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Verband der Chemischen Industrie (VCI)

Chemikaliensicherheit: In Deutschland ist kein Quantensprung durch REACH zu erwarten
Regulierungsdichte und freiwillige Maßnahmen sichern hohes Schutzniveau

Frankfurt/M. (ots)

Keine andere Branche in Europa ist heute
hinsichtlich umweltrelevanter Auflagen so stark reguliert wie die
chemische Industrie. Darüber hinaus hat die deutsche Chemie in der
Vergangenheit eine Reihe von eigenverantwortlichen Maßnahmen
ergriffen, um die Sicherheit ihrer Stoffe zu prüfen und zu
verbessern. Dies betrifft vor allem die so genannten "Altstoffe", die
vor der Einführung des Chemikaliengesetzes 1981 in Europa vermarktet
wurden und damit keiner Prüfpflicht unterlagen. "Es ist unredlich zu
behaupten, unsere Unternehmen hätten keine Informationen über diese
Stoffe und könnten deshalb die Sicherheit im Umgang mit ihren
Produkten nicht gewährleisten", betonte Dr. Gerd Romanowski, der für
Umweltpolitik zuständige Geschäftsführer im Verband der Chemischen
Industrie (VCI), auf dem 2. europäischen Kongress der Chemieregionen
heute in Halle im Beisein der EU-Umweltkommissarin Wallström.
Ende Oktober letzten Jahres hat die EU-Kommission unter dem Kürzel
REACH ihren Vorschlag für eine Reform des Chemikalienrechts in der EU
vorgelegt. Kernstück der Verordnung ist die Registrierung, Bewertung
und Zulassung von Altstoffen. Nach Auffassung des VCI sind die
Möglichkeiten hierzulande begrenzt, von Chemikalien ausgehende
Risiken noch weiter zu reduzieren. "Wie anspruchsvoll REACH auch
immer ausfällt: Den angeblichen 'Quantensprung' beim Schutz von
Umwelt und Gesundheit wird es bei uns nicht geben", sagte Romanowski,
"weil wir schon ein sehr hohes Niveau in der Chemikaliensicherheit
erreicht haben."
Erfolgreiches Prüfprogramm für Altstoffe in Deutschland Von 1988
bis 1993 hat die deutsche Chemie in Kooperation mit der
Bundesregierung ein Prüfprogramm für Altstoffe durchgeführt. Für rund
1.000 Stoffe mit großem Produktionsvolumen wurden die
sicherheitsrelevanten Daten ermittelt. Diese Substanzen decken
mengenmäßig rund 95 Prozent der Chemieproduktion in Deutschland ab.
Außerdem wurden für über 300 Stoffe ausführliche Risikobewertungen
durchgeführt, die den Behörden vorliegen. Die Ergebnisse dieser
Aktion, die im Unterschied zur EU-Altstoffverordnung äußerst
erfolgreich verlief, wurden auch in Englisch publiziert, so dass sie
europaweit verwertbar sind.
Zusätzlich haben die Mitgliedsfirmen des VCI von 1997 bis 2002 für
alle Stoffe ab einer Produktionsmenge von einer Tonne pro Jahr einen
Mindestdatensatz erstellt. Auf diese Weise wurden rund 25.000 Stoffe
auf die Verfügbarkeit bestimmter sicherheitsrelevanter Daten
untersucht, zum Beispiel akute Giftigkeit oder biologische
Abbaubarkeit. Fehlten diese Informationen, wurden sie von den
Unternehmen ergänzt.
Veraltetes Mengenkonzept statt modernes Risikomanagement Aus Sicht
des VCI wird mit REACH ein über 20 Jahre altes Konzept, das sich in
der Praxis nicht bewährt hat, im Prinzip weitergeführt und auch auf
die Altstoffe ausgedehnt. Die vorgeschriebenen  Prüfanforderungen
richten sich weiterhin vorwiegend danach, in welcher Menge ein Stoff
produziert oder importiert wird und ob er gefährliche Eigenschaften
besitzt. Entscheidend dafür, ob wirklich ein Risiko für Mensch oder
Umwelt existiert, ist aber die Exposition. Darunter versteht man
Höhe, Art und Dauer der Belastungsfaktoren, denen Mensch oder Umwelt
tatsächlich ausgesetzt sind. Romanowski: "Gefährliche Eigenschaften
an sich ergeben noch kein Risiko." So kann auch eine giftige Substanz
in der chemischen Synthese ohne Probleme eingesetzt werden, wenn die
Umsetzung in einem geschlossenen Reaktor erfolgt und dadurch
Beschäftigte oder Umwelt nicht mit dem Stoff in Berührung kommen.
Allerdings befürwortet der VCI, dass auch in einem solchen Fall von
den Firmen ein Mindestdatensatz vorgehalten wird, der bei kritischen
Ereignissen die akuten Maßnahmen und die reibungslose Kommunikation
über die Stoffeigenschaften sicherstellt.
Dass der Aufwand für das Registrierverfahren bei Behörden wie
Unternehmen deutlich reduziert werden muss, hat erst vor kurzem ein
Praxistest der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen gezeigt. Der
VCI schlägt in diesem Zusammenhang als Alternative zum
mengenabhängigen Prüfkonzept der Kommission ein neues
Risikomanagementsystem vor, das sich auf eine Kombination aus
Mindestdatensatz (s.o.) und so genannte "Expositionskategorien"
stützt, in denen typische Belastungssituationen zusammengefasst
werden, die gleiche Schutzmaßnahmen erfordern. Das hätte den Vorteil,
dass nicht bei allen 30.000 marktrelevanten Stoffen für jede einzelne
Anwendung Stoffprüfungen erfolgen müssten.

Pressekontakt:

Manfred Ritz
VCI-Pressestelle
Telefon: 069 2556-1550
E-Mail: ritz@vci.de

Original-Content von: Verband der Chemischen Industrie (VCI), übermittelt durch news aktuell

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