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Ikarus Tours-CEO Nicolas Kitzki I Warum Expeditionsreisen boomende Zukunft haben
Expeditionsreisen liegen im Trend: Im Pressegespräch bei IKARUS TOURS in Königstein sprach CEO Nicolas Kitzki über die Faszination von Arktis- und Antarktisreisen, moderne Expeditionsschiffe, nachhaltiges Reisen und außergewöhnliche Tierbegegnungen. Warum immer mehr Menschen statt klassischer Kreuzfahrten echte Abenteuer suchen und welche prominenten Gäste bereits mit an Bord waren, erfahren Sie in unserem exklusiven Beitrag.
Zwischen Eisbergen, Wissenschaft und außergewöhnlichen Tierbegegnungen
Nicolas Kitzki über Expeditionsreisen, Polar-Abenteuer und die Faszination der letzten weißen Flecken der Erde
Königstein / Frankfurt am Main – Während klassische Kreuzfahrten häufig auf Entertainment, Poolspektakel und Massentourismus setzen, wächst parallel ein völlig anderer Reisetrend: Expeditionsreisen in die entlegensten Regionen der Erde. Arktis, Antarktis, Südgeorgien oder die legendären Spuren von Sir Ernest Shackleton stehen heute für eine neue Form des Reisens – intensiv, naturverbunden und bewusst entschleunigt.
Einer, der diese Entwicklung seit vielen Jahren begleitet und prägt, ist Nicolas Kitzki. Im Gespräch berichtet der Reiseexperte eindrucksvoll von modernen Expeditionsschiffen, außergewöhnlichen Begegnungen mit Walen und Pinguinen, internationalen Gästen an Bord – und davon, warum diese Reisen Menschen oft nachhaltig verändern.
Schon beim ersten Eindruck wird klar: Wer mit einem Expeditionsschiff in Richtung Polarregionen reist, erlebt keine klassische Kreuzfahrt. Die Atmosphäre an Bord sei familiär, persönlich und intensiv, beschreibt Kitzki. Die Gästezahl liege häufig bei nur rund 100 Personen – bewusst klein gehalten, damit Landgänge überhaupt möglich bleiben.
„100 Gäste dürfen gleichzeitig an Land“, erklärt er. „Deshalb arbeiten wir mit kleinen Schiffen und einem nahezu einzigartigen Betreuungsschlüssel.“ Tatsächlich befinden sich neben den Gästen fast ebenso viele Crewmitglieder und Expeditionsexperten an Bord. Wissenschaftler, Kajak-Guides, Ornithologen und Naturführer begleiten die Reisen und machen sie zu einer Mischung aus Abenteuer, Forschung und persönlicher Entdeckungsreise.
Besonders bemerkenswert: Das Expeditionsteam sitzt nicht abgeschottet irgendwo hinter den Kulissen. Beim Abendessen verteilen sich Wissenschaftler und Guides bewusst unter die Gäste. Feste Sitzordnungen wie auf klassischen Kreuzfahrtschiffen gebe es nicht. „Der Kapitän setzt sich irgendwann einfach irgendwo dazu“, erzählt Kitzki lachend.
Auch die Kabinenkonzepte unterscheiden sich deutlich von Luxuslinern. Neben Einzel- und Doppelkabinen gibt es Mehrbettkabinen, die vor allem für preisbewusste Reisende interessant sind. „Man ist ohnehin den ganzen Tag draußen, bei Vorträgen, auf Exkursionen oder an Deck“, erklärt er. Viele Gäste würden sich deshalb bewusst für eine günstigere Mehrbettkabine entscheiden – oft entstünden daraus sogar Freundschaften fürs Leben.
Die internationale Atmosphäre spiele dabei eine große Rolle. Gerade australische Gäste beschreibt Kitzki als besonders offen und kommunikativ. Schnell komme man miteinander ins Gespräch – beim Frühstück, bei Weinverkostungen, bei Landgängen oder während gemeinsamer Tierbeobachtungen an Deck.
Die Sprache an Bord sei grundsätzlich Englisch. Gleichzeitig habe man bei ausgewählten Reisen ein umfangreiches deutschsprachiges Konzept entwickelt. „Wir möchten, dass deutschsprachige Gäste wirklich alles verstehen und erleben können – gerade die wissenschaftlichen Vorträge“, erklärt der CEO.
Dafür werden Vorträge teilweise live übersetzt oder mit deutschen Untertiteln versehen. Zusätzlich begleiten deutschsprachige Expeditionsleiter die Reisen. Selbst der Hoteldirektor an Bord sei häufig deutschsprachig – ebenso wie der Chef-Barkeeper. Und tatsächlich wird auf manchen Reisen sogar deutsches Bier speziell gecatert.
„Ich habe zuerst gesagt, das braucht ihr nicht“, erzählt Kitzki schmunzelnd. „Aber die Australier meinten: Wenn wir es machen, dann richtig.“
Trotzdem gehe es an Bord keineswegs um übertriebenen Luxus. Die Schiffe seien stilvoll und modern gestaltet, aber bewusst zurückhaltend. Viel Licht, große Fensterfronten und ein funktionales skandinavisch anmutendes Design stünden im Vordergrund.
Besonders stolz ist Kitzki auf die moderne Schiffstechnologie der neuen Expeditionsschiffe wie der Douglas Mawson oder der Sylvia Earle. Diese verfügen über einen sogenannten „X-Bow“ – eine spezielle Bugform, die das typische harte Aufschlagen auf Wellen deutlich reduziert.
