Alle Meldungen
Folgen
Keine Meldung von dpa-Faktencheck mehr verpassen.

16.01.2020 – 12:15

dpa-Faktencheck

Falsche Zahlen zu Festnahmen, keine Belege für politisch motivierte Taten

Berlin (ots)

Beiträge in sozialen Netzwerken behaupten, in Australien seien im Zuge der Buschfeuer "ca. 200 Personen" wegen des Verdachts der Brandstiftung festgenommen worden. Im Sharepic heißt es dann weiter, "Ca. 180 davon" würden der australischen Grünen Bewegung zugerechnet (https://perma.cc/7MQ3-96A9).

BEWERTUNG: Die Zahlen zu Festnahmen im Verdacht auf Brandstiftung sind falsch. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die festgenommenen Personen der Grünen Bewegung zugerechnet werden können.

FAKTEN: Eine irreführende Zahl von 183 verhafteten Brandstiftern wird derzeit oft im Internet verbreitet. Eine der ersten und prominentesten Quellen war die australische Zeitung "The Australian" (http://dpaq.de/9ZxJj - hinter Paywall).

Als Beginn der aktuellen Buschfeuersaison gilt Anfang September 2019. Die Polizeibehörden der jeweiligen australischen Bundesstaaten veröffentlichen ihre Statistiken unabhängig voneinander und stellen ihre Daten unterschiedlich genau dar.

Die genannte Zahl von 183 verhafteten Brandstiftern ist insofern irreführend, weil sie Daten des gesamten Jahres 2019 - also auch aus der vergangenen Buschfeuer-Saison - aus dem Bundesstaat Victoria aufführt. Aktuelle Zahlen aus dem Bundesstaat sollen nach Angaben des australischen Senders "10 daily" erst im März veröffentlicht werden (https://perma.cc/2EWD-YT48).

Die momentan im Internet kursierende hohe Zahl von ungefähr 200 Brandstiftern ist zudem übertrieben, da hier nicht berücksichtigt wird, dass die Polizei meist Angaben zu verschiedensten Vergehen zusammenfasst.

Die Polizeibehörde des Bundesstaats New South Wales hat etwa schon am 6. Januar 2020 die Zahl polizeilicher Maßnahmen im Zusammenhang mit Buschbränden seit Anfang November 2019 veröffentlicht. Von insgesamt 183 Menschen, gegen die "polizeiliche Maßnahmen" ("legal action") getätigt wurden, sollen hier mutmaßlich 24 Personen Brände absichtlich gelegt haben. 53 sollen trotz eines Verbots Feuer gemacht haben. 47 Menschen werden verdächtigt, unerlaubt brennende Zigaretten oder Streichhölzer weggeworfen zu haben. Laut Polizei wurden hier unter anderem Verwarnungen ausgesprochen und Strafanzeigen gestellt (http://dpaq.de/jf0Ln).

So schreibt "The Guardian" zu den Zahlen: "Die gemeldete Zahl von 183 umfasst auch 101 Personen aus Queensland, die "beim Verursachen von Bränden im Busch" aufgegriffen wurden. Eine Polizeisprecherin aus Queensland sagte jedoch, dass die Zahl ein breiteres Spektrum von Straftaten als Brandstiftung einschließt, wie dem Verstoß gegen das totale Feuerverbot, und dass es sich dabei nicht um eine Summe von Verhaftungen, sondern um eine Summe von "polizeilichen Maßnahmen" handelt" (https://perma.cc/UM5K-75XG). Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

Im oben genannten Artikel der Zeitung "The Australian" ist von der politischen Ausrichtung der im Zusammenhang mit Bränden verdächtigten Personen keine Rede (http://dpaq.de/9ZxJj - hinter Paywall).

Ein Experte der Queensland University of Technology, der sich mit der Analyse von sozialen Netzwerken beschäftigt, hat Aussagen im Zusammenhang mit den Buschbränden überprüft. Er kommt zum Ergebnis, dass es sich bei der Behauptung, die australischen Grünen seien die Täter, um eine gezielte Verbreitung von Fehlinformationen handeln müsse.

So sagte er der britischen Zeitung "The Guardian": "Australien scheint als Folge dieser Umweltkatastrophe plötzlich von Fehlinformationen/Desinformationen überschwemmt zu werden, und wir leiden unter den Folgen in Form einer übertriebenen Polarisierung und einer erhöhten Schwierigkeit und Unfähigkeit für die Bürger, die Wahrheit zu erkennen" (https://perma.cc/36KT-2DCT).

Beiträge, die behaupten, die Feuer seien von Grünen oder linken Aktivisten gelegt worden, nutzten via Twitter oft den Hashtag #ArsonEmergency (https://perma.cc/G6LM-5LMB; https://perma.cc/FE74-WBNS), anhand dessen der Analyst seine Untersuchungen vornahm.

So schreibt die Zeitung weiter: Seine vorläufige Analyse ergab, dass es wahrscheinlich eine "aktuelle Desinformationskampagne" mit Twitters #arsonemergency Hashtag gibt. Diese sei auf eine "verdächtig hohen Anzahl von Bot- und Troll-ähnlichen Konten" zurückzuführen.

   --- 

Links:

Facebook-Post: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=2686945568060756&set=a.1074688362619826&type=3&theater (archiviert: https://perma.cc/7MQ3-96A9)

Artikel "The Australian": https://www.theaustralian.com.au/nation/bushfires-firebugs-fuelling-crisis-asarson-arresttollhits183/news-story/52536dc9ca9bb87b7c76d36ed1acf53f https://perma.cc/3TW5-LQNT

Artikel zu Verhaftungen im Zusammenhang mit Buschfeuern von "10 daily": https://perma.cc/2EWD-YT48

Artikel "The Guardian" zu Buschfeuern: https://perma.cc/UM5K-75XG

Artikel "The Guardian" zu Missinformations-Kampagnen in sozialen Netzwerken: https://perma.cc/36KT-2DCT

Tweet mit #ArsonEmergency: https://perma.cc/G6LM-5LMB; https://perma.cc/FE74-WBNS

Klimaforscher über Desinformation im Zusammenhang mit Buschbränden: https://www.nbcnews.com/science/environment/australia-s-wildfire-crisis-faces-new-foe-misinformation-n1112736

   --- 

Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

© dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH. Die vorstehenden Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Jegliche Nutzung von Texten, Grafiken und Bildern ohne vertragliche Vereinbarung oder sonstige ausdrückliche Zustimmung der dpa ist unzulässig. Dies gilt insbesondere für die Verbreitung, Vervielfältigung und öffentliche Wiedergabe sowie Speicherung, Bearbeitung oder Veränderung. Alle Rechte bleiben vorbehalten.

Weitere Meldungen: dpa-Faktencheck
Weitere Meldungen: dpa-Faktencheck