EVG Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft
EVG Sachsen-Anhalt: Altmark darf nicht zum Kollateralschaden der Bahn-Bauplanung werden
EVG Sachsen-Anhalt: Altmark darf nicht zum Kollateralschaden der Bahn-Bauplanung werden
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Sachsen-Anhalt reagiert mit großer Besorgnis auf die bekannt gewordenen Änderungen der Bauplanung der Deutschen Bahn. Die angekündigte Verlängerung der Sperrung der Strecke Wolfsburg–Oebisfelde–Stendal–Rathenow um bis zu zwei Jahre sowie die zusätzliche Sperrung der Neubaustrecke Wolfsburg–Berlin drohen die Altmark über Jahre hinweg massiv vom überregionalen Bahnverkehr abzuschneiden.
Für die EVG ist klar: Die notwendige Modernisierung der Schieneninfrastruktur darf nicht auf dem Rücken der Menschen in Sachsen-Anhalt ausgetragen werden.
Janina Pfeiffer, Landesvorsitzende der EVG Sachsen-Anhalt, erklärt:
„Wir stehen hinter einer modernen und leistungsfähigen Eisenbahn. Aber was hier angekündigt wurde, ist für die Menschen in der Altmark kaum noch vermittelbar. Aus einer ohnehin langen Bauphase wird nun eine jahrelange Belastung. Pendlerinnen und Pendler, Auszubildende, Familien und Unternehmen verlieren erneut Verbindungen, Zeit und Verlässlichkeit. Das kann und darf nicht der Preis für eine bessere Bahn sein.“
Die EVG warnt davor, eine gesamte Region vom Fernverkehr abzuhängen. Die Altmark sei schon heute auf leistungsfähige Verbindungen nach Berlin, Hannover, Wolfsburg und Magdeburg angewiesen. Wer diese Achsen über Jahre einschränke, müsse gleichzeitig attraktive Alternativen schaffen.
„Wir erleben immer wieder, dass Regionen Einschränkungen hinnehmen sollen, während die versprochenen Verbesserungen erst irgendwann in der Zukunft liegen. Die Menschen vor Ort haben aber heute einen Anspruch auf Mobilität. Wer die Belastungen tragen soll, muss auch von den Lösungen profitieren.“
Besonders kritisch sieht die Gewerkschaft, dass zukünftig zahlreiche Fernverkehrszüge über Sachsen-Anhalt umgeleitet werden sollen, ohne dass bisher sichergestellt ist, dass die Bürgerinnen und Bürger diese Verbindungen auch nutzen können.
„Es wäre ein verkehrspolitischer Offenbarungseid, wenn Fernverkehrszüge durch die Altmark rollen, die Menschen an den Bahnsteigen stehen und trotzdem nicht einsteigen können. Wenn Sachsen-Anhalt die Lasten dieser bundesweiten Bauentscheidungen trägt, dann muss Sachsen-Anhalt auch die Vorteile erhalten.“
Die EVG fordert die Deutsche Bahn und den Bund deshalb auf, unverzüglich ein tragfähiges Ausgleichskonzept vorzulegen. Dazu gehören zusätzliche Fernverkehrshalte, verlässliche Anschlüsse nach Hannover und Berlin sowie eine deutliche Verbesserung des Angebots auf der Achse Leipzig–Magdeburg–Stendal–Wittenberge.
Auch die Beschäftigten der Eisenbahnunternehmen dürften nicht vergessen werden. Umfangreiche Umleitungen, komplexere Betriebsabläufe und zusätzliche Zugbewegungen führten zu einer höheren Belastung für viele Kolleginnen und Kollegen.
„Unsere Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sorgen jeden Tag dafür, dass der Betrieb trotz Baustellen funktioniert. Sie dürfen nicht diejenigen sein, die die Folgen mangelhafter Planung ausbaden müssen. Gute Infrastruktur braucht nicht nur Gleise und Weichen, sondern auch ausreichend Personal und realistische Konzepte.“
Die EVG Sachsen-Anhalt erwartet von der Deutschen Bahn nun schnelle Entscheidungen statt weiterer Vertröstungen.
„Die Menschen in der Altmark brauchen keine neuen Ankündigungen und keine neuen Ausreden. Sie brauchen Verlässlichkeit, Perspektiven und Respekt vor ihrer Lebensrealität. Die EVG wird nicht akzeptieren, dass eine ganze Region über Jahre hinweg zum Nebenschauplatz der deutschen Verkehrspolitik wird.“
Pressekontakt
Benjamin Köster
Pressesprecher der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG)
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