„Normale Schiffe gehen vorne aus dem Wasser raus und klatschen wieder zurück“, erklärt er anschaulich. „Der X-Bow arbeitet genau umgekehrt. Das Schiff bewegt sich viel ruhiger durchs Wasser.“
Gerade in Regionen wie der Drake Passage zwischen Südamerika und Antarktis sei das ein enormer Vorteil. Ergänzt werde das System durch moderne Stabilisatoren gegen Seitwärtsbewegungen. Seekrankheit könne zwar nie völlig ausgeschlossen werden – trete aber deutlich seltener auf.
Ein architektonisches Highlight der Schiffe ist die mehrstöckige Panorama-Lounge im Bugbereich. Riesige Fensterfronten vermitteln das Gefühl, direkt in den Ozean hineinzulaufen. Dort befinden sich Bibliotheken, Wissenschaftsbereiche und sogenannte „Science Center“, in denen Gäste sogar aktiv bei Forschungsprojekten mitarbeiten können.
Besonders beliebt seien Vogelbeobachtungen. Viele Gäste – vor allem Australier und Briten – seien begeisterte Hobby-Ornithologen. Gemeinsam mit Wissenschaftlern zählen sie Albatrosse oder dokumentieren Tierbewegungen.
„Die Leute möchten heute nicht mehr nur konsumieren“, sagt Kitzki. „Sie wollen Teil des Erlebnisses werden.“
Zu den emotionalsten Momenten gehören natürlich Tierbegegnungen. Wale, Robben, Seeleoparden oder gigantische Pinguinkolonien prägen viele Reisen.
Besonders Südgeorgien habe es ihm persönlich angetan. „Wenn ich nur noch einmal in meinem Leben an einen polaren Ort reisen dürfte, dann wäre es Südgeorgien“, sagt er ohne zu zögern.
Dort leben riesige Königspinguin-Kolonien mit teilweise über einer Million Brutpaaren. Zwischen Gletschern, Bergen und endlosen Küstenlandschaften entstehe eine Kulisse, die viele Reisende sprachlos mache.
Auch Begegnungen mit Walen seien fast garantiert. Kajakfahrer erleben die Tiere teilweise aus nächster Nähe. „Manchmal tauchen sie direkt neben den Kajaks auf“, berichtet Kitzki.
Neben der Natur spielen jedoch auch die zwischenmenschlichen Erlebnisse eine enorme Rolle. Viele Gäste würden auf diesen Reisen zu einer kleinen Gemeinschaft zusammenwachsen. Gerade auf längeren Antarktisreisen von bis zu drei Wochen entstehe eine besondere Dynamik.
„Man wird fast zu einer kleinen Familie“, beschreibt er die Stimmung an Bord.
Dabei seien auch prominente Persönlichkeiten immer wieder Teil der Reisen gewesen – allerdings völlig unkompliziert und ohne Sonderbehandlung. Schauspielerin Inge Meysel sei jahrelang Stammkundin gewesen. Auch bekannte Politiker hätten regelmäßig Expeditionsreisen gebucht.
„Das Interessante ist, dass sie sich komplett normal in die Gruppe einfügen“, sagt Kitzki.
Besonders eindrucksvoll seien auch emotionale Geschichten, die sich unterwegs ergeben. So erinnert er sich an ein chinesisches Paar, das sich während einer Südgeorgien-Expedition in einer alten norwegischen Kirche trauen ließ. Kurz nach der Zeremonie wurde die Braut allerdings von einer Robbe verletzt und musste direkt vom Schiffsarzt behandelt werden – eine Geschichte, die heute fast legendär anmutet.
Neben Abenteuer und Naturbeobachtung wird auch das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. Kitzki betont, dass Polarregionen niemals zu einem Massenziel werden dürften.
Die Schiffe fahren mit Marine-Diesel statt Schweröl, die Reisen seien nahezu papierlos organisiert, und Gäste würden bereits ab dem ersten Tag für einen respektvollen Umgang mit der Natur sensibilisiert.
Besonders kritisch sieht Kitzki große Kreuzfahrtschiffe, die lediglich an Eisbergen vorbeifahren, ohne echte Expeditionserlebnisse zu ermöglichen. „Das halte ich persönlich für überflüssig“, sagt er offen.
Seine Vision: kleinere Schiffe, verantwortungsvolle Veranstalter und Reisende, die nach ihrer Rückkehr als Botschafter dieser einzigartigen Regionen fungieren.
Und tatsächlich scheint genau das zu passieren. Viele Gäste kehren verändert zurück – emotional, mental und manchmal sogar körperlich.
„Diese Luft dort unten ist unglaublich klar“, erzählt Kitzki. Gerade Allergiker würden oft sofort eine Veränderung spüren. Gleichzeitig wirke die Kombination aus Natur, Ruhe und Distanz zum Alltag beinahe therapeutisch.
Besonders vermisst er heute allerdings eine Sache früherer Expeditionen: die digitale Isolation.
„Früher hatte man teilweise drei Wochen fast kein Internet“, erinnert er sich. Erst kurz vor der Rückkehr seien plötzlich hunderte Nachrichten aufs Handy eingegangen. „Und trotzdem ist nichts verloren gegangen.“
Vielleicht sei genau das ein Teil der Faszination polarer Reisen: die bewusste Entschleunigung in einer Welt, die sonst permanent erreichbar ist.
Für Nicolas Kitzki steht jedenfalls fest: Expeditionsreisen sind weit mehr als Urlaub. Sie sind intensive Erfahrungen, die den Blick auf Natur, Klima und das eigene Leben verändern können.
Oder wie er es selbst formuliert:
„Diese Landschaften machen etwas mit dir.“
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