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Fernwärme: Neue Drei-Jahresfrist kann Verbraucher Hunderte Euro kosten

Pressemitteilung

Fernwärme: Neue Drei-Jahresfrist kann Verbraucher Hunderte Euro kosten

Berlin, 16.09.2026 – Wer für seinen Fernwärmeanschluss mehr Leistung gebucht hat, als er tatsächlich benötigt, kann durch eine Anpassung mehrere Hundert Euro im Jahr sparen. Doch genau die Möglichkeit will die Bundesregierung bei überdimensionierten Anschlüssen künftig zeitlich begrenzen: Nach den beschlossenen Eckpunkten für das Wärmenetzpaket soll eine Reduktion nur noch in den ersten drei Vertragsjahren möglich sein. Eine Finanztip-Stichprobe unter Fernwärmeanbietern zeigt, wie viel Geld daran hängen kann: Bei einer beispielhaften Reduzierung der Anschlussleistung von 18 auf zwölf Kilowatt sinken die jährlichen Kosten je nach Anbieter um bis zu knapp 800 Euro. Bei acht der zehn untersuchten Anbieter liegt die Ersparnis bei mehr als 300 Euro pro Jahr. Der unabhängige Geldratgeber rät Fernwärmekunden deshalb, ihre Anschlussleistung frühzeitig zu überprüfen.

Derzeit können Fernwärmekunden ihre vertraglich vereinbarte Leistung einmal jährlich reduzieren – um bis zu 50 Prozent ohne Nachweis. Künftig soll dafür eine Energieberatung nötig sein. Bei einer reinen Überdimensionierung soll das Recht zudem auf die ersten drei Vertragsjahre begrenzt werden. Umso wichtiger wird es, die Anschlussleistung bei neuen Fernwärmeanschlüssen von Anfang an bedarfsgerecht festzulegen.

„Drei Jahre sind eine knappe Frist, um eine zu hoch angesetzte Anschlussleistung zuverlässig zu erkennen und zu korrigieren“, sagt Sandra Duy, Finanztip-Expertin für Energetische Sanierung. „Viele Kunden merken erst nach mehreren Heizperioden und Abrechnungen, dass sie für mehr Leistung bezahlen, als ihr Haus tatsächlich braucht. Ist die Drei-Jahresfrist dann abgelaufen, zahlen sie möglicherweise einen unnötig hohen Grundpreis. Dabei geht es um viel Geld: Unsere Stichprobe zeigt ein Sparpotenzial von mehreren Hundert Euro im Jahr.“

Auch bestehende Verträge sollen unter die neuen Regeln fallen. Eine Übergangsregel soll verhindern, dass Kunden mit älteren Verträgen von der Leistungsanpassung ausgeschlossen werden.

Bei acht von zehn Anbietern mehr als 300 Euro Ersparnis möglich

Wie groß das Sparpotenzial ist, hängt vom jeweiligen Preismodell ab. Finanztip hat für zehn Fernwärme-Versorger berechnet, wie sich eine Reduzierung des leistungsabhängigen Preisbestandteils von 18 auf zwölf Kilowatt (kW) auswirkt – am tatsächlichen Wärmeverbrauch ändert sich nichts. Wird die Anschlussleistung um sechs kW reduziert, sinkt der jährliche Leistungspreis je nach Versorger um rund 112 bis 794 Euro brutto. Bei acht der zehn untersuchten Anbieter beträgt die Ersparnis mehr als 300 Euro. Tarifliche Schwellenwerte, besondere Vertragsbedingungen oder einmalige Änderungsgebühren können die Ersparnis beeinflussen.

Schnellcheck mit der Fernwärmerechnung

Einen ersten Anhaltspunkt für einen zu groß dimensionierten Anschluss liefern die Vollbenutzungsstunden. Dafür wird der Jahresverbrauch in Kilowattstunden durch die Anschlussleistung in Kilowatt geteilt. Ein niedriger Wert, deutlich unter 1.800 Vollbenutzungsstunden, deutet auf eine zu hohe Leistung hin. Gebäudeart, Warmwasserbereitung und andere Faktoren sind ergänzend zu berücksichtigen.

„Bevor Kunden ihre Anschlussleistung auf Verdacht reduzieren, sollten sie die tatsächlich benötigte Leistung fachlich bestimmen lassen“, rät Duy. „Denn nach den Eckpunkten soll eine spätere Erhöhung nur noch mit Zustimmung des Fernwärmeversorgers möglich sein.“

Mieter sollten ihren Vermieter ansprechen

Während Eigentümer die Prüfung und Anpassung selbst veranlassen können, sind Mieter dabei auf ihren Vermieter angewiesen. „Mieter haben kaum direkte Handlungsmöglichkeiten, weil in der Regel der Vermieter Vertragspartner des Fernwärmeanbieters ist“, so Duy. Sie sollten beim Vermieter oder der Verwaltung nachfragen, wann die Anschlussleistung zuletzt überprüft wurde – insbesondere nach einer energetischen Sanierung des Gebäudes.

In Deutschland werden laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft rund 6,5 Millionen Wohnungen mit Fernwärme versorgt.

Über die Stichprobe

Finanztip hat berechnet, wie sich eine Reduzierung von 18 auf zwölf kW auswirkt. Grundlage für die angenommene Reduzierung ist eine Senercon-Auswertung aus dem Jahr 2024: Von 676 geprüften Anschlüssen waren 62 Prozent überdimensioniert, bei diesen lag die Leistung durchschnittlich 34 Prozent zu hoch. Die Auswertung ist nicht repräsentativ.

Ausgewertet wurden Preisblätter beziehungsweise Tarifangaben von zehn beispielhaft ausgewählten Versorgern und Netzen: Stadtwerke Bonn, Entega Darmstadt, RheinEnergie Köln, swb Bremerhaven, BEW Berlin, SWM München, SachsenEnergie Dresden, N-ERGIE Nürnberg, enercity Hannover und Stadtwerke Karlsruhe. Die Auswertung ist nicht repräsentativ. Tarife und Preise wurden für jeden Anbieter in einer gesonderten Übersicht dokumentiert.

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