Verband der Chemischen Industrie (VCI)

Vom Baumwollfeld in den Kleiderschrank
Wie Textilverfahren T-Shirts kratz- und knitterfrei machen und wie der Chemiker John Mercer der Baumwolle ihren Glanz verlieh

Frankfurt/Main (ots) - Ob in zeitlosem Weiß oder in den neuen Trendfarben Zitronengelb, Nachtblau oder Signalrot - jeder von uns liebt es und hat es im Kleiderschrank: das T-Shirt. Das Kleidungsstück aus Baumwolle lässt sich einfach waschen, bügeln, fühlt sich angenehm auf der Haut an und passt einfach zu allem. Dass das T-Shirt heute neben der Jeans der Modeklassiker schlechthin ist, verdanken wir unter anderem John Mercer, der am 21. Februar 220 Jahre alt geworden wäre. Der Pionier der modernen Textilchemie erfand 1844 ein chemisches Verfahren, mit dem sich Baumwolle unter anderem zu einem optimalen T-Shirt-Stoff veredeln lässt.

Denn das Naturprodukt Baumwolle lässt sich nicht "pur" zu Stoff verstricken, färben und zu T-Shirts weiterverarbeiten. Zum einen sind die Baumwollfasern, die in faustgroßen Büscheln aus den reifen Samenkapseln quellen, mit Schalenresten, Wachsen, Fetten, Mineralsalzen und anderen Substanzen verunreinigt. Zum anderen verfügt das Rohmaterial von Natur aus nicht über die Eigenschaften, die wir an einem T-Shirt schätzen. Um aus der Baumwolle tragfähigen T-Shirt-Stoff zu machen, sind zahlreiche Behandlungsschritte und chemische Hilfsmittel nötig.

Eine glänzende Idee

Ob das T-Shirt später die Form behält, Falten wirft oder knittert, hängt dabei maßgeblich von der Vorbehandlung ab. Zuerst müssen die Glättungsmittel ausgewaschen werden. Diese Hilfsmittel haben die Aufgabe, während des automatischen Strickens des T-Shirt-Stoffs die Reibung zwischen den metallischen Stricknadeln und der Faser herabzusetzen, um einen Fadenriss zu vermeiden. Wasser und ein geeignetes Waschmittel spülen die fettigen, öligen oder wachsartigen Rückstände aus der Baumwolle. Die hartnäckig verbleibenden Metallsalze aus dem Boden des Baumwollfeldes entfernt eine biologisch abbaubare Säure. Anschließend wird der Stoff abgekocht, um die letzten Verunreinigungen zu beseitigen, sowie bei Bedarf noch mit Wasserstoffperoxid und Natronlauge gebleicht. All diese Prozessschritte werden oft zusammen durchgeführt - sozusagen in einem "Aufwasch". Das Ergebnis ähnelt schon ziemlich dem optimalen T-Shirt-Stoff. Doch noch fehlt den mattweißen Baumwollfasern der gewisse Glanz. Und für den sorgt das Mercerisieren.

Wie der Name es verrät, handelt es sich hierbei um das von Geburtstagskind John Mercer erfundene Textilveredelungsverfahren, das seit 1844 in seinen Grundzügen nahezu unverändert geblieben ist. Die Baumwolle wird mit einer hoch konzentrierten Natronlauge und unter hoher Zugspannung behandelt. Der Effekt: Die Baumwollfasern sind runder, reißfester und vor allem glatter, was ihnen einen seidigen Glanz verleiht. Zudem lässt sich die Baumwolle jetzt auch noch leichter einfärben - die nächste Etappe der Baumwolle auf dem Weg in unseren Kleiderschrank.

Der letzte Schliff

Jeder, der schon einmal gebatikt hat, weiß: Färben ist eine Wissenschaft für sich. Bei diesem Prozessschritt kommt es darauf an, die chemischen und physikalischen Prozesse fein aufeinander abzustimmen. Je nach Verwendungszweck benötigt die Baumwolle spezielle Farbstoffe und Färbeverfahren. Das Färbebad muss nicht nur das richtige Verhältnis zwischen Textil und Farbstofflösung aufweisen. Auch Temperatur, Behandlungszeit, Härtegrad und pH-Wert des Wassers müssen stimmen. Zudem tragen zahlreiche chemische Hilfsmittel, etwa Farbstofflösemittel auf Basis von Alkoholen, dazu bei, dass die Baumwollfasern möglichst dauerhaft signalrot, nachtblau oder zitronengelb leuchten.

Nach dem Färben muss der Baumwolle noch das Knittern abgewöhnt werden. Abhilfe schaffen bereits ein paar Gramm einer Vernetzerlösung, die dafür sorgt, dass die Fasern der Baumwolle weniger knicken und verbiegen. Das T-Shirt wird so formstabiler und knittert nicht gleich, wenn man sich einmal daraufsetzt. Zudem lässt sich der Baumwollstoff leichter mit dem Bügeleisen glätten. Eine wichtige Eigenschaft, wenn der Baumwollstoff beispielsweise mit dem Foto der Lieblingsband bedruckt werden soll. Übrigens auch ein Verfahren, das der Chemiker John Mercer Mitte des 19. Jahrhunderts mitentwickelt hat.

John Mercer - Pionier der Textilchemie

Der Sohn eines Webers wurde am 21. Februar 1791 in Great Harwood, Lancashire, geboren. Der Autodidakt eignete sich selbst grundlegendes Wissen über die Chemie an und befasste sich frühzeitig mit dem Färben von Stoffen. 1844 erfand der damals 53-Jährige das Mercerisieren, ein nach ihm benanntes Textilveredelungsverfahren, das Baumwollstoffe reißfester, leichter einfärbbar und seidig glänzend machte. Darüber hinaus erfand John Mercer zahlreiche Farbstoffe und gehörte zu den Ersten, die Fotos auf Stoff druckten. Der Pionier der Textilchemie verstarb am 30. November 1866.

Gut zu wissen

Schadstoffprüfungen nach dem Oeko-Tex® Standard 100, im Jahr 1992 eingeführt, stehen für "Textiles Vertrauen". Das gleichnamige Label kennzeichnet mehr als 90.000 textile Produkte, die in neutralen Laboruntersuchungen auf ihre Unbedenklichkeit für den Verbraucher hin getestet wurden.

Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von rund 1.650 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der VCI steht für mehr als 90 Prozent der deutschen Chemie. Die Branche setzte 2010 über 170 Milliarden Euro um und beschäftigte mehr als 414.000 Mitarbeiter.

Kontakt:

VCI-Pressestelle
Telefon: 069 2556-1496
E-Mail: presse@vci.de

Original-Content von: Verband der Chemischen Industrie (VCI), übermittelt durch news aktuell

Weitere Meldungen: Verband der Chemischen Industrie (VCI)

Das könnte Sie auch interessieren: