Caritas: Wunden der Explosion in Beirut sind im Libanon immer noch spürbar
Caritas international leistet nach der Explosion umfangreiche Hilfen - Keine Erholung des Libanons in Sicht
Freiburg/Beirut (ots)
Die Wunden der Explosion im Hafen von Beirut vom 4. August 2020 sind in der libanesischen Hauptstadt noch längst nicht verheilt. Darauf macht Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, anlässlich des wiederkehrenden Jahrestages aufmerksam. "Diese Katastrophe traf auf ein Land, das bereits wirtschaftlich und politisch am Boden lag. Danach folgten zwei weitere Schläge in Form von Kriegen, die die Hisbollah-Miliz und die israelische Armee auf libanesischem Boden ausgetragen haben bzw. weiterhin austragen. Unter diesen Umständen kann sich kein Land und keine Bevölkerung erholen", kritisiert Miriam Hartwig, Libanonreferentin bei Caritas international. "Die Menschen im Libanon sind müde und brauchen Frieden mehr denn je."
Caritas international hat gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation, der Caritas Libanon, nach der massiven Explosion vor sechs Jahren umfangreiche Überlebenshilfe in Form von Lebensmittelverteilungen geleistet. Tausende obdachlos gewordene Menschen wurden in Notunterkünften untergebracht. Mobile medizinische Teams der Caritas kümmerten sich um die zahlreichen Verletzten vor Ort. "Dieses Ereignis hat die Konzentration aller Kräfte erfordert. In der Stadt herrschten chaotische Zustände, Beirut, seine Menschen standen unter Schock", erklärt Hartwig. Viele Freiwillige halfen bei den Aufräumarbeiten. Mittlerweile sind zwar die größten Schäden beseitigt, die mentale Verwundung und Erschöpfung der Bevölkerung ist aber geblieben.
Die Kriege der Hisbollah mit Israel halten den fragilen Zustand der Bevölkerung aufrecht. Der im April dieses Jahres vereinbarte Waffenstillstand wird immer wieder gebrochen. Laut den Vereinten Nationen wurden seit dem 2. März 2026 mehr als 4.200 Menschen (darunter 253 Kinder) getötet und über 12.000 Menschen verletzt. Eine Million Libanesinnen und Libanesen mussten aus dem Süden vornehmlich nach Beirut fliehen. "Das zermürbt die Menschen weiter", resümiert die Libanonreferentin von Caritas international und ergänzt: "Ich bin sehr froh, dass unsere lokalen Partner ihre Hilfsprojekte auch in diesen schwierigen Zeiten aufrechterhalten."
Die Caritas Libanon organisiert regelmäßig Hilfskonvois in die Dörfer der umkämpften südlichen Landesteile und versorgt die Bevölkerung dort mit dem Lebensnotwendigen. "Durch diese nicht ungefährliche Hilfe können wir eine Evakuierung vermeiden." In den Notunterkünften der Binnenvertriebenen kümmert sich die Caritas um die Versorgung mit Nahrungsmitteln und medizinische Hilfe.
Andere Partner helfen Menschen mit Behinderung in Beirut durch Rehabilitations- und Inklusionsangebote wie Physiotherapie und Ergotherapie. "Gleichzeitig melden uns die Partner, dass der Bedarf steigt", berichtet Hartwig.
Auch die Projekte zur Betreuung und Unterstützung alter und pflegebedürftiger Menschen im Süden konnten weitergehen. "Eigene Verluste und Vertreibungen halten unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort nicht davon ab, den Menschen im Libanon jeden Tag aufs Neue zu helfen. Das ist großartig", so Hartwig.
Caritas international ruft dringend zu Spenden auf.
Stichwort: Nothilfe in der aktuellen Nahost-Krise
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