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12.08.2019 – 17:30

dpa-Faktencheck

Kampagne zu angeblichem Sicherheitskonzept der Bahn gefälscht

Berlin (ots)

In mehreren Beiträgen in sozialen Medien wird fälschlicherweise behauptet, die Deutsche Bahn habe ein neues Sicherheitskonzept für Bahnhöfe vorgestellt. Dabei wird auf einen Artikel unter der Internetadresse «deutsche-bahn.ag» verwiesen.

BEWERTUNG: «deutsche-bahn.ag» war ein gefälschter Internetauftritt, der mittlerweile gelöscht ist. Der Inhalt war erfunden.

FAKTEN: Nach der tödlichen Attacke am Frankfurter Bahnhof von Ende Juli 2019 ist in Deutschland eine Debatte über Sicherheit an den Gleisen entbrannt. Auf der Internetseite «deutsche-bahn.ag» wurde daraufhin ein vermeintlich neues Konzept vorgestellt - doch stammte der Webauftritt gar nicht von der Deutschen Bahn.

Auf der Fake-Seite wurde unter dem Titel «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist sicher - Eine Kampagne der Deutschen Bahn» behauptet, das Unternehmen wolle unter anderem Warnschilder für eine erhöhte Wachsamkeit der Reisenden am Bahnsteig aufstellen.

«Die Inhalte sind nicht von uns», sagte am 12. August 2019 eine Bahn-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. «Wir distanzieren uns deutlich und sind erfolgreich juristisch dagegen vorgegangen.»

Die Website «deutsche-bahn.ag» ist mittlerweile nicht mehr online abrufbar - sondern nur noch archiviert zu finden (http://dpaq.de/wfBSq).

Das Kürzel «.ag» in der Webadresse steht für den karibischen Inselstaat Antigua und Barbuda (http://dpaq.de/iMgw3) - so wie etwa «.de» die sogenannte Top-Level-Domain für Deutschland ist.

Um einen seriösen Anschein zu erwecken, haben die Macher der gefälschten Seite das Webdesign des offiziellen Internetangebots der Bahn («deutschebahn.com») nachgeahmt.

Auch nach der Löschung verbreitet sich die erfundene Bahn-Aktion weiter in den sozialen Medien. Häufig ist dabei als Aufmacher-Foto ein Mann im blauen Anzug zu sehen. Es wird die Behauptung verbreitet, es handele sich um einen Bahn-Pressesprecher. Das Bild ist frei im Netz zu finden (http://dpaq.de/jCEjy) und zeigt den US-Motivationstrainer Kelsey Maynor (http://dpaq.de/hqiuc).

Außerdem wird die gefälschte Bahn-Website von einem etwa anderthalbminütigen Video flankiert, in dem ein vermeintlicher Unternehmenssprecher das Konzept vorstellt. Anscheinend handelt es sich bei dem falschen Bahn-Mitarbeiter um denselben Mann, der in der Vergangenheit auf Aktionen der Identitären Bewegung zu erkennen ist - wie etwa in diesem Video: http://dpaq.de/9k0mM

Die Identitäre Bewegung hatte nach der Frankfurter Attacke gegen einen angeblichen «Sicherheitsverlust im öffentlichen Raum» demonstriert. Zuvor hatte ein in der Schweiz lebender Mann, der ursprünglich aus Eritrea stammte, einen Achtjährigen und dessen Mutter vor einen Zug gestoßen. Der Junge starb.

Nach mehrjähriger Prüfung hatte der Verfassungsschutz die Identitäre Bewegung (IB) in Deutschland im Juli 2019 als rechtsextremistisch eingestuft (http://dpaq.de/omx9c).

Die mittlerweile gelöschte Internetseite sowie das gefälschte Bahn-Video sind mit dem Mini-Hinweis versehen, dass es sich um Satire handele.

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Links:

Angebliche Bahn-Seite (archiviert): http://dpaq.de/wfBSq

Foto bei «unsplash.com»: http://dpaq.de/jCEjy (archiviert: http://dpaq.de/aEeig)

Homepage Maynor: http://kelseymaynor.com/

Domain-Informationen zu «deutsche-bahn.ag»: http://dpaq.de/uBzLb

Verfassungsschutz über Identitäre Bewegung in Deutschland: https://www.verfassungsschutz.de/de/oeffentlichkeitsarbeit/presse/pm-20190711-bfv-stuft-ibd-als-gesichert-rechtsextremistische-bestrebung-ein

Facebook-Post mit falscher Behauptung I: https://www.facebook.com/bzhbn/posts/1288440577987030 (archiviert: http://dpaq.de/G7Zlu)

Facebook-Post mit falscher Behauptung II: https://www.facebook.com/OberlungwitzerPatrioten/posts/2267699516632440 (archiviert: http://dpaq.de/qVpEr)

Video mit falscher Bahn-Kampagne: https://www.youtube.com/watch?v=5KXksYgoEPY

Video der Identitären Bewegung Hessen: https://www.youtube.com/watch?v=IVx_Zn9nIeg

Identitäre Hessen über Frankfurter Fall: https://t.me/IdentitaereHessen/55

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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