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19.07.2019 – 12:31

dpa-Faktencheck

Intakte Geräte aus Flüchtlingsunterkunft werden nicht entsorgt

Hamburg (ots)

In einer Flüchtlingsunterkunft verwendete Elektrogeräte sollen nach der Schließung der Einrichtung entsorgt werden, wird in einem auf Facebook verbreiteten Video behauptet. Damit es den Bewohnern «gut geht», sollen Holzböden verlegt und Catering-Services beauftragt worden sein. (http://dpaq.de/J99IR)

BEWERTUNG: Die Behauptungen sind falsch. Die Elektrogeräte werden nicht entsorgt, Baumaßnahmen wurden nicht ergriffen, allein damit es den Bewohnern «gut geht». Zudem gab es keinen Catering-Service, die Bewohner der Unterkunft mussten sich selbst versorgen.

FAKTEN: Bei der im Video gezeigten Ort handelt es sich um die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete und Asylsuchende auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin. (http://dpaq.de/oBcUn) Im Video ist dies deutlich an den gelb-roten Zirkuszelten im Hintergrund zu erkennen. (http://dpaq.de/BsNwH)

Betrieben wurde die Unterkunft seit 2017 von der Firma Tamaja. (http://dpaq.de/Bvtvf) Seit dem 27. Mai 2019 wird die Unterkunft geräumt, bis zum 31. Dezember sollen die rund 900 Container abgebaut sein. (http://dpaq.de/zDeMk)

Ein Sprecher des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) bestätigte der Deutschen Presse-Agentur den im Video gezeigten Ort und erklärte, der Inhalt des Videos sei der Behörde bekannt. Es sei während der Abbauarbeiten am 16. Juli entstanden.

Bei den im Video zu Beginn gezeigten Elektrogeräten handele es sich um 48 Waschmaschinen und 48 Trockner, die laut LAF-Sprecher alle weiterverwendet werden sollen. Zu Beginn des Videos ist ein an einem der Geräte angebrachter Zettel mit der Aufschrift «CJD» zu sehen. (http://dpaq.de/6N8lK) Laut Sprecher handelt es sich dabei um einen der Empfänger der Geräte, das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands.

Nach dem Auflösen solcher temporären Unterkünfte werde versucht, «immer so viel wie möglich zu recyceln», sagte der Sprecher. Eine Weiterverwendung ist laut LAF auch für Möbel, Kühlschränke und Herde geplant, insofern diese weiterzuverwenden seien. Tatsächlich sei beispielsweise im Fall der Herde bei einigen Geräten die Weiterverwendung nicht möglich, da Reinigungs- und Instandsetzungskosten den Anschaffungspreis übersteigen würden.

Den im Video erwähnten Catering-Service habe es lauf LAF nicht gegeben, die Bewohner der Unterkunft hätten sich selbst versorgen müssen. In diesem Zusammenhang verwies der Sprecher auf die im Video gezeigten Herde.

Laut Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes (https://thfgesetz.de/) ist es auf dem denkmalgeschützten Gelände nicht erlaubt, feste Gebäude zu errichten oder das Fundament der Anlage zu beschädigen. Elektro- und Wasserleitungen mussten daher oberirdisch installiert werden und wurden durch den - im Video mit den Worten «alles vom Feinsten» kommentierten - Holzboden verdeckt.

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Links:

Facebook-Post: https://www.facebook.com/stammpower/videos/vb.100002015497792/2425849560825537/?type=3&;theater

Standort Unterkunft: http://dpaq.de/oBcUn

Betreiber Unterkunft: http://dpaq.de/Bvtvf

Artikel Morgenpost: http://dpaq.de/zDeMk

Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes: https://thfgesetz.de/

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Kontakt zum dpa-Faktencheckteam: faktencheck@dpa.com

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