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Endometriose ganzheitlich behandeln: Welche Rolle Osteopathie in der multimodalen Versorgung spielt

Endometriose ganzheitlich behandeln: Welche Rolle Osteopathie in der multimodalen Versorgung spielt
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Anlässlich des Tags der Endometriose am 29. September rückt die Versorgung von Frauen mit der chronischen gynäkologischen Erkrankung erneut in den Fokus. Endometriose betrifft Schätzungen zufolge 190 Millionen Frauen weltweit und geht häufig mit starken Menstruationsschmerzen, chronischen Beckenschmerzen sowie Organdestruktion und unerfülltem Kinderwunsch einher. Vor dem Hintergrund der aktuellen S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Endometriose“, in der die Osteopathie erstmals als ergänzende Behandlungsoption berücksichtigt wird, rückt auch der Beitrag osteopathischer Behandlung innerhalb multimodaler Versorgungskonzepte stärker in den Fokus.

Endometriose zählt zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen und stellt aufgrund ihrer vielfältigen Symptome und Verlaufsformen nach wie vor eine Herausforderung für Diagnostik und Therapie dar. [1, 2] Mit der Aufnahme der Osteopathie in die aktuelle S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Endometriose“ erhält ein bereits vielfach genutzter integrativer Ansatz nun auch eine stärkere fachliche Einordnung innerhalb moderner Versorgungskonzepte. [3]

„Es ist erfreulich, dass die Osteopathie inzwischen in den Leitlinien berücksichtigt wird“, sagt Ira Beliczey. Die Physiotherapeutin und Heilpraktikerin ist auf Frauenosteopathie spezialisiert und Kooperationspartnerin vom Endometriosezentrum Münster. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass die wissenschaftliche Evidenz im Vergleich zu anderen Berufsgruppen noch ausbaufähig sei: „In der Physiotherapie gibt es zum Beispiel deutlich mehr Studien zum Beckenboden. Das ist sicherlich ein Grund, warum sie eine größere Konsensstärke hat. Allerdings geht die osteopathische Behandlung weit über die Therapie des Beckenbodens hinaus.“

Potenziale bei Beckenschmerzen und Dysmenorrhö

Aus Sicht von Beliczey liegt ein besonderer Ansatzpunkt der osteopathischen Behandlung im Bereich chronischer Beckenschmerzen und schmerzhafter Menstruationsbeschwerden. „Gerade in frühen Krankheitsphasen, wenn eine Dysmenorrhö im Vordergrund steht, ist die Behandlung des Bauchraumes eine sehr gute Möglichkeit, den hyperkontraktilen Uterus zu beeinflussen “, erläutert sie.

In dieser Phase ist nicht entscheidend, ob die Endometriose schon diagnostiziert ist. Vielmehr gehe es darum, schnell und adäquat auf die Beschwerden einzugehen. „Wenn man abwartet bis die Diagnose gestellt ist, vergeht einfach viel zu viel wertvolle Zeit. Leider ist das aber oft der typische Verlauf“, so die Expertin.

Darmgesundheit als wichtiger Baustein der Versorgung

Beliczeys Erfahrung nach genügt der Blick allein auf das Becken jedoch häufig nicht. Endometriose sei eine komplexe systemische Erkrankung, bei der auch Faktoren außerhalb des gynäkologischen Bereichs berücksichtigt werden müssten. Insbesondere die Darmgesundheit spiele in der Anamnese und Therapie eine wichtige Rolle.

„Wir wissen, dass Magen-Darm-Beschwerden, Unverträglichkeiten oder Verdauungsprobleme bei vielen Patientinnen mit der Endometriose einhergehen. Deshalb schauen wir uns sehr genau an, welche Faktoren zusätzlich zu den Beschwerden beitragen könnten“, erklärt Beliczey. Dazu gehörten unter anderem Hinweise auf ein Leaky-Gut-Syndrom, Nahrungsmittelunverträglichkei­ten, Störungen des Histaminstoffwechsels oder eine unzureichende Mikronährstoffversorgung.

Die Expertin betont, dass das gesamte Beschwerdebild betrachtet werden müsse: „Wenn Patientinnen chronische Entzündungsprozesse, Verdauungsbeschwerden oder Hinweise auf Nährstoffdefizite zeigen, sollten diese Aspekte in die Diagnostik und Therapieplanung einbezogen werden.“ Hier sind grade jene Osteopathinnen und Osteopathen gefragt, die als Heilpraktiker auch mit Stuhl- und Nährstoffdiagnostik arbeiten.

