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Schwäbische Zeitung: "Verblüffend fit mit 70" - Kommentar zum Werdegang und Wandel der CDU

Ravensburg (ots) - Kanzlerwahlverein? Na, klar. Das ist die CDU immer gewesen, und sie ist gut damit gefahren. Konrad Adenauers Westbindung, Ludwig Erhards soziale Marktwirtschaft, Helmut Kohls deutsche Einheit. Und Angela Merkel? Hat gute Chancen, sich um Europa verdient zu machen.

Die CDU hat aber nicht nur seit 1945 die längste Zeit den Kanzler gestellt, sie hat sich auch zu einer modernen Volkspartei entwickelt, die ein breites Wählerspektrum anspricht. Angela Merkel hat die CDU modernisiert. Ausbau von Kitas, Aussetzen der Wehrpflicht, Atomausstieg, Mindestlohn, Frauenquote - wer hätte diese Themen vor zehn Jahren mit der CDU verbunden? Der Preis: Merkel hat die CDU beliebiger gemacht, dieser Vorwurf ihrer Kritiker ist berechtigt. Deutschland hat, überspitzt gesagt, heute zwei sozialdemokratische Parteien. Die SPD leidet kräftig unter dieser Konkurrenz.

Doch ist dies kein Fehler der CDU. Denn erstens gehört die Sorge um den sozialen Ausgleich seit Ludwig Erhard zu ihr, zweitens steht die Partei damit in der Mitte der Gesellschaft. In den nächsten Jahren wird die CDU damit zu tun haben, diese Stärke zu halten. Die Wähler sind schneller und wendiger geworden. In Großstädten verliert die CDU. Eine Partei, die dreiviertel männliche Mitglieder hat, deren Durchschnittsalter 59 ist, hat viele Baustellen.

Die größte Schwäche der CDU aber liegt derzeit in der Stärke Merkels. Sie hat keinen Nachfolger aufgebaut, im Gegenteil, viele Hoffnungsträger der CDU sind während ihrer Zeit politisch auf der Strecke geblieben. Dass die Partei ohne Merkel kaum vorstellbar ist, sollte die CDU - bei allem berechtigten Stolz auf ihre Leistungen - stark beunruhigen.

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