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05.03.2020 – 13:10

dpa-Faktencheck

Deutsche Renten sind nicht die niedrigsten innerhalb der EU

Berlin (ots)

Das Thema Rente ist in Deutschland eine sensible Angelegenheit. In den sozialen Medien wird ein Text mit der Überschrift "Deutsches Rentenniveau im EU Durchschnitt ganz unten" geteilt. Im Beitrag werden Studien von 2011 und 2013 zitiert (http://dpaq.de/4untU). BEWERTUNG: Die deutschen Renten sind im EU-Vergleich relativ gering, eine niedrigere Quote haben aber unter anderem Großbritannien und Irland. Das war auch 2011 und 2013 der Fall.

FAKTEN: Das Rentenniveau bezeichnet das Verhältnis des durchschnittlichen Einkommens aller Sozialversicherten zur Standardrente. Die Standardrente ist ein theoretisches Konstrukt. Diese Rente käme heraus, wenn eine Person 45 Jahre lang zum Durchschnittsentgelt gearbeitet hätte und ohne Abschläge in Rente ginge (http://dpaq.de/6PGmc).

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichte im Jahr 2011 Zahlen zur Rente (http://dpaq.de/EgMUJ). Laut "Freie-Medien.tv" betrug das Rentenniveau im OECD-Durchschnitt rund 58 Prozent. Diese Zahl findet sich in der Studie jedoch nicht.

Die OECD vergleicht neben dem Rentenniveau auch die Rentenersatzquote - das Verhältnis vom Einkommen im Rentenalter und dem letzten Arbeitseinkommen. Grundlage für diese Quote sind Menschen, die zum Beispiel in Deutschland das Rentenalter von 67 Jahren erreicht und zuvor Durchschnittslohn bekommen haben.

Innerhalb der Europäischen Union gibt es durchaus Länder mit einer niedrigeren Rentenersatzquote als Deutschland. 2011 unterbot Großbritannien mit etwa 42 Prozent und Irland mit rund 36 Prozent die deutsche Quote von circa 58 Prozent deutlich (http://dpaq.de/NSoJL). 2013 bot sich ein ähnliches Bild. Auch damals lag Deutschland mit rund 57 Prozent vor Großbritannien (ca. 42 Prozent) und Irland (ca. 45 Prozent) (http://dpaq.de/cND4o)

Nach dem jüngsten OECD-Bericht (http://dpaq.de/0gKtK) kann ein Arbeitnehmer (Vollzeit) in Deutschland, der 2018 in den Arbeitsmarkt eingetreten ist, später im Rentenalter mit staatlichen Bezügen von knapp 52 Prozent seines letzten Lohns rechnen. Im OECD-Schnitt sind es rund 59 Prozent.

Trotz des Rückgangs ist Deutschland aber nicht das Schlusslicht der europäischen OECD-Länder: In Großbritannien liegt dieser Wert nur bei reichlich 28, in Irland bei 36 und in Polen bei rund 35 Prozent. Unter anderem im Vereinigten Königreich gibt es neben dem staatlichen System einen großen freiwilligen privaten Rentensektor.

Auch für Deutschland bedeuten diese Zahlen nicht, dass das Einkommen im Alter hier besonders gering wäre - auch weil die Rente nicht die einzige Einkommensquelle sein muss. 2016 lag das Durchschnittseinkommen der Über-65-Jährigen in Deutschland bei fast 89 Prozent des Durchschnittseinkommens der Gesamtbevölkerung - im OECD-Schnitt waren es 87 Prozent (http://dpaq.de/Ay50U).

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Links:

Beitrag: https://freie-medien.tv/erschuetternde-renten-studie-zeigt-auf-in-welcher-lage-wir-sind/ (archiviert: http://dpaq.de/4untU)

Erklärung Standardrente: https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/rentenpolitik/290755/das-rentenniveau (archiviert: http://dpaq.de/6PGmc)

OECD-Rentenbericht 2011: https://read.oecd-ilibrary.org/finance-and-investment/pensions-at-a-glance-2011_pension_glance-2011-en#page127

OECD-Rentenbericht 2013: https://read.oecd-ilibrary.org/finance-and-investment/pensions-at-a-glance-2013_pension_glance-2013-en#page143

OECD-Rentenbericht 2019: https://read.oecd-ilibrary.org/social-issues-migration-health/pensions-at-a-glance-2019_b6d3dcfc-en#page157

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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