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"Nicht die Menschen sind faul, sondern die Politik"
Christian Dürr rechnet mit Leistungsdebatte und Reformverweigerung ab

"Nicht die Menschen sind faul, sondern die Politik" / Christian Dürr rechnet mit Leistungsdebatte und Reformverweigerung ab
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Hamburg (ots)

FDP-Bundesvorsitzender Christian Dürr widerspricht der aktuellen Leistungsdebatte in Deutschland mit ungewöhnlicher Schärfe. "Menschen zu unterstellen, sie seien faul, halte ich für verrückt", sagt Dürr im BIG BANG Podcast. Wer mehr arbeite, werde durch Steuern und Abgaben faktisch bestraft. "Das hat ja nichts mit Faulheit von Menschen zu tun, sondern es ist in Wahrheit Faulheit der Politik."

Auch pauschale Vorwürfe gegenüber jüngeren Generationen weist Dürr klar zurück. "Die Debatte, dass die Gen Z irgendwie faul ist, halte ich für absolut verrückt." Der Grund liege nicht in mangelnder Leistungsbereitschaft, sondern in falschen Anreizen. "Wenn ein junger Mensch gut ausgebildet Anfang, Mitte 20 ins Arbeitsleben startet, wird ihm die Hälfte dessen abgezogen, was der Arbeitgeber aufwendet."

Politik macht Leistung unattraktiv

Für Dürr ist die Leistungsdebatte Ausdruck eines tieferliegenden Problems. Politik verhindere Risiko und Veränderung. "Wir sind in einer Situation, in der wir regelmäßig in Deutschland den Zug verpassen." Seine Metapher wird deutlich. "Die Züge, in die man einsteigen könnte, kommen immer schneller. Und was wir stattdessen machen ist, wenn wir zum Bahnsteig raufrennen, setzen wir uns noch mehr Gepäck auf den Rücken."

Seine Schlussfolgerung ist klar formuliert. "Ich will es mal in einem Satz zusammenfassen. Ich glaube, unser Land muss mehr Risiko wagen." Der Staat tue derzeit das Gegenteil. "Er sagt, es müsse in die eine Richtung entwickelt werden." Subventionen, höhere Steuern und Abgaben - das sei exakt der falsche Weg, so Dürr.

Dürr beschreibt eine wachsende Frustration in den Unternehmen. "Wir haben hunderttausende, wahrscheinlich Millionen Unternehmerinnen und Unternehmer, die durchstarten wollen, aber den Eindruck haben, dass sich in diesem Land nichts ändert."

Baden-Württemberg als Beispiel für radikale Reformen

Mit Blick auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg kündigt Dürr konkrete Einschnitte an. "Der Spitzenkandidat Hans Ulrich Rülke schlägt vor, zwei Verwaltungsebenen komplett abzuschaffen." Verwaltungsstrukturen, die den Staat träge machen, müssten verschwinden. "Diese Ebenen dazwischen sind verzögernde Verwaltungsprozesse."

Der Effekt gehe weit über Bürokratieabbau hinaus. "Viele haben den Eindruck, es lohnt sich nicht mehr zu investieren." Das führe dazu, "dass Baden-Württemberg wirtschaftlich absteigt". Radikale Reformen seien kein Experiment, sondern erprobt. "Wir haben damals eine Verwaltungsebene komplett abgeschafft. Danach hatte Niedersachsen so viele Investitionen, dass wir im Wirtschaftswachstum vor Bayern lagen."

FDP als radikale Mitte

Im Parteiensystem sieht Dürr ein wachsendes Vakuum. "Die Menschen nehmen die Parteien der Mitte als Status-quo-Parteien wahr, die nicht zur Veränderung bereit sind." Aus Frust wandten sich Wähler anderen Kräften zu. "Nicht, weil sie rechts oder links geworden sind, sondern weil sie das Gefühl haben, dass man mal auf den Putz hauen muss."

Die FDP wolle genau hier ansetzen. "Wir sind ein Stück weit die radikale Mitte." Radikal bedeute dabei nicht extremistisch. "Radix kommt von der Wurzel. Wir müssen das Land von der Wurzel neu denken." Auf Veränderung zu verzichten sei keine Option. "Die rationalere Haltung ist, Veränderung ganz bewusst herbeizuführen."

Extremistische Parteien seien aus seiner Sicht kein Ausweg. Zur AfD sagt Dürr klar: "Das ist keine wirtschaftsfreundliche Partei." Ihre Vorschläge führten "in Wahrheit in den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands". Sein Fazit ist eindeutig. "Die AfD ist da keine Alternative, sondern der Weg in den Untergang."

Das vollständige Interview mit Christian Dürr gibt es im BIG BANG Podcast - auf YouTube, Spotify und Podigee.

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