Alle Meldungen
Abonnieren Sie alle Meldungen von c't

12.06.2006 – 11:10

c't

Bilder und Links auf Webseiten können teuer werden
Abmahnfalle Internet

    Hannover (ots)

Ein arglos kopiertes Bild, ein unbedacht gesetzter Link - auch kleinste Rechtsverstöße im Internet lassen sich von gewieften Anwälten blitzschnell aufspüren und teuer ahnden. Deutsche Gesetze laden zum Missbrauch von Abmahnungen geradezu ein. Betroffene sollten eine Abmahnung auf keinen Fall ignorieren, so das Computermagazin c't in der aktuellen Ausgabe 13/06.

    Was im privaten Umfeld folgenlos bleibt, wird im Web zum Verhängnis: Die freimütige Meinungsäußerung in einem Forum wird zur Beleidigung, der eBay-Weiterverkauf eines Produktplagiats zur Markenrechtsverletzung. Mit Hilfe einer Suchmaschine finden Rechtsanwälte oder ihre Mandanten solche Rechtsbrüche kinderleicht und in kürzester Zeit. Fast ohne Aufwand verschicken die schwarzen Schafe unter ihnen massenhaft Abmahnungen und kassieren horrend hohe Gebühren dafür. Wenn ein Kind ein paar urheberrechtlich geschützte Fotos unbedacht in seine Hobby-Homepage einbaut, kann das die Eltern mehr als 3000 Euro kosten.

    Der deutsche Gesetzgeber hat solcherlei Praktiken ungewollt lukrativ gemacht: Anwaltshonorare bemessen sich hier zu Lande nach dem Gegenstandswert, und da lassen windige Advokaten gerne ihre Phantasie spielen. Bei geringfügigen Online-Rechtsverstößen werden oft Beträge von 30.000 Euro und mehr veranschlagt. Solch irrwitzige Summen sollen laut Bundesjustizministerium bald nicht mehr erlaubt sein, allerdings nur bei einfachen Urheberrechtsverstößen. "Warum eine Kostendeckelung bei Abmahnungen von geringfügigen Rechtsverstößen nur im Urheberrecht gelten soll, ist unplausibel und nicht nachvollziehbar", kommentiert c't-Redakteur Holger Bleich. "Eine solch halbherzige Regelung wird nicht genügen, den Missbrauch mit Abmahnungen einzudämmen."

    Betroffenen rät c't-Experte Holger Bleich: "Eine Abmahnung sollte man auf jeden Fall ernst nehmen, ansonsten droht eine teure gerichtliche Auseinandersetzung." Mit einer Unterlassungserklärung bestätigt man der Gegenseite, den vorgeworfenen Rechtsverstoß in Zukunft nicht wieder zu begehen. Bei der genauen Formulierung gibt es genauso einen Spielraum wie bei der Frage nach der Übernahme und Höhe der Anwaltskosten - den sollte man nutzen. Ist die Abmahnung offensichtlich ungerechtfertigt oder sind die Anwaltsrechnungen immens hoch, empfiehlt es sich, einen spezialisierten Anwalt hinzuzuziehen. (hob)

    Titelbild c't 13/2006 www.heise-medien.de/presseinfo/bilder/ct/06/ct132006.jpg

    Hinweis für Hörfunkredaktionen: Ein Radiobeitrag zu diesem Thema sowie O-Töne von c't-Redakteur Holger Bleich sind unter 05 11/2 79 15 60  beim c't-Hörfunk-Service abrufbar. Unter www.radioservice.de steht das Angebot für akkreditierte Hörfunkredakteure auch im MP3-Format zum Download bereit.

    Aktuelle Meldungen aus der Heise Medien Gruppe finden Sie unter http://www.heise-medien.de/presseinfo

    Unter http://www.heise-medien.de/presseabo können Sie sich für den Mail-Service anmelden. Dann erhalten Sie automatisch jede neue Pressemitteilung aus der Heise Medien Gruppe per E-Mail.

Ihre Ansprechpartnerin für Rückfragen Anja Reupke Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Telefon +49 [0] 511 5352-561 Telefax +49 [0] 511 5352-563 anja.reupke@heise-medien.de

Original-Content von: c't, übermittelt durch news aktuell