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Muss ich heute noch im Kopf rechnen können?

Muss ich heute noch im Kopf rechnen können?
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„Später habt ihr auch nicht immer einen Taschenrechner dabei.“ Nur allzu gut ist mir dieser typische Satz meiner Mathematiklehrerinnen und – lehrer im Kopf hängen geblieben. Sie ermahnten uns, auf unsere eigenen rechnerischen Fähigkeiten zu vertrauen, uns anzustrengen und, wo es möglich war, Aufgaben im Kopf zu lösen. Ohne Zuhilfenahme von technischem Gerät. Oftmals steigerte sich dadurch das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Die Erkenntnis, dass durchaus auch jenseits des Zahlenraums bis 100 im Kopf gerechnet werden kann, ist erhellend und erweitert den Horizont.

Doch wie steht es eigentlich um den Wahrheitsgehalt eingangs zitierter Aussage? Haben wir denn wirklich nicht immer einen Taschenrechner dabei?

Spätestens mit dem Griff zum geliebten Smartphone lässt sich diese Frage beantworten. Ruckzuck ist die Taschenrechner-App gefunden. Die Bedienung ist eingängig und unkompliziert. Es ist also notfalls immer ein Taschenrechner zur Hand.

Ist das Kopfrechnen damit sogleich überflüssig geworden?

Wozu diese Anstrengung, da es doch technische Erfindungen gibt, die uns diese Arbeit abnehmen?

Lässt sich die so gewonnene Zeit nicht anderweitig nutzen?

Das Kopfrechnen diente schon in der früheren Menschheitsgeschichte Wissenschaftlern und Handelsleuten als Weg, um schnell Ergebnisse vorliegen zu haben. Es ergab sich also aus einer praktischen Notwendigkeit heraus. Doch schon damals erkannten die Menschen das zentrale Problem des Kopfrechnens: seine hohe Fehleranfälligkeit. Daher entwickelten sich Hilfsmittel, die das Kopfrechnen ergänzen sollten, so bspw. der allseits bekannte Abakus. Im Mittelalter war vor allem das Rechnen auf Linien unter Zuhilfenahme von Rechenpfennigen populär. Mechanische Rechner entstanden erst ab den 1940er-Jahren. Der erste elektronische Taschenrechner im klassischen Sinne entstand im Jahre 1967. Er wog damals noch mehr als ein Kilogramm, war so dick wie ein Wörterbuch, passte aber immerhin bereits in eine Handfläche.

Zu gern erinnere mich an meinen zuverlässigen Wegbegleiter von solarbetriebenem Taschenrechner, der mir bis zum Abitur die Treue gehalten hat (er funktioniert übrigens immer noch einwandfrei und ist damit wohl langlebiger als mehrere Smartphonegenerationen). So manche knifflige Aufgabe ließ sich nur mit ihm bewältigen. Ich wusste, worauf ich bei der Zeicheneingabe zu achten hatte, welche Stolperfallen lauerten oder wie ich auf Kommastellen zu runden hatte. Mein Taschenrechner und ich, wir waren unzertrennlich.

Dennoch war es vor allem das Kopfrechnen, das mir im Gedächtnis geblieben ist. Sei es bei morgendlichen Übungen wie dem „Bankrutschen“, bei dem man gegen seine Mitschüler in Kopfrechenduellen antreten musste oder beim Zusammenrechnen von Punkten nach einem Kartenspiel. Beides funktionierte per Kopf wahrscheinlich stets schneller, als wenn ich erst ein technisches Hilfsmittel hätte suchen müssen. Nicht zu vergessen ist auch das Rechnen beim Einkauf im Supermarkt. Würde ich vorn an der Kasse erst lange Berechnungen in einen Taschenrechner tippen und den ganzen Laden aufhalten, wäre mir die Wut der anderen Kunden gewiss. Also überschlage und kalkuliere ich besser in Gedanken.

„Reichen die 2 Euro meines Taschengeldes noch für eine Packung Apfelringe und eine Tafel Schokolade?“ Damals vermutlich schon, heutzutage eher nicht. Aber zumindest kann Mathematik so definitiv Freude bereiten. Dass das Kopfrechnen prinzipiell keinen Spaß macht, lässt sich also nicht erkennen. Aber ist es deshalb wirklich noch notwendig?

Mit Blick auf den Stand der Forschung lässt sich dies eindeutig mit „Ja“ beantworten. Das Kopfrechnen fördert die mentalen Fähigkeiten. Gedächtnis- und Konzentrationsleistungen werden spürbar gestärkt. Es festigt Kompetenzen zur schnellen Problemlösung, Entscheidungsfindung und bietet nach wie vor allerlei Vorteile im Alltag, macht flexibel und unabhängig.

Als Autor toure ich seit vielen Jahren durch Deutschlands Schulklassen und lese aus den von Illustratorin Marie Reimann und mir entwickelten Kinderbüchern rund um „Die kleine Eins“ vor. Die Geschichten handeln von Zahlenfreunden, die in ihren Abenteuern gemeinsam mathematische Herausforderungen bewältigen müssen. Mal dreht sich um basale Fähigkeiten der Addition und Subtraktion, manchmal müssen Mengenvergleiche durchgeführt oder knifflige Rätsel gelöst werden. Die Thematik des Kopfrechnens wird hier immer wieder implizit aufgegriffen. Auch im Rahmen der Lesungen baue ich gern ein paar Kopfrechenaufgaben in das Programm ein und freue mich, wie eifrig und schnell mir die jungen Lerner antworten.

Das Kopfrechnen ist also keineswegs aus der Mode gekommen. Besonders in den Zeiten von künstlicher Intelligenz und Schnelllebigkeit sind es manchmal die vermeintlich „alten“ Fertigkeiten, die wieder an Bedeutung gewinnen. Ähnlich ergeht es auch den Büchern unserer kleinen Eins, die neben den Übersetzungen ins Englische auch ins Niederdeutsche übertragen wurden. Eine Sprache, die trotz ihrer langen Historie weiterhin lebendig ist und Jung und Alt gleichermaßen begeistern kann.

Zum Abschluss würde ich Ihnen, liebe Leser, gern sagen, dass Sie später gewiss auch nicht immer eine künstliche Intelligenz zur Hand haben werden. Doch so ich den Satz niederschreibe, ist er dank ChatGPT und Co. bereits wieder überholt. Die Freude am Kopfrechnen lasse ich mir dennoch nicht nehmen und hoffe, dass Sie das auch nicht tun.

Haben Sie Lust mit mir darüber in einen Diskurs treten? Kontaktieren Sie uns einfach, gerne auch mich direkt unter

felixwalk@web.de.

Herzlichst

Ihr Felix Walk

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