Bretagne: Wo die einzigen Nachbarn die Kegelrobben sind
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Reif für die bretonische Insel: Wo die einzigen Nachbarn die Kegelrobben sind
Eng schmiegen sich der Leuchtturm und das benachbarte Haus in die steilen Felsen der winzigen Insel Louët im Nordwesten der Bretagne. Mehr Fläche hätte man dem gerade einmal 450 Meter langen und 250 Meter breiten Eiland im Atlantik auch gar nicht abtrotzen können. Seit diesem Monat kann das ehemalige Leuchtturmwärterhaus nach mehr als einem Jahr Renovierungsarbeiten nun wieder gebucht werden.
Bettlaken bitte mitbringen – und am besten auch das Boot
Eine warme Dusche gibt es auf der Ile Louët nicht, die Trockentoilette befindet sich im ehemaligen Fischerschuppen. Und auch sonst gibt es in dem ehemaligen Wohnhaus der Insel-Leuchtturmwärter und ihrer Familien, das heute drei Schlafzimmer für bis zu zehn Personen sowie eine Galerie als Wohnraum zählt, kaum Komfort. Aber wer braucht den schon, wenn man eine ganze Insel nur für sich hat, und den Tag gemeinsam draußen verbringt, 360°- Meerblick inklusive. Vormittags Schwimmen im Meer und eine kleine Kajaktour rund um sein nächtliches Domizil, nachmittags vorbeischippernde Segler spontan zum Aperitif einladen und am nächsten Morgen vom Möwengeschrei geweckt werden – so geht Urlaub auf der Insel.
Die einzigen Nachbarn sind die Kegelrobben und Seevögel auf den Naturschutzinseln nebenan sowie das Château du Taureau – eine Inselfestung, die in ihrer 500-jährigen Geschichte schon Militärposten, Gefängnis für den französischen Adel, Sommerresidenz – ebenfalls für die Noblesse – und Segelschule war und heute als Museum für Besichtigungen geöffnet ist.
Die Ile Louët liegt inmitten der Bucht von Morlaix im Nordwesten der Bretagne vor der Küste von Carantec. Wer hier übernachten möchte, muss schnell sein: Reservierungen für die Saison von April bis Oktober 2027 sind ab November auf der Website der Tourist-Information der Bucht von Morlaix möglich. Am besten meldet man sich hier schon vorab zum Newsletter an, damit man den Startschuss nicht verpasst.
Gebucht werden können maximal zwei Nächte, Kostenpunkt pro Nacht: 450€ insgesamt für bis zu 10 Personen, 744€ für zwei Übernachtungen. Bleibt noch die Frage der Anreise: Wer ein eigenes Boot hat, kann seine Überfahrt selbst organisieren. Für alle anderen übernimmt das Wassersportzentrum von Carantec den Shuttleservice.
Tipp: Vor dem Küstenörtchen Carantec liegt noch eine weitere Insel. Mit ihren zwei Kilometern Länge und einem knappen Dutzend Einwohnerinnen und Einwohnern ist die Ile Callot größer als die Ile Louët und bei Ebbe sogar zu Fuß erreichbar. Die alte Schule ist bereits seit 2018 als Ferienhaus für bis zu zehn Personen ausgebaut und kann das ganze Jahr über für zwei bis sieben Nächte gebucht werden, ebenfalls auf der Website der Tourist-Information der Bucht von Morlaix.
Und der Leuchtturm?
Der Leuchtturm der Insel Louët wurde 1857 erbaut, um die Einfahrt in die Bucht von Morlaix sicherer zu machen. Seitdem wurde das Leuchtturmhaus von vielen Wärtern und ihren Familien bewohnt, die sich mehr als ein Jahrhundert lang die buchstäbliche Klinke in die Hand gaben. Seit 1962 ist der Leuchtturm – wie inzwischen alle Leuchttürme Frankreichs – automatisiert. Verantwortung haben die Gäste des Leuchtturmwärterhäuschens heute also nicht mehr – nur noch einfach Urlaub.
Hinkommen
Wer nicht mit dem Auto anreisen möchte, kann ab Paris den direkten TGV nach Morlaix nehmen, Fahrzeit ca. 3 Stunden. Von hier sind es noch knappe 30 Minuten mit dem Bus bis nach Carantec. Air France/KLM fliegt außerdem über Paris oder Amsterdam nach Brest, dann weiter mit dem TGV nach Morlaix (30 Minuten) und ebenfalls mit dem Überlandbus Linie 28. Das Centre Nautique von Carantec bringt Urlauberinnen und Urlauber anschließend mit dem Boot zur Insel Louët.
Noch mehr Leuchttürme
Mehr als ein Drittel aller Leuchttürme Frankreichs – 52 von insgesamt 148 – ragen entlang der zerklüfteten Küste der Bretagne empor. Viele von ihnen trotzen seit fast 200 Jahren den tosenden, bis zu 50 Meter hohen Wellen des Atlantiks und weisen Seeleuten aus aller Welt ihren sicheren Weg. Etwa die Hälfte befindet sich im Nordwesten der Region – mit ihren 20 Leuchttürmen ist die Irische See vor der Westküste der Bretagne sogar das Seegebiet mit der größten Konzentration an Leuchttürmen weltweit. Neben der Übernachtung auf der Ile Louët gibt es deshalb viele weitere Erlebnisse rund um das Thema. So führt Fischerin und Gästeführerin Ondine Morin beispielsweise ihre Gäste bei Nacht zu den Leuchttürmen auf der Insel Ouessant. In einem davon ist auch das Museum der Bojen und Leuchttürme untergebracht. Leuchttürme wie Eckmühl im Süden, Saint-Mathieu an der gleichnamigen Landspitze im Westen oder auch der mit 82,5 Metern höchste Leuchtturm Europas auf der Ile Vierge im Nordwesten der Bretagne lassen sich zu Fuß erklimmen. Jeder Turm hat sein ganz eigenes Leuchtsignal, damit Schiffe auf hoher See sofort erkennen, wer ihnen von der Küste aus zublinkt. Dies und noch viel mehr erfährt man auch bei den Zodiac-Touren durch die Irische See von Archipel Excursions ab Le Conquet.
L’AGENTOUR Eschborner Landstr. 42-50, Haus B 60489 Frankfurt am Main presse@lagentour.com
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