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Fotograf Araki: "Ich fessele den Körper, aber nicht die Gefühle"

Hamburg (ots) - Der Japaner Nobuyoshi Araki verteidigt im ZEITmagazin LEBEN seine Fotos nackter gefesselter Frauen, die ihn zu einem der bekanntesten Fotografen der Welt gemacht haben: "Ein Foto von einem Menschen zu machen bedeutet den Austausch von Energie. Ein Mensch, den ich fotografiere, gibt mir etwas von seiner Energie, im Gegenzug gebe ich etwas von meiner. Jede Frau, die zu mir kommt und inszeniert werden möchte, hat ihre eigene Geschichte, und ich helfe ihr dabei, sie zu entwickeln. Es geht um Dinge, die sie vielleicht versteckt, von denen sie gar nichts weiß oder nicht wissen will. Und ich versuche, diese zutage zu fördern. Sex gehört für mich zu einer Fotosession wie das Laden der Kamera mit einem Film. Doch die Models bestimmen selbst, was geschieht; so bestimmen sie auch den Inhalt der Bilder. Auf den Betrachter mögen die Frauen wie Opfer wirken, aber mein Ideal ist es, dass ich mich am Ende selbst als Opfer erlebe, weil ich von ihnen gefesselt bin."

"Bilder von Fesselungspraktiken, in der westlichen Welt Bondage genannt", erinnerten Araki an "Gepäckstücke, die man zusammenbindet. Eine sehr materialistische Konnotation. Kinbaku hingegen, wie die Kunst der erotischen Fesselung in Japan heißt, ist eher etwas Metaphysisches. Bondage ist, jemanden gefangen zu halten. Kinbaku ist wie eine Umarmung, ein Akt der Liebe. Ich fessele den Körper, aber nicht die Gefühle. Die erotische Ausstrahlung einer Frau ist für mich in ihrem Gesicht ablesbar. Deshalb habe ich in letzter Zeit überwiegend Porträts fotografiert. Ich habe praktisch alle mir bekannten sexuellen Fantasien auf diese Weise verwirklicht."

Araki weiter: "Jedes Mal, wenn ich ein Foto mache, gibt es unmittelbar danach einen Moment, in dem die Aufregung in Befriedigung umschlägt - aber das ist nur ein flüchtiger Augenblick. Die Zeit vergeht, das Gefühl verfliegt. Deshalb versuche ich, dieses Gefühl in den Abzügen der Fotos festzuhalten. Es kommt mir vor, als sei die Kamera ein Teil meines Körpers geworden, wie meine Finger es sind."

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