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14.02.2020 – 10:49

ARD Das Erste

"ttt - titel, thesen, temperamente" (NDR) am Sonntag, 16. Februar 2020, um 23:05 Uhr

München (ots)

Die geplanten Themen:

Von wegen Neuanfang! - Die NS-Verstrickung der Gründungsväter der 
Berlinale und Documenta
Es gehört zum Gründungsmythos der Bundesrepublik, dass es nach den 
Jahren des Nationalsozialismus zum kulturellen Neuanfang kam. Auf der
Berlinale wurde das weltoffene Berlin gefeiert, mit der Documenta 
wollte die junge Republik an die Moderne anschließen - doch ihre 
Gründungsväter waren mehr mit dem NS-Regime verstrickt, als bislang 
bekannt. Ganz offensichtlich wollte es niemand so genau wissen. 
"ttt" fragt rechtzeitig zum Beginn der 70. Berliner Filmfestspiele: 
Warum dauert es mit der Aufarbeitung so lange? Und muss die 
Gründungsgeschichte der wichtigsten deutschen Kulturinstitutionen 
umgeschrieben werden?

Lebenslang für türkischen Menschenrechtler? Prozess gegen Osman 
Kavala
Der Verleger und Kulturmäzen Osman Kavala (62) sitzt seit mehr als 
zwei Jahren in Untersuchungshaft in der Türkei. Der Prozess geht am 
18. Februar weiter. Der Oberstaatsanwalt in Istanbul fordert 
lebenslange Haft. Der Vorwurf: Kavala sei Mastermind hinter den 
regierungskritischen Gezi-Protesten und habe Kontakt zu Ausländern. 
Mit seiner Stiftung Anadolu Kültür ist Osman Kavala eine der 
wichtigsten Persönlichkeiten der Kunst- und Kulturförderung und des 
interkulturellen Austauschs in der Türkei - und er unterstützte 
zahlreiche Menschenrechtsorganisationen. Der Europäische Gerichtshof 
für Menschenrechte hatte am 10. Dezember 2019 die sofortige 
Freilassung Kavalas verlangt, weil die Inhaftierung grundlos sei und 
nur der Einschüchterung diene. Doch die türkischen Behörden 
ignorierten dies, Kavala musste weiter in U-Haft bleiben. Ein breites
Bündnis mit u.a. "Amnesty International", dem "PEN-Zentrum 
Deutschland" und "Reporter ohne Grenzen" sowie Mitangeklagten wie 
Journalist Can Dündar kritisiert dieses Vorgehen scharf und fordert 
auch die Bundesregierung abermals dazu auf, sich für Kavals 
Freilassung einzusetzen sowie die Verfolgung und Inhaftierung von 
über hundert Journalisten und Kulturschaffenden nicht hinzunehmen.

Frauen sichtbar machen - Caroline Criado-Perez kämpft für 
Gleichberechtigung 
Die Hälfte der Bevölkerung sind Frauen, aber sie leben in einer Welt 
nach männlichen Maßstäben, so Caroline Criado-Perez. Und das ist 
nicht nur ungerecht, sondern im schlimmsten Fall tödlich: In ihrem 
aktuellen Buch "Unsichtbare Frauen" belegt Criado-Perez, wie 
Industrie, Forschung und Wissenschaft sich an Männern orientieren. Ob
Grenzwerte von Chemikalien, Sicherheitskleidung oder Crashtest-Dummys
- der Mann ist das Maß aller Dinge. Besonders gravierend ist es in 
der Pharmaindustrie: Medikamente werden in der Regel an Männern 
getestet, obwohl Frauen oft anders auf Wirkstoffe reagieren. Sie 
haben einen anderen Hormonhaushalt und andere Nebenwirkungen. 
Caroline Criado-Perez ist Autorin, Journalistin und Frauenaktivistin.
Ihr Buch ist ein Appell, die Welt gerechter zu machen: "Unsichtbare 
Frauen. Wie die für Männer gemachte Welt verzerrte Daten produziert".

Kunst aus dem Baumarkt - Der Künstler Ai Weiwei und sein neuestes 
Projekt
Ein Künstler und ein Baumarkt. Der chinesische Künstler Ai Weiwei und
die Baumarkt-Kette Hornbach. Einer, der gerade kürzlich gegen Berlin 
und die Deutschen wetterte, und eine deutsche Heimwerker-Kette. Zwei,
die nun zusammenarbeiten. Wie passt das? Trifft da Kunst auf Kommerz?
Auf jeden Fall gibt es jetzt bei Hornbach einen echten Ai Weiwei zum 
Selberbauen. Selbstkostenpreis: 150 EUR. Dafür erhält man Wandhaken 
und knallorangene Sicherheitswesten. Das soll dann Kunst sein? Ja, 
wenn man die Reißverschlüsse der Westen so miteinander verbindet, wie
sich der Künstler das ausgedacht hat. Ein so genanntes Readymade, 
also Kunst aus Alltagsobjekten. Aber in Zusammenarbeit mit einer 
Baumarkt-Kette? "ttt" hat Ai Weiwei getroffen und mit ihm über die 
Kunst und die Sicherheitswesten gesprochen.

Phantastische Klangwelten - Die Komponistin Unsuk Chin
Diese Grenze zwischen Pop-Musik oder Ernster Musik oder 
westlich-östlich gibt's für mich nicht. Für mich sind Musik Klänge", 
sagt die Komponistin Unsuk Chin, die sich souverän zwischen 
verschiedenen Schulen und Traditionen bewegt. Sie lässt sich von 
europäischen Komponisten wie Bartók oder Debussy beeinflussen.

Moderation: Max Moor
Redaktion: Edith Beßling, Christine Gerberding, Niels Grevsen, 
Melanie Thun (NDR)

Im Internet unter www.DasErste.de/ttt
 

Pressekontakt:

Agnes Toellner, Presse und Information Das Erste
Tel: 089/5900 23876, E-Mail: agnes.toellner@DasErste.de

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