Bretagne: Ein Museum für die Alge
2 Dokumente
Bretagne: Ein Museum für die Alge
Superfood, nachhaltige Alternative zu Plastik, Schönheitszauber – es gibt nur wenig, was die Alge nicht kann. In der Bretagne, wo sie seit Jahrhunderten im Meer geerntet wird, ist das schon lange kein Geheimnis mehr. Seit einigen Jahren sind die Talente des grünen, braunen oder roten Meeresgemüses auch über die Grenzen der Region hinaus bekannter geworden. Zeit für die Bretoninnen und Bretonen, der Meerespflanze mit Superkräften ein neues Museum zu widmen, das in Frankreich einzigartig ist: In Plouguerneau im Nordwesten der Bretagne hat diesen Sommer das Erlebnismuseum Algae eröffnet. Die interaktive Ausstellung nimmt ihre Besucherinnen und Besucher drinnen und draußen mit in die Welt der Algen. Selbst aktiv werden kann man auch bei Algen-Safaris, bei denen die Meerespflanzen zu Fuß geerntet und anschließend zu köstlichen Gerichten verarbeitet werden. Also Gummistiefel an und los!
Wo Tradition und Innovation aufeinandertreffen
Die Küsten der Bretagne sind das größte Algenfeld Europas: Riesige Wassermassen mit starken Gezeiten bringen eine immense Biodiversität hervor. Zwischen 300 und 800 verschiedene Arten von Algen wachsen rings um Frankreichs westliche Halbinsel, von den zarten Meeres-Spaghetti über die bekannte Nori-Alge bis zum großflächigen Lappentang.
In der Dauerausstellung des neuen Algen-Museums tauchen Bretagne-Reisende auf 250 Quadratmetern ein in die Welt der Algen. Zu Beginn werden die verschiedenen Sorten des Meeresgemüses gezeigt, das vor der Küste von Plouguerneau wächst – ein Einblick in eine überraschende Vielfalt an Farben, Formen und Texturen. Danach geht es auf Zeitreise ins Plouguerneau vor 300 Jahren: Wie sah der Alltag der Seetangfischerinnen und -fischer damals aus? Die Antwort: Bis auf moderne Werkzeuge und motorisierte Boote nicht viel anders als heute, denn die Algenernte ist bis heute buchstäblich ein Handwerk.
Die Verwendung der Algen ist heute jedoch vielseitiger denn je: Ursprünglich nur als Quelle für medizinisches Jod und als natürlicher Dünger auf den Feldern genutzt, steht sie heute für innovative Projekte und neue Ideen in Landwirtschaft, Kosmetik, Bekleidung, Lebensmittelindustrie und Informatik. Auf welche Art und Weise sie angewendet wird und warum sie als Plastikersatz für Nachhaltigkeit und Innovation steht, gibt es im Museum ausführlich zu entdecken.
Meer und Küste als Lern- und Verbindungsorte jenseits der Ausstellung
Algae ist jedoch nicht nur ein Indoor-Museum. Über die Ausstellung hinaus entdecken Besuchende an der Küste vor dem Gebäude die traditionellen Boote der Seetangfischerinnen und -fischer sowie die alten Öfen in den Dünen, in denen der Tang früher verbrannt wurde – aus der Asche wurde damals Jod gewonnen. Die Boote sind auch heute noch in Betrieb; hier lernen die Museumsgäste, wie sich das Handwerk der Fischer verändert hat. Wer lieber an Land bleiben will, kann bei Ebbe an Spaziergängen im Watt teilnehmen, wo die Natur zum interaktiven Lernraum wird.Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Euro, deutsche Übersetzungen sind übers Handy mit QR-Code verfügbar. Zwei Mal pro Woche finden Workshops statt.
Weitere Informationen rund um Algae finden sich in französischer Sprache unter https://www.algae.bzh.
Ab ins Watt: Algen-Safaris auf Deutsch mit Martin Loss
Wer sprachlich nichts verpassen und sich die Welt der Algen auf Deutsch zeigen lassen möchte, ist bei Martin Loss richtig. Der gebürtige Deutsche lebt seit vielen Jahren in der Bretagne, genauer gesagt in der Hafenstadt Le Guilvinec im Südwesten. Hier verliebte sich Martin, der zwölf Jahre lang für internationale Tech-Konzerne arbeitete, in das grün, braun und rot schillernde Meeresgemüse und die Faszination für die Algen ließ ihn nicht mehr los. So zog er mit seiner Familie in die Bretagne und lernte von lokalen Algenproduzentinnen und -produzenten alles über Anbau, Ernte und Nutzungsmöglichkeiten. Heute bietet er von April bis Oktober geführte Touren an, bei denen die Teilnehmenden herausfinden, wie essbare Algen wachsen, wie man sie erkennt und nachhaltig erntet – eine Reise in ein einzigartiges Ökosystem zwischen Ebbe und Flut. Einen Kochkurs kann man direkt dazubuchen und gemeinsam mit Martin einfache, aromatische Gerichte mit Algen zaubern.
Weitere Informationen gibt es unter https://malobhc.eu/de/algen-erleben.
Hinkommen
Wer nicht mit dem Auto anreisen möchte, kann ab Paris den direkten TGV nach Brest nehmen, Fahrzeit knapp 4 Stunden. Von hier sind noch etwa 60 Minuten mit dem Bus bis Plouguerneau. Air France fliegt ebenfalls über Paris nach Brest.
Über Algae
Seit mehr als 40 Jahren hält der Verein Karreg Hir die Geschichte der bretonischen Seetangfischerei lebendig. 1985 gemeinsam mit dem Schifffahrtsmuseum von Plouguerneau gegründet und 1998 mit dem Ökomuseum der Seetangfischer und Algen professionalisiert, widmet sich der Verein kontinuierlich der Sammlung, Bewahrung, Erforschung und Vermittlung des materiellen und immateriellen Erbes der Seetangfischerinnen und -fischer. Mit Algae beginnt ein neues Kapitel: Das einstige Ökomuseum macht Platz für ein neu konzipiertes, modernes und interaktives Erlebniszentrum.Als anerkannter Akteur der bretonischen Algenbranche ist Algae Mitglied des Cluster „Algues Bretagne“ und der Vereinigung „Merci les Algues“ und wird wissenschaftlich vom Forschungsinstitut für Meeresbiologie in Roscoff begleitet, das zum französischen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) gehört.
L’AGENTOUR Eschborner Landstr. 42-50, Haus B 60489 Frankfurt am Main presse@lagentour.com
_Algae.jpeg)