Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Herzlich willkommen: Prof. Dr. Fabian Michl, Professor für Öffentliches Recht
Herzlich willkommen: Prof. Dr. Fabian Michl, Professor für Öffentliches Recht
Im März 2026 hat die Rechtswissenschaftliche Fakultät Prof. Dr. Fabian Michl zum Professor für Öffentliches Recht und Direktor der neu eingerichteten Abteilung 6 des Instituts für Deutsches, Europäisches und Internationales Öffentliches Recht berufen. Dabei handelt es sich um eine Eucor-Brückenprofessur, die deutsch-französische Kooperationen im Hochschulverbund „Eucor – The European Campus“ stärken soll. Wie dies gelingen kann, erklärt Michl im Interview.
Was begeistert Sie an Ihrer Forschung?
Mein Fokus liegt auf dem Verfassungsrecht, der Verfassungstheorie und der Verfassungsgeschichte. Das Verfassungsrecht ist ein dynamisches Rechtsgebiet, nah am politischen System und seinen gegenwärtigen Herausforderungen. Die Kombination des Verfassungsrechts mit den beiden genannten Grundlagenfächern ermöglicht es mir, aktuelle verfassungsrechtliche und politische Entwicklungen nicht nur zu analysieren, sondern auch aus einer theoretisch und historisch informierten Perspektive einzuordnen. Diese Perspektivenvielfalt stellt für mich einen besonderen Reiz dar.
Welche Lösungsansätze finden Sie in Ihrer Forschung für Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft?
Ich untersuche derzeit vor allem, wie das Recht zum Gelingen der Demokratie beitragen kann. Ich betrachte, wie Rechtsnormen einen Rahmen schaffen können, in dem Mehrheiten gebildet und Minderheiten geschützt werden, in dem sich Regierung und Opposition gegenüberstehen und am Ende demokratische Entscheidungen getroffen werden. Wenn man an das Recht denkt, steht oft dessen begrenzende Funktion im Vordergrund. Aus demokratischer Sicht interessiert mich aber gerade diese Ermöglichungsfunktion des Rechts als ein „Recht der Demokratie“.
Als Inhaber einer Eucor-Brückenprofessur kooperieren Sie künftig mit der französischen Universität Straßburg. Wie werden Sie die Zusammenarbeit inhaltlich gestalten?
Die Universitäten Freiburg und Straßburg haben im Hochschulverbund „Eucor – The European Campus“ bereits zahlreiche Vorhaben erfolgreich realisiert, darunter einen zweijährigen Doppelmaster Deutsch-Französisches Recht, den sowohl deutsche als auch französische Studierende absolvieren. Die Rechtswissenschaftliche Fakultät verfügt darüber hinaus über die Französische Rechtsschule, an der Lehrende aus Straßburg die deutschen Studierenden früh mit dem französischen Recht vertraut machen. Diese Angebote möchte ich ebenso stärken wie binationale Forschungskooperationen. Die Verbindung zu Straßburg bietet zahlreiche Potentiale für vergleichende, aber auch verfassungstheoretische und -historische Forschungsfragen: Immerhin hat das Elsass eine besondere deutsch-französische Vergangenheit, in der das Verfassungsrecht stets eine bedeutende Rolle spielte. Dass in Straßburg der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte seinen Sitz hat, der über Rechtsfälle aus 46 Staaten entscheidet, stellt einen zusätzlichen Reiz dar.
Was möchten Sie Ihren Studierenden mit auf den Weg geben und was nehmen Sie selbst aus der Lehre mit?
Ich möchte, dass ihnen das Jurastudium Spaß macht. Das setzt voraus, dass sich die Studierenden für das Recht interessieren, was trotz des Leistungsdrucks gar nicht so schwer ist: Denn Recht und Rechtswissenschaft berühren praktisch alle politisch und gesellschaftlich relevanten Bereiche. Deswegen lohnt es sich, auch einmal Veranstaltungen anderer Fakultäten zu besuchen und interdisziplinäre Angebote wie das Freiburger Studium generale wahrzunehmen. Ich selbst gewinne durch die Lehre vor allem eine gesunde Distanz zu meinem Forschungsgegenstand. Die Diskussionen im Hörsaal machen deutlich, dass man Vieles auch ganz anders regeln könnte. Indem die Studierenden das vermeintlich Selbstverständliche im geltenden Recht hinterfragen, tragen sie zum Gelingen meiner Forschung mehr bei als die Lektüre mancher wissenschaftlichen Abhandlung.
Welche Themen beschäftigen Sie aktuell persönlich am meisten außerhalb Ihrer Forschung?
Da die aktuellen Herausforderungen der Demokratie zu meiner Forschung gehören, muss ich eine andere Antwort geben: Der digitale Wandel an den Hochschulen, vor allem der Umgang mit KI – zwischen Hype und Verdrängung. Ich sehe es nicht als Aufgabe des Jurastudiums, angehenden Jurist*innen das Prompten beizubringen. Das lernen sie selbst schneller, als wir einen Kurs dafür aufsetzen könnten. Wir müssen vielmehr Räume schaffen, in denen die Studierenden noch selbständig denken und argumentieren. Wie man diese Räume gegen die KI-Apologetik unserer Zeit verteidigt, also gegen die Tendenz, die Risiken von KI zu übersehen, das beschäftigt mich gerade am meisten außerhalb meiner Forschung.
Worauf freuen Sie sich in Freiburg besonders?
Auf den Austausch mit Studierenden und Forschenden aus meiner eigenen Disziplin, aber auch aus anderen Fächern. Der gelingt jetzt schon sehr gut, da ich von meinem Büro in der Werthmannstraße aus nicht nur die Kollegiengebäude, sondern auch die Mensa fest im Blick habe.
Eucor-Brückenprofessur
Prof. Dr. Fabian Michl besetzt eine von aktuell vier grenzübergreifenden Professuren im europäischen Hochschulverbund „Eucor – The European Campus“, die zum Großteil durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) finanziert werden. Neben bereits drei am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) existierenden Eucor-Brückenprofessuren, ist mit Michl der erste grenzübergreifende Professor in Freiburg angesiedelt. Als strategische Instrumente dienen sie dem Verbund dazu, bi- oder trinationale Kooperationen in Forschung und Lehre strukturell und institutionell stärker zu verankern. Das MWK finanziert die zwischen den Universitäten Freiburg und Straßburg/Frankreich bestehende Professur über sechs Jahre. Sie verstetigt die langjährige Zusammenarbeit der Rechtswissenschaftlichen Fakultät in Freiburg mit ihrem Pendant in Straßburg und strebt danach, den Eucor-Schwerpunkt „European Identities“ zu stärken, neue Vorhaben aufzubauen und bestehende zu erweitern.
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Zur Person
Name: Prof. Dr. Fabian Michl
Professur: Öffentliches Recht
Forschungsschwerpunkte: Verfassungsrecht, Verfassungstheorie, Verfassungsgeschichte
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Geschäftsbereich Strategie und Kommunikation Abteilung Hochschul- und Wissenschaftskommunikation Rektorat . Fahnenbergplatz . 79085 Freiburg Tel.: +49 761 203 4302