit Sicherheit unterwegs – auf zwei Rädern durch Stadt und Land“

Wie kann Verkehrssicherheit auf zwei Rädern in einem zunehmend vielfältig genutzten Straßenraum wirksam verbessert werden? Wie lassen sich die Zahlen von Menschen, die auf zwei Rädern schwer verletzt oder getötet werden, systematisch senken? Und welche Lösungen ermöglichen allen Verkehrsteilnehmenden auf zwei Rädern den Raum, den sie benötigen? Diesen und weiteren Fragen widmet sich das diesjährige DVR Forum in Berlin.

Termin: Donnerstag, 25. Juni 2026 | 13:00 bis ca. 17:15 Uhr

Ort: Tagungswerk, Lindenstraße 85, 10969 Berlin

Programm

Eine Anmeldung für Medienvertreterinnen und Medienvertreter ist auch kurzfristig unter CRieger@dvr.de möglich.

Weiterführende Informationen

Kampagnen

DVR/UK/BG-Schwerpunktaktion

komm gut an

Roll ohne Risiko

Runter vom Gas

Sicher unterwegs auf der Landstraße

Sicher unterwegs mit dem Pedelec

Publikationen

DVR Blickpunkt: Unfallkommissionen im Einsatz: Gefahrenstellen gezielt entschärfen (2026)

DVR Report: Berauscht unterwegs: Warum strengere Regeln für Radfahrende nötig sind (2026)

Beschlüsse

Fahrbahnmarkierungen zur Verbesserung von Motorradstrecken (2025)

Sichere Teilnahme am Straßenverkehr mit Elektrokleinstfahrzeugen (2025)

Technische Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit von Fahrrad-, Pedelec-, S-Pedelec- und Lastenradfahrenden (2024)

Freigabe von Verkehrsflächen für S-Pedelecs (2024)

Evaluierung der Auswirkungen der geplanten StVZO-Neufassung auf die Sicherheit von Fahrradfahrenden (2024)

Technische Maßnahmen zur Erhöhung der Motorradsicherheit (2024)

Sichere Teilnahme am Straßenverkehr mit Elektrokleinstfahrzeugen (2023)

Eignung von Fahrrädern (Lastenräder) zur Mitnahme von mehreren Kindern prüfen (2021)

Pressefotos

Symbolfoto

DVR-Präsident Manfred Wirsch

Honorarfreie Nutzung bei Nennung des Bildnachweises: © Daniela Stanek, DVR

Über den DVR

Der DVR ist Deutschlands unabhängiger Vorreiter und Kompetenzträger in allen Belangen der Straßenverkehrssicherheit. Mit dem Ziel der Vision Zero („Alle kommen an. Niemand kommt um.“) setzt er sich für die gemeinsame Verantwortung aller Gesellschaftsgruppen ein, um den Straßenverkehr sicher zu machen. Durch die hohe Sachkenntnis und die Erfahrung seiner Mitglieder bildet der DVR ein effizientes Netzwerk für Verkehrssicherheit.

Kontakt

Christoph Rieger
Pressesprecher 
Abteilung Kommunikation

Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e.V.
Jägerstraße 67-69
10117 Berlin
+49 (0)30 2 26 67 71 - 30
 CRieger@dvr.de
 www.dvr.de