Klaus Tschira Stiftung gemeinnützige GmbH
Von der Freude an der Komplexität
Von der Freude an der Komplexität
Nature Marsilius Gastprofessor Leonid Klimov fordert Umdenken in der Wissenschaftskommunikation
Heidelberg, 23. Juni 2026. Wie erklärt man eine immer kompliziertere Welt? Alles vereinfachen und hoffen, dass die Verständlichkeit dabei nicht verloren geht? „Nein“, sagt Leonid Klimov, aktueller Inhaber der Nature Marsilius Gastprofessur für Wissenschaftskommunikation der Universität Heidelberg. Er fordert stattdessen, die Freude an der Komplexität zu entdecken. Denn, so die These des Redakteurs, Produzenten und Formateentwicklers, was Menschen aus Wissenschaft und Journalismus gemeinsam haben, ist die Neugierde und die Lust am Verstehen. Das gelte es zu erzeugen, zu fördern und als Haltung in die Gesellschaft zu tragen.
Wie Medienarbeit an der Schnittstelle von Forschung und Journalismus künftig aussehen kann, war Klimovs Hauptthema seiner Gastprofessur. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Initiative von Holtzbrinck Berlin, der Klaus Tschira Stiftung und der Heidelberger Universität, die nun bereits zum zwölften Mal stattfand.
Universitäts-Rektorin Prof. Frauke Melchior bezeichnete den mit Preisen ausgezeichneten Wissenschaftsredakteur, der sich mit innovativen Medienformaten einen Namen gemacht hat, als „wunderbare Besetzung“. Der Gastprofessur gehe es darum, Wissenschaftskommunikation zu fördern und damit die Sichtbarkeit von Wissenschaft zu erhöhen. Melchior machte sich stark für einen Dialog über die Fächergrenzen hinaus, denn viele aktuelle Fragen ließen sich nur in gemeinsamen Räumen des Nachdenkens beantworten – und selten seien wirklich spannende Fragen einfach.
Die Leiterin der Kommunikation der Klaus Tschira Stiftung, Anja Heinzelmann, unterstrich, dass Klimov die Stärken von Wissenschaft und Journalismus zusammenbringe. Er werfe eine Kernfrage des Journalismus auf, nämlich die, wie Wissenschaftskommunikation Menschen erreichen können, ohne an Differenziertheit zu verlieren.
Beim Online-Magazin „dekoder.org“ setzt Klimov, der in Sankt Petersburg Kultur- und Literaturwissenschaften studierte, auf multimediale Erzählformate wie beispielsweise eine aufwendige Scroll-Dokumentation „Der Krieg und seine Opfer“, die in Kooperation mit dem Historischen Seminar der Universität Heidelberg entstand.
Nach Ansicht von Klimov ist es vor allem das Ringen um die immer geringer werdende Aufmerksamkeit, die dazu verleitet, komplexe Zusammenhänge verkürzt darzustellen. Längst schon betrifft das nicht nur populistische Erzählungen oder gezielte Desinformation, sondern die Wissensvermittlung generell.
„Komplexität hat einen schlechten Ruf“, bedauert Klimov, „aber vieles, was wir schätzen, ist komplex – beispielsweise die Demokratie“. Komplexität kann Freude bringen, sagt er. Wer sich darüber freut, etwas verstanden zu haben, wer einen Geistesblitz der Erkenntnis hat, wessen Wissensdrang gestillt wird, der spürt das.
Und genau diese positive Erfahrung möchte er gerne stärker mit Wissenschaft verknüpfen. Dabei ist der Ansatzpunkt entscheidend. „Wenige Menschen wollen Wissenschaft kommuniziert bekommen“, sagt er, „aber viele wollen sich mit der Welt auseinandersetzen“. Und genau das könne der Schlüssel sein.
Autorin: Kirsten Baumbusch (kirsten.baumbusch@klaus-tschira-stiftung.de)
Link zur Videoaufzeichnung: https://www.youtube.com/watch?v=15PY_XIp-lw
Kontakt:
Klaus Tschira Stiftung:
Rebecca Käppler (Referentin Programme und Events)
Tel.: 06221-533 145
E-Mail: rebecca.kaeppler@klaus-tschira-stiftung.de
Anja Heinzelmann (Leitung Kommunikation)
Tel.: 06221-533 118
E-Mail: anja.heinzelmann@klaus-tschira.stiftung.de
Die Klaus Tschira Stiftung (KTS) fördert Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik und möchte zur Wertschätzung dieser Fächer beitragen. Sie wurde 1995 von dem Physiker und SAP-Mitgründer Klaus Tschira (1940–2015) mit privaten Mitteln ins Leben gerufen. Ihre drei Förderschwerpunkte sind: Bildung, Forschung und Wissenschaftskommunikation. Das bundesweite Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen fort. Die Stiftung setzt sich für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ein.
Weitere Informationen unter: www.klaus-tschira-stiftung.de
Klaus Tschira Stiftung Kirsten Baumbusch Referentin Kommunikation Telefon: + 49 6221 533-177 E-Mail: kirsten.baumbusch@klaus-tschira-stiftung.de www.klaus-tschira-stiftung.de