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20.01.2019 – 19:13

Bundesärztekammer

Sperrfrist: Montag, 21.01.2019, 06.00 Uhr Pressemitteilung der Bundesärztekammer Reform der Psychotherapeutenausbildung Bundesärztekammer lehnt Referentenentwurf des BMG strikt ab

Berlin (ots)

Berlin - Die Bundesärztekammer (BÄK) lehnt den vom Bundesministerium für Gesundheit vorgelegten Referentenentwurf für eine Reform der Psychotherapeutenausbildung strikt ab. Der Entwurf verfehlt völlig das Ziel einer verbesserten Ausbildung in diesem wichtigen Versorgungsbereich. Vielmehr führt er zu einer Gefährdung der Patientinnen und Patienten, warnt die BÄK. Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen dürfen in ihrer Behandlung nicht aus dem medizinischen Versorgungssystem ausgegliedert werden. Die im Gesetzentwurf vorgeschlagene Ausbildungsreform der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten aber würde unweigerlich zu getrennten Versorgungsbereichen führen.

   -Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und 
Jugendlichenpsychotherapeuten mit ihren jeweils spezifischen 
Kompetenzen ergänzen das therapeutische Angebot sinnvoll, sie können 
aber keinesfalls die ganzheitliche ärztliche Expertise in Diagnose 
und Therapie ersetzen. Denn psychische Erkrankungen gehen häufig mit 
behandlungsbedürftigen somatischen Erkrankungen einher. Oft bedingen 
sich beide wechselseitig und verstärken sich sogar. Aber anstatt auf 
eine ganzheitliche Betrachtung und Behandlung komplexer 
Krankheitsbilder hinzuwirken, bedroht die vorgesehene Reform eine 
individuelle, somatische wie psychische Aspekte integrierende 
Versorgung der Patientinnen und Patienten. Diese Reform führt damit 
zu einer Verschlechterung der Patientenversorgung. 
   -Aus gutem Grund ist die Verordnung von Arzneimitteln allein 
Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Die Mehrheit der Psychologischen 
Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten 
anerkennt diese originäre ärztliche Kompetenz und lehnt deshalb eine 
Aufgabenübernahme in diesem Bereich der Pharmakotherapie ab. Denn 
eine sichere und schonende Anwendung von Psychopharmaka ist nur auf 
der Grundlage eines Medizinstudiums möglich. Im Reformentwurf ist 
jedoch ein Modellversuchsstudiengang vorgesehen, in dem Nicht-Ärzten 
Kompetenzen zur Feststellung, Verordnung und Überprüfung 
psychopharmakologischer Maßnahmen vermittelt werden sollen. Das 
gefährdet die Sicherheit der Patientinnen und Patienten, die auf 
Grund ihrer Erkrankung unter Umständen besonders zu schützen sind, in
ganz erheblichem Maße. 
   -Die vorgesehene Reduktion der Berufsbezeichnung der 
Psychologischen Psychotherapeuten sowie der Kinder- und 
Jugendlichenpsychotherapeuten auf "Psychotherapeut" ist eine 
Mogelpackung. Dadurch werden Patienten in die Irre geführt. Man kann 
nicht einen Behandlungsansatz zu einem Beruf erheben und darüber 
hinwegtäuschen, dass auch und gerade Ärztinnen und Ärzte mit 
Facharztstatus nach sechsjähriger Ausbildung und mindestens 
fünfjähriger Weiterbildung als hochqualifizierte Psychotherapeuten 
tätig sind. Mit der Mogelpackung "Psychotherapeut" für eine deutlich 
weniger umfangreiche Aus- und Weiterbildung wird Patienten 
vorgegaukelt, sie erhielten auf Basis höherer Qualifikation 
psychotherapeutische Verfahren. Das ist politisch, vor allem aber 
medizinisch nicht zu verantworten. Im Interesse des Patientenschutzes
müssen die jeweilige fachliche Expertise sowie deren Grenzen klar 
erkennbar bleiben. 

Die Bundesärztekammer fordert das Bundesgesundheitsministerium auf, den vorgelegten Referentenentwurf umfassend zu überarbeiten und dabei die bereits vorliegenden, die ursprünglichen Reformziele unterstützenden, Vorschläge der Bundesärztekammer zu berücksichtigen. Gemeinsames Ziel von Politik und allen beteiligten Professionen muss es bleiben, die seit vielen Jahren bewährte multidisziplinäre Zusammenarbeit in der psychotherapeutischen Versorgung zu stärken und im Interesse einer qualitätsgesicherten, evidenzbasierten Psychotherapie weiter zu entwickeln. Dafür setzt sich die gesamte verfasste Ärzteschaft ein.

Pressekontakt:

Bundesärztekammer
Stabsbereich Politik und Kommunikation
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

Tel. 030-400456700
Fax. 030-400456707
presse@baek.de
www.baek.de

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