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WAZ: Kette des Versagens - Kommentar von Tobias Blasius

Essen (ots) - Die Sicherungsverwahrung ist das schärfste Schwert des Rechtsstaates im Kampf gegen notorische Verbrecher: Sie hält besonders gefährliche Täter in Haft, auch wenn diese ihre Strafe längst verbüßt haben. Seit einem Jahr ist es schwieriger geworden, eine solch drakonische Maßnahme nachträglich zu verhängen. Dies bürdet Politik, Justiz und Polizei die Verantwortung auf, mit Menschen umzugehen, die man eigentlich lieber bis ans Ende ihrer Tage hinter Gittern sähe. Dieser besonderen Verpflichtung, so viel steht fest, sind im Falle des skandalösen Angriffs eines 15-fach vorbestraften Sexualtäters auf ein zehnjähriges Mädchen in Duisburg zu viele Stellen nicht gerecht geworden. Die Kette des Versagens beginnt bei einem Gutachter, der eine verheerende Gefährlichkeitsprognose erstellte, über einen Richter, der dieser Expertise zu blind vertraute, bis hin zu einer Polizei, die sich nicht sorgfältig genug einen eigenen Reim auf die brisante Lage machte. Und im Hintergrund zauderte die Bundesregierung, eine neue gesetzliche Regelung zu schaffen, um Gefahr für die Allgemeinheit abzuwenden. Nicht nur in Duisburg-Homberg erwartet man etwas mehr als gegenseitige Schuldzuweisungen.

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