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Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Experte für Hitzeschutz: "Kleine Kommunen und ländliche Räume sind in besonderer Weise durch die Hitze verwundbar"

Experte für Hitzeschutz: "Kleine Kommunen und ländliche Räume sind in besonderer Weise durch die Hitze verwundbar"
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Experte für Hitzeschutz: "Kleine Kommunen und ländliche Räume sind in besonderer Weise durch die Hitze verwundbar"

Wie können sich kleine Kommunen besser auf Hitzeperioden vorbereiten? Dieser Frage geht das Projekt PROLOK der Universität Freiburg und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) nach. Im Interview erklärt Dr. Dennis Fila, Koordinator des Projekts an der Universität Freiburg, vor welchen Herausforderungen insbesondere kleine Kommunen beim Hitzeschutz stehen, wie sie sich zeitnah vor Hitze schützen können und welche langfristigen Lösungsansätze er gemeinsam mit ihnen entwickelt.

Herr Fila, wir erleben gerade eine erneute Hitzewelle. Welche Herausforderungen bringt diese für die Menschen?

Durch den Klimawandel werden Hitzewellen häufiger, länger und intensiver. Damit steigen auch die gesundheitlichen Belastungen: Hitze kann den Kreislauf stark beanspruchen, bestehende Erkrankungen verschärfen und im Extremfall lebensbedrohlich werden. Besonders gefährdet sind unter anderem ältere Menschen, chronisch Erkrankte, Kleinkinder und im Freien Arbeitende.

Auch für Menschen, die in schlecht geschützten Wohnungen leben oder nur eingeschränkten Zugang zu Unterstützung und kühlen Orten haben, kann die Hitze gesundheitsgefährdend sein. Insgesamt beeinträchtigt Hitze den Schlaf, die Konzentration und die Leistungsfähigkeit und wirkt sich damit weit über einzelne Gruppen hinaus auf den Alltag von uns allen aus.

Warum sind besonders kleine Kommunen von Hitze betroffen?

Kleine Kommunen und ländliche Räume sind in besonderer Weise verwundbar, weil dort häufig eine alternde Bevölkerung, eine schlechtere medizinische Versorgung und längere Wege zu Unterstützungsangeboten zusammentreffen. Gerade ältere, chronisch erkrankte oder alleinlebende Menschen können während längerer Hitzeperioden dadurch schwerer erreicht und versorgt werden.

Gleichzeitig verfügen Kommunalverwaltungen in kleinen Kommunen oft nur über begrenzte personelle, finanzielle und fachliche Anpassungskapazitäten. Deshalb ist es wichtig, vorausschauend geeignete Vorgehensweisen und Strukturen zu schaffen und eine hitzeangepasste Siedlungsentwicklung voranzutreiben. Nur so können Kommunen gefährdete Menschen rechtzeitig effektiv schützen.

Wie kann Ihre Forschung zu einer Verbesserung beitragen?

Unser Projekt verknüpft Forschung und Praxis, indem unser Team eng mit Kommunen und weiteren Praxispartner*innen zusammenarbeitet. Das bedeutet, dass nicht nur fertige Forschungsergebnisse in die Praxis übertragen werden, sondern bereits die Fragestellungen, Untersuchungsansätze und Lösungsmöglichkeiten gemeinsam entwickelt werden. Dadurch lassen sich lokale Bedarfe, vorhandene Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse frühzeitig miteinander verbinden.

So entstehen Ansätze zum Hitzeschutz, die effektiver und zielgenauer sind, unter realen kommunalen Bedingungen funktionieren und zugleich so aufbereitet werden können, dass sie auch für andere Gemeinden nutzbar sind.

Wie funktioniert diese enge Zusammenarbeit mit den Kommunen in Ihrer Forschung?

Derzeit unterstützen wir die Gemeinden Ihringen, Neckargemünd und Edingen-Neckarhausen bei dem gesamten kommunalen Planungsprozess zum Hitzeschutz. Unser Team erarbeitet ein standardisiertes und praxisnahes Vorgehensmuster, mit dem Kommunen ihre Ausgangslage systematisch erfassen, bestehende Aktivitäten und Zuständigkeiten sichtbar machen und besonders betroffene Bevölkerungsgruppen identifizieren können. Darauf aufbauend werden gemeinsam Prioritäten gesetzt, geeignete Maßnahmen ausgewählt und Verantwortlichkeiten für deren Umsetzung geklärt.

So entsteht ein Hitzeaktionsplan, der gesundheitliche, soziale, räumliche und organisatorische Aspekte berücksichtigt und zugleich mit den begrenzten personellen und finanziellen Kapazitäten kleiner Kommunalverwaltungen umsetzbar ist. Entscheidend ist, dass Hitzevorsorge nicht als zusätzliche Einzelaufgabe behandelt, sondern in vorhandene Verwaltungsabläufe, Netzwerke und Planungsprozesse integriert wird.

