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Reform der privaten Altersvorsorge verbessert Förderung – Kostenproblem bleibt
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Pressemitteilung
Reform der privaten Altersvorsorge verbessert Förderung – Kostenproblem bleibt
Berlin, 26.03.2026 – Kurz vor dem geplanten Beschluss der Riester-Reform im Bundestag haben sich CDU/CSU und SPD auf zentrale Änderungen verständigt. Aus Sicht des unabhängigen Geldratgebers Finanztip bringen diese zwar spürbare Verbesserungen bei Förderung und Zugang – das größte Problem der privaten Altersvorsorge bleibt jedoch ungelöst: zu hohe Kosten, die Sparerinnen und Sparer Zehntausende Euro kosten. Das zeigen aktuelle Beispielrechnungen.
Die höhere Förderung, insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen und für Familien, werten die Verbraucherschützer als Fortschritt gegenüber dem ersten Gesetzesentwurf. Auch die Einigung auf einen abgesenkten Kostendeckel für Standardprodukte – von ursprünglich 1,5 Prozent pro Jahr auf nun ein Prozent – ist aus Sicht von Finanztip ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings drohen ohne weitergehende Kostenbegrenzung weiterhin erhebliche Vermögensverluste. „Das ist eine Schlupflochlösung“, sagt Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip. „Die Kostengrenze ist immer noch zu hoch, und da sie nicht für alle Varianten gilt, lässt sie Banken und Versicherungen viel Spielraum, doch wieder zu teure Produkte zu verkaufen“, so Sulilatu.
Finanztip fordert deshalb seit Monaten einen verbindlichen Kostendeckel von maximal 0,5 Prozent für alle geförderten Produkte. Eine entsprechende Finanztip-Onlinepetition haben bis heute mehr als 230.000 Menschen unterzeichnet. „Wie schon bei Riester wird es so vielfach dazu kommen, dass insbesondere weniger informierten Sparerinnen und Sparer undurchsichtige Verträge aufgeschwatzt werden, bei denen die tatsächlichen Kosten weit über ein Prozent liegen können.“ Zur Veranschaulichung: Im Markt gibt es Basisrentenprodukte mit Kosten von rund fünf Prozent.
So wirkt sich die Reform auf den Vermögensaufbau aus
Auch die Förderung wird im neuen privaten Vorsorgesystem gezielt verbessert. Einzahlungen bis 360 Euro jährlich werden künftig mit 50 Prozent bezuschusst, bis zur maximal geförderten Einzahlung von 1.800 Euro jährlich mit 25 Prozent. Insgesamt liegt die Förderung damit bei bis zu 540 Euro pro Jahr. Für Familien besonders relevant ist, dass die volle Kinderzulage von 300 Euro jährlich bereits ab einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro erreicht wird. Außerdem wird es neben Depots von privaten Anbietern wie Banken oder Neobrokern auch ein öffentliches Altersvorsorgedepot vom Staat geben. Und auch Selbstständige sollen Zugang zur privaten Vorsorge mit Förderung bekommen.
Wie stark sich die neue Förderung auf den Vermögensaufbau auswirken kann, zeigen aktuelle Beispielrechnungen von Finanztip (siehe Anhang): Unter der Annahme einer Laufzeit von 40 Jahren, einer jährlichen Rendite von sechs Prozent und günstigen Kosten von 0,2 Prozent ergibt sich für eine alleinstehende Person mit einer jährlichen Einzahlung von 1.800 Euro und 540 Euro Förderung ein Endvermögen von rund 269.000 Euro nach Steuern. Das sind rund 63.000 Euro beziehungsweise 31 Prozent mehr als bei einem ungeförderten ETF-Sparplan (206.000 Euro).
Schon ganz anders sieht es aus, wenn die Anbieter den Kostendeckel von einem Prozent ausreizen, dann beträgt das Endvermögen nur rund 219.000 Euro – 50.000 Euro weniger. „Die Förderung kommt hier deutlich stärker den Anbietern zugute, die Sparerinnen und Sparer haben deutlich weniger Altersvorsorge”, so Sulilatu.
Besonders Geringverdienende profitieren von neuer Förderung
Bei geringeren Sparraten fällt der Förder-Effekt noch deutlicher aus: Wer 360 Euro pro Jahr einzahlt und 180 Euro Förderung erhält, kommt auf etwa 71.000 Euro und damit rund 47 Prozent mehr als mit einem herkömmlichen ETF-Sparplan, der im selben Zeitraum rund 48.000 Euro bringt. Liegen die Kosten hingegen bei einem Prozent, dem maximalen Betrag für das Standardprodukt, kommen Sparerinnen und Sparer auf 58.000 Euro.
Besonders stark profitieren Familien: Bei gleicher Einzahlung und zwei Kindern ergibt sich ein Vermögen von rund 138.000 Euro. Das liegt an der Kinderzulage von maximal 300 Euro pro Kind und Jahr, die es schon ab 25 Euro Sparrate geben soll. Das entspricht einem Plus von etwa 89.500 Euro beziehungsweise fast dem Dreifachen (+186 Prozent) gegenüber einem ETF-Sparplan ohne Förderung (etwa 48.000 Euro). Bei einem Prozent Kosten liegt das Vermögen bei 111.000 Euro.
Der Bundestag soll das als Nachfolger der Riester-Rente geltende Gesetz am Freitag beschließen, danach ist der Bundesrat am Zug. Die neuen Altersvorsorgeprodukte sowie die staatliche Förderung sollen ab 2027 gelten.
Weitere Informationen
- Zum Finanztip-Altersvorsorgedepot-Rechner
- Zur Finanztip-Petition: „Altersvorsorge-Depot: Gebühren auf 0,5 % deckeln“
- Zum Finanztip-Positionspapier „Reform der Altersvorsorge – 5 Punkte, damit die Frühstartrente nicht zu kurz greift“
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