Kasseler EFI-Gutachter Bünstorf: Transferpotenzial der Hochschulen besser ausschöpfen
Kasseler EFI-Gutachter Bünstorf: Transferpotenzial der Hochschulen besser ausschöpfen
Wissenschaftliche Erkenntnisse in die Anwendung zu überführen ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die Innovationsstärke Deutschlands. In ihrem aktuellen Jahresgutachten fordert die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) gezielte Reformen, um den Wissens- und Technologietransfer als Kernaufgabe der Hochschulen zu stärken. „Forschungsstarke Universitäten nehmen sowohl bei Patentanmeldungen als auch bei wissenschaftlichen Publikationen, die in Patenten zitiert werden, eine Spitzenposition ein“, stellt Prof. Dr. Guido Bünstorf, Mitglied der EFI und Professor an der Universität Kassel, fest. Das Gutachten wurde heute (11.2.) in Berlin an die Bundesregierung übergeben.
Bünstorf betont: „Gerade in der anwendungsorientierten Grundlagenforschung geht wissenschaftliche Exzellenz häufig mit konkretem Anwendungspotenzial einher. Viele technologische Durchbrüche – vom Laser bis zu mRNA-Impfstoffen – sind aus dieser Art der Forschung hervorgegangen.“ Das Potenzial werde jedoch oft nicht konsequent ausgeschöpft. Strukturelle Hemmnisse wie langwierige Intellectual Property-Verhandlungen und fehlende Anreize bremsten Transferaktivitäten.
Die Analysen des diesjährigen Gutachtens richten sich nicht nur auf Deutschland, sondern beziehen das europäische Forschungs- und Innovationssystem mit ein. So plädiert die Expertenkommission dafür, die Bedingungen für Sprunginnovationen in der EU zu optimieren und dem Europäischen Innovationsrat (EIC) künftig mehr Handlungsspielraum einzuräumen. Außerdem verlangt sie, die Exzellenz und Unabhängigkeit des Europäischen Forschungsrats (ERC) abzusichern.
„Der Erfolg des ERC beruht maßgeblich auf seiner Unabhängigkeit von politischen, regionalen oder thematischen Vorgaben sowie auf transparenten und qualitätsgesicherten Auswahlverfahren“, erklärt EFI-Mitglied Bünstorf. „Internationale Entwicklungen – beispielsweise in den USA – führen uns jedoch schmerzhaft vor Augen, wie fragil die Freiheit von Forschung und Forschungsförderung ist.“ Auch beim ERC bestehen potenzielle Einfallstore für politische Einflussnahme. „Um die wissenschaftliche Exzellenz und Unabhängigkeit des ERC dauerhaft zu sichern, empfehlen wir, ihm einen unabhängigen Status – vergleichbar dem der Europäischen Investitionsbank – zu verleihen und ihn mit einem stabilen Langzeitbudget auszustatten“, so Bünstorf.
Die EFI unterstützt zudem die Einführung einer einheitlichen, EU-weiten Rechtsform für Unternehmen (sog. 28. Regime), um Start-ups bei der Skalierung ihrer Geschäftsmodelle in ganz Europa zu helfen. Es sei jedoch wichtig, dass sich ein 28. Regime an den Bedürfnissen von Start-ups orientiert und auf komplizierte Zugangskriterien verzichtet, die zu bürokratischen Zusatzbelastungen führen.
Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) leistet wissenschaftliche Politikberatung für die Bundesregierung und legt jährlich ein Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Wesentliche Aufgabe der EFI ist es dabei, die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich zu analysieren und die Perspektiven des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland zu bewerten. Auf dieser Basis entwickelt die EFI Vorschläge für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik.
Das Gutachten 2026 nimmt neben anderen Themen den Wettbewerb und die Innovation im deutschen Hochschulsystem sowie die europäische Forschungs- und Innovationspolitik und das sogenannte 28. Regime für den europäischen Binnenmarkt in den Blick. Dr. Guido Bünstorf hat an der Universität Kassel eine Professur für Wirtschaftspolitik, Innovation und Entrepreneurship. Er ist zudem Sprecher des International Center für Higher Education Research.
Ein Videostatement von Prof. Bünstorf finden Sie hier: https://youtu.be/Usf48M34XFo
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