Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
++ BUND-Faktencheck: Die Legende vom Pestizidmangel Behauptungen der Pestizid-Industrie zu fehlenden Wirkstoffen widerlegt ++
Pressemitteilung
5. Februar 2026 | 017
BUND-Pressestelle
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BUND-Faktencheck: Die Legende vom Pestizidmangel
Behauptungen der Pestizid-Industrie zu fehlenden Wirkstoffen widerlegt
- Es gibt keinen Mangel an Pestiziden und Pestizidanwendungen
- Verfügbarkeit an Pestiziden hat keinen Zusammenhang mit Ernährungssicherheit, Erträgen, Preisen und Resistenzen
- Nicht chemische Alternativen sind vorhanden und sollten gefördert werden
Berlin. Die Pestizid-Industrie und deren Verbände behaupten, der Landwirtschaft mangele es an Wirkstoffen zur Bekämpfung von Beikräutern, Pflanzenkrankheiten und sogenannten Schädlingen. Dadurch sei die Ernährungssicherheit bedroht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) veröffentlicht dazu heute einen Faktencheck. Pestizid-Experte Lars Neumeister hat die verfügbaren öffentlichen Daten überprüft und festgestellt: Die Behauptung hält einer Faktenprüfung nicht stand.
Die Anzahl der in Deutschland zugelassenen Wirkstoffe ist stabil, die genehmigten Mittel-Anwendungen haben sich in den letzten 15 Jahren sogar verdoppelt. Für tatsächlich weggefallene Pestizide ist die Industrie selbst verantwortlich, denn für mehr als die Hälfte dieser Stoffe wurden keine Anträge gestellt. Nur etwa ein Drittel der verschwundenen Stoffe wurde nicht mehr zugelassen, weil sie zu gefährlich für Mensch und Umwelt sind.
Lars Neumeister, Pestizidexperte und Autor: „Es gibt keinen Pestizidmangel, ganz im Gegenteil. Es sind zu viele Pestizide und Pestizidanwendungen zugelassen. Dadurch gibt es falsche Anreize, die Industrie-Interessen folgen. Andere EU-Länder zeigen erfolgreich, wie gute Landwirtschaft mit deutlich weniger Pestiziden funktionieren kann.“
Anreize für nachhaltige Alternativen zu Pestiziden fehlen
Der Faktencheck widerlegt auch weiter zentrale Industriebehauptungen zu fallenden Erträgen, steigenden Preisen und fehlender Selbstversorgung, die angeblich durch Pestizidmangel verursacht seien. Pestizidverbote haben nicht zu Ertragseinbußen oder steigenden Preisen geführt. Die geringe Selbstversorgung bei Obst und Gemüse ist bedingt durch die Jahreszeiten und die geringe Lagerfähigkeit, sie liegt nicht an fehlenden Pestizid-Wirkstoffen. Hunger resultiert nicht aus zu geringer Produktion, sondern aus Armut und Ungleichheit.
Corinna Hölzel, BUND-Pestizidexpertin: „Es fehlt an Anreizen für nachhaltige Alternativen wie Fruchtfolgen, Untersaaten und agrarökologische Systeme. Statt die Abhängigkeit von chemischen Mitteln weiter zu fördern, sollte der integrierte Pflanzenschutz gestärkt werden. Pestizide müssen endlich die Ausnahme sein und nicht der Standard.“
Die Messe Biofach startet nächste Woche, dort präsentiert die Branche ökologische Lebensmittel, die ohne Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide erzeugt wurden. Der BUND fordert den Ausbau des Ökolandbaus, eine Verringerung des Pestizid-Einsatzes, das Verbot besonders gefährlicher Pestizide. Bäuerinnen und Bauern müssen bei nicht-chemischen Alternativen unterstützt werden. Der derzeitige Vorschlag der EU-Kommission im „Food and Feed Safety Simplification Omnibus“, Pestizide zukünftig ohne zeitliche Begrenzung zuzulassen, muss von der Bundesregierung vehement zurückgewiesen werden.
Informationen:
- BUND-Faktencheck: Die Legende vom Pestizidmangel
- Kontakt: Pestizidexperte Lars Neumeister, Tel. +49 174 6643086, lars.neumeister(at)pestizidexperte.de; BUND-Pestizidexpertin Corinna Hölzel, Tel.: +49 30 27586-547, Corinna.Hoelzel(at)bund.net
- Terminhinweis: Es findet ein Pressegespräch zum Faktencheck heute um 10.30 Uhr statt. Wir bitten um Anmeldung.
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Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit rund 674.000 Mitgliedern und Unterstützer*innen einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Seit über 50 Jahren engagiert er sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft, den Klimaschutz, den Schutz bedrohter Arten, des Waldes und des Wassers. Finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge ist der BUND unabhängig von Politik und Wirtschaft.
Hrsg.: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V., Nicole Anton (v.i.S.d.P.), Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin