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Weser-Kurier: Zum Urteil gegen Thomas Middelhoff schreibt Silke Hellwig:

Bremen (ots) - Die deutsche Volksseele kann nicht nur vor Wut kochen, sie kann sich auch ergötzen. Kollektive Freude, nämlich Schadenfreude, gilt meist dem tiefen Fall von Überfliegern, Bonzen, Großmäulern und Moralaposteln. Ob die Pleite, eine Haftstrafe oder beides - wenn einer von "denen da oben" vom Schicksal oder einem Gericht an den Hammelbeinen gepackt und geerdet wird, scheint für ausgleichende Gerechtigkeit gesorgt zu sein. Willkommen also, Thomas Middelhoff, in der Galerie, in der man neben seinem Sockel hockt, wie Uli Hoeneß, Bernie Madoff oder Karl-Theodor zu Guttenberg. Middelhoff ist noch so ein Fall, der die These belegen könnte, dass nicht viele Menschen der Kombination von Geld, Status und Macht gewachsen sind. Sie ist nichts ist für Weicheier, die sich korrumpieren lassen und daraus Gier, Hochmut und Geltungssucht ableiten. Keine Frage, Middelhoff hat eine Mordskarriere vorzuweisen. Er galt als "Wunderkind der deutschen Wirtschaft", als "einziger Topmanager Deutschlands"; dafür wird es Gründe gegeben haben. Auf dem Weg nach ganz oben blieb aber offenbar das Feingefühl auf der Strecke, das Gespür für das rechte Maß und die eigenen Grenzen. Middelhoff ließ sich von seiner Maßlosigkeit so weit treiben, dass er sich wahrscheinlich strafbar machte. Das Motiv: die grässliche Mischung aus Geiz und Protzerei. Doch spätestens als ihm der Spitzname "Big T" verpasst wurde, hätte Middelhoff hellhörig werden müssen. Der Ausdruck ist vielsagend und nicht etwa nur schmeichelhaft. Indes hat der eigene Maßstab wohl mit dem Rückgrat gemein, dass man beide nicht einfach austauschen kann, wenn sie einmal verbogen sind. Und so war bei Thomas Middelhoff bislang offenbar nicht viel von Selbstzweifel, von Einsicht oder Reue zu erkennen. Seine schwerste Strafe steht ihm auch noch bevor: Bald wird kein Hahn mehr nach dem Gockel krähen.

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