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07.11.2019 – 07:02

Ipsos GmbH

Internationale Umfrage: Hat der Mauerfall Europa sicherer gemacht?

Internationale Umfrage: Hat der Mauerfall Europa sicherer gemacht?
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- Nur jeder Dritte meint, Europa sei durch den Mauerfall sicherer 
- Unsicherheitsgefühl in Deutschland besonders groß
- Zweifel, ob Ost- und Westeuropa gemeinsame Ziele teilen
- Deutschland für viele inzwischen zu mächtig
- Polen profitieren vom Mauerfall, Russen leben schlechter als 1989    

Hamburg, 07. November 2019 - Es finden sich keine Mehrheiten, wenn es um die Frage geht, ob Europa durch den Fall der Berliner Mauer und den Zusammenbruch des Kommunismus sichererer geworden ist. Etwa ein Drittel (29%) der von Ipsos repräsentativ befragten Bürger in 16 Ländern meinen, Europa sei durch den Mauerfall sicherer geworden, etwa ebenso viele (31%) sind vom Gegenteil überzeugt oder unentschieden (40%) in dieser Frage.

Unsicherheitsgefühl in Deutschland besonders groß

In Deutschland (42%), Russland (43%) und Belgien (44%) ist der Anteil derjenigen, die Europa heute als weniger sicher empfinden als während der Zeit der deutschen Teilung besonders ausgeprägt. Türken (45%), Polen (41%) und Briten (36%) empfinden das heutige Europa dagegen überdurchschnittlich häufig als sicherer im Vergleich zur Zeit des Eisernen Vorhangs.

Ältere bemängeln häufiger die heutige Sicherheitslage

Vor allem ältere Mitbürger zeigen sich besorgt über die derzeitige Sicherheitslage in Europa. Etwa jeder zweite Deutsche ab 50 Jahren (49%) denkt, dass Europa vor dem Fall der Berliner Mauer sicherer war als heute, bei den jüngeren Befragten bis 35 Jahren (33%) und der Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen (29%) sagt dies nicht einmal jeder Dritte. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch in Russland und anderen osteuropäischen Ländern wie z. B. Ungarn.

Zweifel, ob Ost- und Westeuropa gemeinsame Ziele teilen

Selbst 30 Jahre nach dem Ende der DDR ist nur jeder vierte Deutsche (25%) der Ansicht, dass Osteuropa und Westeuropa inzwischen gemeinsame Ziele teilen. Beinahe vier von zehn Bundesbürgern (38%) bezweifeln das - mehr als in jedem anderen befragten Land. In Großbritannien (35%), Polen (35%) und Rumänien (34%) denkt mehr als jeder dritte Befragte, dass sich die Interessen der verschiedenen europäischen Nationen seit der Abschaffung der kommunistischen Systeme in Mittel- und Osteuropa weitestgehend angeglichen haben. Anders in Ungarn: Hier sagt nicht einmal jeder Fünfte (18%), dass Ost- und Westeuropa mittlerweile die gleichen Ziele verfolgen.

Deutschland für viele inzwischen zu mächtig

Geteilter Meinung sind die Menschen bei der Frage, ob Deutschland seit dem Fall der Berliner Mauer zu mächtig geworden ist. Global gesehen finden drei von zehn Personen (30%), dass die Bundesrepublik im Laufe der letzten Jahrzehnte eine zu mächtige Rolle in Europa eingenommen hat - etwa ebenso viele Befragte (29%) stimmen dem nicht zu. In Spanien (60%), der Türkei (60%) und Italien (54%) vertritt sogar eine klare Mehrheit der Bevölkerung die Auffassung, dass Deutschland zu mächtig geworden ist. Auch in Rumänien, Schweden, Russland und Ungarn überwiegt ebenfalls der Anteil derer, für die Deutschland inzwischen zu viel Macht besitzt.

Polen profitieren vom Mauerfall, Russen leben schlechter als 1989

Nur jeder vierte Deutsche (27%) ist der Ansicht, dass das Leben in der Region, in der er lebt, seit der Wendezeit vor 30 Jahren besser geworden ist - mehr als jeder dritte Bundesbürger (34%) ist gegenteiliger Auffassung. Lediglich in Russland (17% Zustimmung - 43% Ablehnung) werden die Auswirkungen des Mauerfalls für die eigene Region negativer bewertet als hierzulande.

