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Warum Katzen in Video-Meetings die Kommunikation verändern

Warum Katzen in Video-Meetings die Kommunikation verändern
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Zoom-Meetings gelten als langweilig und distanziert. HM-Promovendin Galina Gostrer zeigt in ihrer Dissertation, wie Alltagsmomente Nähe schaffen und Gespräche menschlicher machen.

München, 4. Mai 2026 – Ein Kind platzt ins Meeting, eine Katze läuft über den Schreibtisch, im Hintergrund liegt ein Gymnastikball. Was nach Ablenkung klingt, gehört längst zum Alltag virtueller Konferenzen. HM-Promovendin Galina Gostrer von der Fakultät für Studium Generale und Interdisziplinäre Studien an der HM untersuchte in ihrer Dissertation, wie Teilnehmende auf solche Situationen reagieren – und wie daraus Nähe und Beziehungen entstehen.

Alltagsmomente als Forschungsgegenstand

Im Zentrum ihrer Arbeit stehen sogenannte Noticing-Sequenzen: kurze Episoden, in denen Teilnehmende etwas außerhalb des gemeinsamen Arbeitskontextes bemerken und ansprechen, etwa eine Katze, ein Kind oder einen ungewöhnlichen Hintergrund. „Solche Momente verleihen virtuellen Meetings eine persönliche Nähe“, sagt Gostrer. „Plötzlich sind wir mehr als Kolleginnen, wir sind (Katzen-)Mütter oder (Katzen-)Väter und können über diese Rollen eine neue Art und Tiefe von Beziehung herstellen.“ Auch Möbel oder andere sichtbare Details im Bild zeigen laut Gostrer, dass virtuelle Interaktion nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern immer in konkrete Lebenswelten eingebettet ist.

Ursprünglich wollte die Promovendin untersuchen, wie Teams mit unterschiedlichen Sprachen und kulturellen Hintergründen in virtuellen Arbeitskontexten kommunizieren. Dabei fiel ihr auf, dass die Verständigung trotz dieser Herausforderungen und der räumlichen Distanz überraschend gut funktionierte: „Die Teilnehmerinnen hatten entgegen der weit verbreiteten Auffassung von vermeintlich langweiligen und monotonen Videokonferenzen offensichtlich Spaß miteinander.“ So kam die Forscherin auf Noticing-Sequenzen, ein Phänomen, das in diesem Kontext bislang kaum wissenschaftlich untersucht wurde.

Nähe entsteht durch kleine Unterbrechungen

Für ihre Analyse zeichnete Gostrer zwischen März 2021 und Mai 2022 insgesamt 44 virtuelle Meetings zweier Teams auf und wertete diese mit der multimodalen Konversationsanalyse aus. Diese sozialwissenschaftliche Methode rekonstruiert Gespräche sehr detailliert, um zu verstehen, wie Teilnehmende einen Austausch gemeinsam strukturieren: Wer spricht wann? Worauf wird reagiert? Dazu transkribierte und analysierte Gostrer ausgewählte Videosequenzen. Im Fokus standen nicht nur gesprochene Worte, sondern auch Mimik und Gestik, etwa wie sich Teilnehmenden vor der Kamera bewegen oder am Bildschirm orientieren.

Die Ergebnisse zeigen: Noticing-Sequenzen treten an unterschiedlichen Stellen im Meeting auf – etwa als Small Talk zu Beginn oder am Ende, in kurzen Pausen oder zur Entschärfung unangenehmer Situationen. Auffällig war zudem, wie flexibel Teilnehmende Körperlichkeit ins Digitale übertragen: Sie winken einander oder Haustieren zu, imitieren Bewegungen oder beschreiben körperliche Empfindungen. So gleichen sie fehlende körperliche Nähe teilweise aus.

Wie man virtuelle Meetings bewusst gestaltet

Diese Erkenntnisse sind auch für die Praxis sehr relevant: „Virtuelle Meetings sind gekommen, um zu bleiben“, sagt Gostrer. In Unternehmen und Hochschulen können Noticing-Sequenzen bewusst genutzt werden, um Nähe und soziale Struktur in digitalen Meetings zu fördern. Unterbrechungen müssen nicht als Störung verstanden werden. Richtig genutzt, können sie Beziehungen stärken und das soziale Miteinander fördern.

Galina Gostrer ist Absolventin des Masterstudiengangs „Interkulturelle Kommunikation und Kooperation“ der Hochschule München und war während ihrer Promotionszeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Studium Generale und Interdisziplinäre Studien tätig. Betreut wurde die Arbeit von HM-Professorin Prof. Dr. Katharina von Helmolt und Prof. Dr. Kirsten Nazarkiewicz von der Hochschule Fulda.

Ihre Disseration mit dem Titel „Celia, sitzt du auf einem Ball? Aushandlung von Beziehung und Raum mittels Noticings kopräsenter Phänomene in virtuellen Meetings“ erscheint im Juni bei De Gruyter Brill.

Gerne vermitteln wir einen Interviewtermin mit Galina Gostrer.

Kontakt: Lisa Miethke unter T 089 1265-1929 oder per Mail.

Hochschule München
Die  Hochschule München ist mit über 500 Professorinnen und Professoren, 820 Lehrbeauftragten und über 18.500 Studierenden eine der größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften Deutschlands. In den Bereichen Technik, Wirtschaft, Soziales und Design bietet sie rund 100 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Exzellent vernetzt am Wirtschaftsstandort München, arbeitet sie eng mit Unternehmen und Institutionen zusammen und engagiert sich in praxisnaher Lehre und anwendungsorientierter Forschung. Die HM belegt im Gründungsradar des Stifterverbands deutschlandweit erneut den ersten Platz unter den großen Hochschulen und Universitäten. Neben Fachkompetenzen vermittelt sie ihren Studierenden unternehmerisches und nachhaltiges Denken und Handeln. Ausgebildet im interdisziplinären Arbeiten und interkulturellen Denken gestalten ihre Absolventinnen und Absolventen eine digital und international vernetzte Arbeitswelt mit. In Rankings zählen sie bei Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern zu den Gefragtesten in ganz Deutschland.  hm.edu
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