Klare Grenzen der osteopathischen Behandlung

Gleichzeitig betont Ira Beliczey die Grenzen osteopathischer Verfahren. „Bei Patientinnen mit tief infiltrierender Endometriose und ausgeprägten Beschwerden, beispielsweise bei jedem Stuhlgang oder jeder Blasenentleerung, kann die Osteopathie zwar schmerzlindernd unterstützen, die zugrunde liegenden Herde jedoch natürlich nicht beseitigen.“

In solchen Fällen sei die Behandlung in spezialisierten Endometriose-Zentren unerlässlich. „Bei ausgeprägten Verwachsungen und entzündlichen Prozessen benötigen die Patientinnen eine spezialisierte medizinische Versorgung und gegebenenfalls eine operative Therapie.“

Zeit als wichtiger Faktor in der Versorgung

Ein wesentlicher Vorteil osteopathischer Begleitung liegt nach Einschätzung von Beliczey in der verfügbaren Behandlungszeit. Endometriose-Patientinnen haben häufig einen langen Leidensweg und zeigen komplexe Beschwerdebilder. „Allein für eine ausführliche Anamnese, Untersuchung und die Entwicklung eines individuellen Behandlungskonzepts benötigt man beim Erstkontakt häufig deutlich mehr Zeit als in vielen anderen Versorgungsbereichen zur Verfügung steht“, erklärt sie.

Die ausführliche Anamnese ermögliche es, unterschiedliche Einflussfaktoren systematisch zu erfassen und in die weitere Versorgung einzuordnen. Gerade bei Endometriose seien häufig mehrere medizinische und psychosoziale Aspekte gleichzeitig relevant. Das unterstreiche die Bedeutung eines multimodalen und interdisziplinären Vorgehens, wie es auch die aktuellen Leitlinien empfehlen. In der Versorgungspraxis werde ein solcher ganzheitlicher Ansatz jedoch noch nicht flächendeckend umgesetzt.

Hoher Forschungsbedarf trotz positiver Entwicklungen

Auch nach der Berücksichtigung in den aktuellen Empfehlungen sieht Ira Beliczey erheblichen Bedarf an osteopathischen Studien. Die Komplexität des Krankheitsbildes und die sehr unterschiedlichen Ausgangssituationen der Patientinnen erschweren es deutlich, valide Daten zu gewinnen: „Oft befinden sich die Patientinnen in völlig unterschiedlichen Krankheitsphasen. Manche haben einen Verdacht auf Endometriose, andere stehen vor einer Operation oder wurden bereits mehrfach operiert. Gleichzeitig variieren die medikamentösen und hormonellen Therapien.“

Das gelte auch für Begleitfaktoren wie Ernährungsgewohnheiten, gastrointestinale Beschwerden, Mikronährstoffstatus oder weitere chronische Erkrankungen. Für zukünftige Studien sei daher eine sehr genaue Definition der Patientengruppen erforderlich. Nur so lasse sich belastbar untersuchen, welchen Beitrag osteopathische Maßnahmen innerhalb moderner multimodaler Behandlungskonzepte leisten können.

Interdisziplinäre Versorgung weiter stärken

Anlässlich des Tags der Endometriose am 29. September plädiert Ira Beliczey deshalb dafür, das Wissen über komplementäre Therapien gerade unter den Osteopathen zu verbreiten. „Der Bedarf ist groß. Viele Betroffene warten noch immer Jahre bis zur Diagnose und einer adäquaten Behandlung. Umso wichtiger ist es, die Frauen in dieser Phase ernst zu nehmen und bestmöglich zu versorgen.“

Im bvo-Podcast „Nachgefragt…“ greifen Expertinnen und Experten regelmäßig Themen rund um Osteopathie, Gesundheit und häufige Beschwerdebilder auf. ► bit.ly/BVO-Podcast.

Weitere Informationen für Ihre Leser oder zur Themenanregung finden Sie in unserem Blog „Osteopathie News“ ► bit.ly/BVO-Blog.

Literatur:

[1] https://www.endometriose-vereinigung.de/blog/aktuelle-zi-studie-zur-regionalen-verteilung-von-endometriose-2012-bis-2022-veroeffentlicht/, abgerufen am 18.06.2026

[2] https://www.dggg.de/presse/pressemitteilungen-und-nachrichten/diagnostik-und-therapie-der-endometriose-verstaerkte-wissenschaftliche-forschung-essenziell-fuer-die-lebensqualitaet-von-betroffenen, abgerufen am 18.06.2026

[3] https://register.awmf.org/assets/guidelines/015-045l_S2k_Diagnostik_Therapie_Endometriose_2025-10.pdf, abgerufen am 18.06.2026

[4] https://www.endometriose-vereinigung.de/blog/frauengesundheit-ist-europaeisch-endometriose-ist-europaeisch/, abgerufen am 18.06.2026

[5] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_N015_12_23.html, abgerufen am 18.06.2026

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Pressekontakt:

Jacqueline Damböck

presse@bv-osteopathie.de

Anschrift:

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Tel.: 09232 88 12 624

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Christine Berek, 1. Vorsitzende | Vereinsregister Hof Nr. VR 200394

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