Besonders positiv wird der Fall der Berliner Mauer dagegen in Polen gesehen. Hier denkt immerhin jeder zweite Befragte (50%), dass sich das Leben seit dem Jahr 1989 verbessert hat, nur etwa jeder Fünfte (21%) widerspricht dieser Aussage. Bemerkenswert: Während in Deutschland und Russland der Anteil der Mauerfall-Skeptiker bei älteren Menschen (ab 50 J.) höher ist als bei Personen im jungen oder mittleren Alter, ist in Polen vor allem die ältere Generation der Überzeugung, dass sich die Verhältnisse in der eigenen Region gebessert haben (59%). Nur jeder siebte Pole im fortgeschrittenen Alter (14%) findet, dass sich das Leben eher verschlechtert hat.

Dr. Robert Grimm, Leiter der Ipsos Sozial- und Politikforschung, zu den Studienergebnissen: "Der Fall der Mauer hatte Konsequenzen, die weit über die deutschen Grenzen hinausgingen. Leider folgten dem Zusammenbruch der sozialistischen Ordnung im Osten neue und teilweise blutige, nationalistisch geprägte Konflikte, die bis heute anhalten. Darüber hinaus war die deutsche Einheit der Anfang der europäischen Erweiterung und der NATO-Osterweiterung. In der Folge verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den europäischen Staaten und Russland - vor allem in den letzten Jahren - spürbar und auch die Flüchtlingskrise hat die sicherheitspolitischen Schwachstellen der EU deutlich aufgezeigt. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass einige Menschen die heutigen Verhältnisse als weniger sicher empfinden als das Europa vor 30 Jahren. Auch die Wahrnehmung des vereinten und mächtiger gewordenen Deutschlands im Herzen des Kontinents hat sich mit dem Mauerfall verändert. In den >Club Med<-Staaten assoziieren viele Bürger strenge europäische Budgetvorgaben mit der Sparpolitik der Bundesrepublik und auch der Brexit wurde teils von einem >Anti-German sentiment< getrieben. Es erscheint aus heutiger Sicht paradox, dass das Ende der deutschen - und europäischen - Teilung zu weiteren bitteren Konflikten in Europa geführt hat."

Methode:

Die Ergebnisse stammen aus der Ipsos Global Advisor-Studie "The Fall of the Berlin Wall" und wurden vom 20.09. bis zum 04.10.2019 erhoben. Bei der Online-Umfrage wurden insgesamt 12.005 Personen aus 16 Ländern interviewt. Zu diesen Ländern gehören Australien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, die Niederlande, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, Spanien, die Türkei, Ungarn und die USA.

In Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Spanien und den USA wurden jeweils etwa 1000 Personen befragt. In Belgien, den Niederlanden, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, der Türkei und Ungarn umfasste die Stichprobe etwa 500+ Personen.

Es wurde eine Gewichtung der Daten vorgenommen, um die demografischen Merkmale auszugleichen und damit sicherzustellen, dass die Stichprobe die aktuellen offiziellen Strukturdaten der erwachsenen Bevölkerung eines jeden Landes widerspiegelt.

Wenn die Ergebnisse sich nicht auf 100 aufsummieren, liegt das an Rundungen durch die computerbasierte Zählung, erlaubte Mehrfachnennungen oder dem Ausschluss von "weiß nicht/keine Angabe" Nennungen.

Ipsos

Ipsos ist die Nummer 3 weltweit in der Marktforschungsbranche mit mehr als 18.000 Mitarbeitern und starker Präsenz in 90 Ländern.

Unsere Forschungsexperten, Analysten und Wissenschaftler verfügen über das breite Know-How von Multi-Spezialisten, das tiefe Insights in Handlungen, Meinungen und Motivationen von Bürgern, Konsumenten, Patienten, Käufern oder Mitarbeitern ermöglicht. Wir haben die große Bandbreite unserer Lösungsansätze in 18 Service Lines zusammengefasst und unterstützen damit über 5000 Kunden weltweit.

1975 in Paris gegründet, wird Ipsos bis heute von Forschern geführt. In Deutschland sind wir mit ca. 700 Mitarbeitern an sechs Standorten präsent: Hamburg, Mölln, Berlin, Frankfurt, Nürnberg und München.

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Kontakt :
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