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Ashwagandha-Präparate sind schwer durchschaubar

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Ashwagandha-Präparate sind schwer durchschaubar

Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW zeigt übertriebene Versprechen und fehlende Warnhinweise

Ashwagandha (Withania somnifera) ist eine vor allem in den sozialen Medien gehypte Pflanze. Als sogenanntes Adaptogen soll sie den Körper beim Umgang mit Stress unterstützen. „Aber ob die am Markt angebotenen Produkte das auch können und ob sie überhaupt sicher sind, hat zuvor niemand geprüft”, erklärt Angela Clausen, die dazu einen Marktcheck bei der Verbraucherzentrale NRW durchgeführt hat. Das Ergebnis ist ernüchternd: Es wird viel versprochen, wofür es keine Nachweise gibt. Wichtige Warnhinweise und Risiken werden bei den meisten Produkten dagegen verschwiegen. „Für Verbraucher:innen ist es schwer festzustellen, welche Zutaten die Präparate enthalten und ob diese Nahrungsergänzungsmittel für sie vielleicht sogar ungeeignet sind“, kritisiert Clausen.

Werbung: übertrieben bis verboten

Nahrungsergänzungsmittel mit Ashwagandha versprechen beispielsweise innere Balance, besseren Schlaf und Stressresilienz. Aber auch Hilfe bei Kopfschmerzen oder Tinnitus, Reduzieren von Entzündungen, Abtöten von Krebszellen, Blutdrucksenkung, Minderung von Depressionen oder Linderung von Muskelkater. Dabei sind alle krankheitsbezogenen Aussagen für Lebensmittel laut Health-Claim-Verordnung grundsätzlich verboten. „Hinzu kommt, dass es für Wirkaussagen wie ‚Ashwagandha der Firma xy kann‘ gar keine Belege gibt. Gleiches gilt für Aussagen wie ‚besser schlafen‘, ‚weniger Stressgefühle‘, ‚mehr Energie‘, ‚leistungsfähiger‘ oder ‚High Performance‘. Kritische Aspekte, wie die historische Verwendung bei Abtreibungen, werden verschwiegen“, bemängelt Clausen.

Unklare Zutaten

Die Marktanalyse der Verbraucherzentrale NRW zeigt: Ashwagandha-Nahrungsergänzungsmittel enthalten ganz unterschiedliche Zutaten, beispielsweise getrocknete und gemahlene Pflanzenteile wie Kraut und Blüten, geschnittene und getrocknete Wurzeln oder Extrakte. Untereinander vergleichbar sind die Produkte daher in den seltensten Fällen. Clausen beanstandet: „Nur zwanzig Produkte, die wir geprüft haben, geben den genauen Gehalt an Ashwagandha oder an biochemisch aktiven Withanoliden der Pflanze an.“

Fehlende Warnhinweise

Ashwagandha wird seit 2024 von den europäischen Lebensmittelüberwachungsbehörden als möglicherweise gefährlich eingestuft. Für Deutschland weist das Bundesinstitut für Risikobewertung darauf hin, dass Ashwagandha für Kinder, Schwangere und Stillende sowie Personen mit einer Erkrankung der Leber nicht geeignet ist. Bei der Einnahme können auch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel oder Hautreaktionen auftreten. Den Warnhinweis für Kinder gab es gerade mal bei 30 Prozent der Produkte im Marktcheck, für Schwangere bei 43 Prozent und für Personen mit Lebererkrankungen nur bei 15 Prozent. Auf nur zehn Prozent der geprüften Produkte fand sich außerdem der wichtige Hinweis auf Wechselwirkungen mit Medikamenten sowie die Warnung, Ashwagandha nicht mit Schlaf- oder Beruhigungsmitteln zu kombinieren. „In Frankreich sind diese Warnhinweise Pflicht. Dort wird zusätzlich Menschen mit Schilddrüsen- oder Herzerkrankungen von Ashwagandha abgeraten. Aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW sollten auch Frauen mit Kinderwunsch – anders als von manchen Influencer:innen geraten – auf Ashwagandha verzichten, da es das Fehlgeburtsrisiko erhöhen könnte“, so Clausen.

Überschreiten der Tageshöchstmenge

Da es für Deutschland keine verbindlichen Höchstdosierungen für Ashwagandha gibt, orientiert sich der Marktcheck an den in Polen festgelegten Grenzwerten von maximal drei Gramm Ashwagandha oder maximal zehn Milligramm Withanolide. Genaue Mengenangaben gab es lediglich bei 20 der geprüften Produkte (27 Prozent). 83 Prozent der Produkte mit Angaben zum Withanolid-Gehalt nannten eine Tagesdosis von mehr als zehn Milligramm) überschritten also die empfohlene Höchstmenge. Im Extremfall lag die angegebene Tagesdosis beim 15fachen (150 mg Withanolide). Im Schnitt betrug die Withanoloid-Tagesdosis 46 mg, also das 4,5fache dessen, was polnische Behörden als sicher ansehen.

Hintergrund

Nachdem der Markt für Ashwagandha-Produkte auch in Deutschland immer größer wird und Influencer:innen diese mit außergewöhnlichen Wirkungsversprechen anpreisen, hat die Verbraucherzentrale NRW von Ende 2025 bis Anfang 2026 insgesamt 73 Ashwagandha-Produkte, davon 71 Nahrungsergänzungsmittel geprüft. Diese stammen sowohl aus dem Einzelhandel als auch aus Online-Shops. Dabei wurden Zutaten, Dosierung, Warnhinweise und Werbeaussagen untersucht.

Weiterführende Informationen:

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Verbraucherzentrale NRW
Pressestelle
Helmholtzstr. 19
40215 Düsseldorf
Tel.: 0211/91380-1101
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