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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)

++ BUND fordert mehr Tempo bei Auen-Renaturierung – Bundesumweltminister Schneider würdigt BUND-Arbeit in Lenzen ++

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Pressemitteilung

11. Mai 2026 | 074

BUND-Pressestelle

Tel.: 030 - 27586 - 109

presse@bund.net

BUND fordert mehr Tempo bei Auen-Renaturierung

Bundesumweltminister Schneider würdigt BUND-Arbeit in Lenzen

  • EU verpflichtet Deutschland bis 2026 zu konkreten Wiederherstellungsplänen
  • BUND fordert mindestens 2000 Kilometer naturnahe Flüsse
  • Projekt an der Elbe bei Lenzen zeigt: Renaturierung stärkt Hochwasserschutz, Biodiversität und Klimaschutz

Berlin/Lenzen. Deutschland steht beim Schutz und der Wiederherstellung seiner Flusslandschaft unter Zugzwang: Bis September muss die Bundesregierung einen nationalen Wiederherstellungsplan im Rahmen der EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur (WVO) vorlegen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert, dabei ambitionierte Ziele zu setzen: 2000 Kilometer frei fließende Flüsse. Wie wichtig lebendige Auen für Mensch, Natur und Klima sind, zeigen erfolgreiche Praxisbeispiele wie die Deichrückverlegung in Lenzen an der Elbe.

Das Naturschutzgroßprojekt Lenzener Elbtalaue zeigt, dass Renaturierung gleichzeitig Hochwasserschutz, Artenvielfalt und Klimaschutz stärkt. Auf rund 420 Hektar haben der BUND und das Land Brandenburg über zehn Jahre dafür gesorgt, dass die Elbe wieder mehr Raum bekommt. Eine aktuelle Auswertung (2025) zeigt: Die Aue trägt messbar zum Hochwasserschutz bei, erhöht die Biodiversität und bindet Kohlenstoff.

BUND-Vorsitzender Olaf Bandt: „Wenn Deutschland die EU-Vorgaben ernst nimmt, müssen wir jetzt großflächig in die Wiederherstellung von Auen investieren. Lenzen zeigt: es funktioniert – und es bringt konkrete Vorteile für Mensch und Natur“, sagte Bandt bei einem Projektbesuch heute vor Ort im Beisein von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), der die Ergebnisse des BUND-Projekt ebenfalls würdigte.

Bundesumweltminister Carsten Schneider: „Das Renaturierungsprojekt in der Lenzener Elbtalaue hat Maßstäbe für den integrierten Natur-, Gewässer- und Hochwasserschutz gesetzt. Das ist gut für die Natur und für die Menschen vor Ort: Es entstehen wieder natürliche Überschwemmungsflächen, das verbessert den Hochwasserschutz. Wasser wird in der Aue gehalten und bedrohte Tier- und Pflanzenarten finden neuen Lebensraum. Die Lenzener Elbtalaue ist auch ein gutes Praxisbeispiel für die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung. Wo Flüsse wieder frei fließen, kann sich Natur erholen. Wir stärken damit das Netz der natürlichen Infrastruktur, das wir erhalten und für den Klimawandel fit machen wollen."

Intakte Auen sind zentrale Bausteine gegen Klimakrise und Artensterben. Der Handlungsbedarf für Ihren Erhalt ist groß: Nur noch ein Drittel der ursprünglichen Auen in Deutschland ist erhalten, weniger als zehn Prozent davon gelten als ökologisch intakt. Der BUND sieht in erfolgreichen Projekten wie Lenzen eine Blaupause für die anstehenden nationalen Wiederherstellungspläne.

Bandt: „Es ist entscheidend, Maßnahmen gemeinsam mit den Menschen vor Ort zu entwickeln. So können Renaturierungsprojekte auch zu echten Gemeinschafts- und Demokratieprojekten werden. Wenn Hochwasserschutz, Landwirtschaft und Naturschutz vor Ort zusammenarbeiten, entstehen Lösungen, von denen Klima, Mensch und Natur gleichermaßen profitieren. Die neue Überschwemmungsfläche ist heute Hotspot für Biodiversität, eine Erholungsoase für Anwohner*innen und Gäste und hat beim Jahrhunderthochwasser 2013 erheblich zum Schutz der Region beigetragen.“

Hintergrund:

Die WVO verpflichtet die Mitgliedstaaten, geschädigte Ökosysteme wieder in einen guten Zustand zu bringen und den Verlust der Artenvielfalt umzukehren. Bis September 2026 müssen nationale Wiederherstellungspläne vorgelegt werden. Ein Ziel ist es, bis 2030 europaweit 25.000 Kilometer Flüsse wieder frei fließen zu lassen.

Deutschlands Flüsse haben nur noch etwa ein Drittel ihrer ursprünglichen Auen – und weniger als zehn Prozent davon sind noch ökologisch intakt. Gerade in Zeiten der Klima- und Biodiversitätskrise sind gesunde Auen jedoch wichtiger denn je. Sie gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas, bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause und erfüllen gleichzeitig zentrale Funktionen für uns Menschen.

Intakte Auen wirken wie natürliche Schutzschilde: Sie nehmen bei Starkregen große Wassermengen auf und helfen, Hochwasser abzumildern. In Trockenzeiten speichern sie Wasser und stabilisieren so den Landschaftswasserhaushalt. Außerdem binden sie Kohlenstoff und leisten damit einen direkten Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig zeigt die Grundwasserstudie des BUND, dass in vielen Regionen Deutschlands bereits Wasserknappheit herrscht – ein weiteres Argument, diese wertvollen Ökosysteme zu erhalten und wiederherzustellen.

Dass Renaturierung funktioniert, zeigt das Projekt an der Elbe: Von 2002 bis 2011 haben der BUND und das Land Brandenburg bei Lenzen einen Deich zurückverlegt und der Elbe wieder mehr Raum gegeben. So konnten rund 420 Hektar ehemalige Nutzfläche – das entspricht etwa 587 Fußballfeldern – in eine naturnahe Auenlandschaft zurückentwickelt werden. Eine 2025 veröffentlichte Auswertung belegt den Erfolg: Das Projekt verbessert den Hochwasserschutz, stärkt die Artenvielfalt und trägt wirksam zum Klimaschutz bei. Gefördert wurde es vom Bundesamt für Naturschutz im Rahmen von chance.natur - Bundesförderung Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums. Als erstes großes Vorhaben dieser Art in Deutschland liefert es heute wichtige Erkenntnisse für zukünftige Renaturierungsprojekte.

Mehr Informationen:

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit rund 674.000 Mitgliedern und Unterstützer*innen einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Seit über 50 Jahren engagiert er sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft, den Klimaschutz, den Schutz bedrohter Arten, des Waldes und des Wassers. Finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge ist der BUND unabhängig von Politik und Wirtschaft.

Hrsg.: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V., Nicole Anton (v.i.S.d.P.), Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin

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