Die Erfahrungen und Ergebnisse Ihrer Forschung könnten künftig auch für andere Gemeinden relevant sein…

Genau. Aus diesem Grund bereiten wir unsere Ergebnisse so auf, dass auch andere Kommunen sie nutzen und an ihre jeweilige Situation und ihre verfügbaren Kapazitäten anpassen können. Dazu gehören der Muster-Hitzeaktionsplan, Entscheidungshilfen, Prozessbausteine und weitere Werkzeuge, mit denen Gemeinden ihre Ausgangslage erfassen, Handlungsbedarfe priorisieren, Zuständigkeiten klären und geeignete Maßnahmen auswählen können.

Da diese Instrumente in unterschiedlichen kommunalen Kontexten erprobt werden, sollen sie für verschiedenste lokale Vulnerabilitäten, Verwaltungsstrukturen und Ressourcen hilfreich sein. Nach Abschluss des Forschungsprojekts stehen sie als praxiserprobte und anpassbare Unterstützungsangebote für weitere Kommunen in ganz Deutschland frei nutzbar zur Verfügung.

Welche Maßnahmen können kleine Kommunen jetzt sofort für ihren Hitzeschutz umsetzen?

Unsere bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass kleine Kommunen trotz begrenzter Ressourcen gute Voraussetzungen haben, um beim Hitzeschutz schnell ins Handeln zu kommen: Kurze Abstimmungswege und die enge Vernetzung mit lokalen Akteur*innen erleichtern ein koordiniertes Vorgehen. Bereits mit vergleichsweise geringem Aufwand lassen sich wirksame Maßnahmen wie Warnketten und die gezielte Unterstützung besonders gefährdeter Einrichtungen umsetzen.

Gleichzeitig kann der Hitzeschutz durch frühzeitige Planung strategisch in Bau- und Planungsvorhaben einfließen – etwa durch hitzeangepasste Gebäude und Kühlmöglichkeiten in sozial besonders sensiblen Einrichtungen wie Kliniken und Senioreneinrichtungen, Beschattung von Aufenthaltsflächen im öffentlichen Raum. Auch das Schwammstadtprinzip, Frischluftschneisen sowie der Schutz von Kaltluftentstehungsgebieten können dazu beitragen, die Auswirkungen von Hitze zu verringern.

Zum Projekt PROLOK

PROLOK („Prozessschema für lokalspezifische Hitzeanpassung in kleinen Kommunen“) ist ein Projekt des Innovationscampus Nachhaltigkeit (ICN), einer Initiative der Universität Freiburg und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Der ICN fördert Forschungsprojekte in allen Nachhaltigkeitsbereichen und wird seit Januar 2024 durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gefördert.

Das Projekt PROLOK untersucht, wie kleine Kommunen mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen Hitzeaktionspläne entwickeln und dauerhaft in ihren Verwaltungsstrukturen verankern können. Von Juni 2024 bis Dezember 2026 arbeiten dafür Forschende der Universität Freiburg und des KIT gemeinsam mit dem Beratungsbüro Klima Plus, dem Verband Region Südlicher Oberrhein und kommunalen Praxispartner*innen zusammen.

In der ersten Projektphase (Juni 2024–Mai 2025) startete das Projekt die kommunale Zusammenarbeit mit der Pilotgemeinde Ihringen. Seit der zweiten Projektphase ab Juni 2025 sind nun die Kommunen Neckargemünd und Edingen-Neckarhausen beteiligt. „Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und kommunaler Praxis ist für uns ein großer Gewinn. Wir bringen unsere Erfahrungen aus dem Verwaltungsalltag ein und erhalten gleichzeitig wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse, die uns dabei helfen, wirksame und praxisnahe Maßnahmen zum Hitzeschutz zu entwickeln. Von diesem Austausch profitieren beide Seiten“, sagt der Bürgermeister aus Neckargemünd, Jan Peter Seidel.

Die Erfahrungen aus den Kommunen fließen in die wissenschaftliche Entwicklung von Instrumenten ein, mit denen kleinere Kommunen künftig möglichst eigenständig Hitzeaktionsplanungen durchführen können. Dazu gehören ein Hitzeportal, Entscheidungshilfen, ein Prozessschema und ein Muster-Hitzeaktionsplan. Ergänzend erarbeitet das Projektteam einen Policy Brief, der gesetzliche und regulatorische Unterstützungsbedarfe kleiner Kommunen aufzeigt.

Die Ergebnisse des Projekts sollen im Vorfeld der Abschlussveranstaltung veröffentlicht werden, die am 19. November 2026 in Karlsruhe stattfindet.

Mehr Informationen zum Projekt PROLOK

Zum Innovationscampus Nachhaltigkeit

Kontakt

Hochschul- und Wissenschaftskommunikation

Universität Freiburg

Tel.: +49 761 203 4302

E-Mail: kommunikation@zv.uni-freiburg.de

Zum Newsroom

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Geschäftsbereich Strategie und Kommunikation
Abteilung Hochschul- und Wissenschaftskommunikation
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