General Counsel Report 2026: Interne Untersuchungen nehmen in Unternehmen weltweit deutlich zu
Thema mit dem stärksten Zuwachs für Rechtsabteilungen
General Counsel Report 2026: Interne Untersuchungen nehmen in Unternehmen weltweit deutlich zu / Thema mit dem stärksten Zuwachs für Rechtsabteilungen
Interne Untersuchungen sind in Unternehmen weltweit im zurückliegenden Jahr zum Rechtsthema mit dem stärksten Zuwachs geworden, gefolgt von Datenpannen, Vertragsmanagement und staatlichen Untersuchungen. 57 Prozent der befragten General Counsel berichten von gestiegenen Kosten bei Streitfällen und Untersuchungen. 87 Prozent geben an, dass Risiko und Arbeitsaufkommen für ihre Bereiche immer schneller zunehmen. Das ist das Ergebnis des General Counsel Reports 2026 der Unternehmensberatung FTI Consulting und des Anbieters von Legal Technology Relativity.
- Mehr als ein Drittel (37 Prozent) nennt regulatorische oder strafrechtliche Ermittlungen als stärksten Treiber der wachsenden Streitfall- und Untersuchungsarbeit
- 47 Prozent berichten neue Hürden bei Untersuchungen durch digitale Kollaborationsplattformen, Cloud-Dienste und verlinkte Dokumente
- 63 Prozent der Befragten verfolgen Datenschutzregeln außerhalb der USA – im Vorjahr waren es 44 Prozent
Im Vorjahr lagen interne Untersuchungen nicht einmal unter den fünf größten Themenfeldern in Rechtsabteilungen. Insgesamt listet der General Counsel Report 2026 mehr als 20 Themenfelder mit wachsendem Arbeitsvolumen in Rechtsabteilungen auf.
Stärkster Treiber der wachsenden Streitfall- und Untersuchungsarbeit sind regulatorische oder strafrechtliche Ermittlungen: 37 Prozent der Befragten nennen sie an erster Stelle. Mit jeweils 34 Prozent folgen Korruption und Wirtschaftskriminalität, Datenpannen, Auskunftsbegehren nach Datenschutzrecht sowie Streitigkeiten um geistiges Eigentum. Jeder dritte General Counsel (33 Prozent) berichtet zudem, dass in den vergangenen zwölf Monaten vollständig neue Rechtsgebiete in der täglichen Arbeit aufgekommen sind.
„Die Dynamik speist sich aus mehreren parallel laufenden Entwicklungen“, sagt Stefan Heissner, Leiter des Bereichs Forensic & Litigation bei FTI Consulting in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Seit die EU-Hinweisgeberrichtlinie Unternehmen verpflichtet, Meldekanäle vorzuhalten und jeder Meldung nachzugehen, kommt ein verlässlicher Zustrom an Hinweisen herein. Das Sanktionsrecht wird kleinteiliger, und Aufsichtsbehörden erwarten immer früher belastbare Ergebnisse. Der Druck wird in den kommenden zwölf bis 24 Monaten weiter steigen. In unserer forensischen Arbeit zeigt sich: Wer Zuständigkeiten, Dokumentation und Team nicht vor dem Tag des Ermittlerbesuchs aufgestellt hat, verliert in Untersuchungen schnell die Kontrolle.“
Verteilte Datenlandschaft erschwert Aufklärung in Unternehmen
Hinzu kommt, dass relevante Inhalte heute über Kollaborationsplattformen, Cloud-Dienste und verlinkte Dokumente hinweg entstehen. 47 Prozent der befragten Rechtsabteilungen berichten deshalb über eine neue Komplexität bei Untersuchungen, 45 Prozent bei Streitfällen, 51 Prozent bei Datenschutzvorfällen und 50 Prozent bei Compliance-Themen. 43 Prozent der General Counsel geben an, über neue Datenquellen (von Messengern über kollaborativ erstellte Dokumente bis hin zu Inhalten, die mit KI-Anwendungen erstellt wurden) sehr besorgt zu sein.
„Die Datenlandschaft in Unternehmen hat sich tiefgreifend verändert“, sagt Renato Fazzone, Co-Leiter des Technologie-Segments bei FTI Consulting in Europa (EMEA). „Ein verlinktes Dokument ist kein fester Anhang mehr, sondern verweist auf eine Datei, die sich später erneut ändert. Im Streitfall lässt sich dann kaum belegen, was der Empfänger an einem bestimmten Tag tatsächlich gesehen hat. Dasselbe gilt für Chatverläufe in Kollaborationsplattformen und zunehmend für die Spuren generativer KI, von der Eingabe bis zum maschinell erzeugten Entwurf. Unternehmen müssen diese Quellen früh erschließen und sichern. Sonst fehlt ihnen in Untersuchungen genau das Material, auf das es ankommt.“
Globale regulatorische Komplexität wächst
Welche Vorgaben Rechtsabteilungen verfolgen, hängt zunehmend von der Weltregion ab. Den größten Teil der Aufmerksamkeit binden Vorgaben außerhalb der USA: 63 Prozent der Befragten verfolgen die Entwicklung der Datenschutzregeln in der EU und weiteren Rechtsräumen intensiv, im Vorjahr waren es 44 Prozent. Den EU AI Act verfolgen 47 Prozent, nach 35 Prozent im Vorjahr.
In den USA laufen die Signale dagegen auseinander: Neue Datenschutz-Gesetzesvorhaben auf Bundes- und Bundesstaatenebene gewinnen an Aufmerksamkeit und werden inzwischen jeweils von 33 Prozent verfolgt, nach 15 Prozent im Vorjahr. Zugleich rechnet nahezu ein Viertel (23 Prozent) damit, dass eine Abschwächung der Regulierung unter der aktuellen US-Regierung die Kontrolle in anderen Rechtsräumen verschärfen werde, statt den Druck insgesamt zu senken. Wie unübersichtlich das Umfeld geworden ist, zeigt auch, dass in den qualitativen Interviews der Anteil der General Counsel, die geopolitische Unsicherheit als Risikothema nennen, von zwölf auf 37 Prozent gestiegen ist.
„Wenn in den USA der regulatorische Druck nachlässt, wird es für international tätige Unternehmen nicht ruhiger. Andere Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden füllen die Lücke", sagt Stefan Heissner. „Am deutlichsten zeigt sich das bei der Korruptionsverfolgung: Wo die US-Regierung sie per Erlass zurückgefahren hat, haben sich die Behörden aus Großbritannien, Frankreich und der Schweiz zu einer gemeinsamen Anti-Korruptions-Taskforce zusammengeschlossen. Der Prüfungsdruck verschwindet also nicht, er verlagert sich. Wer seine Compliance darum zu sehr oder gar ausschließlich an der US-Praxis ausrichtet, wird in den kommenden zwölf bis 24 Monaten zum leichten Ziel grenzüberschreitender Verfahren."
Über den General Counsel Report 2026:
Für die siebte Auflage des General Counsel Reports von FTI Consulting und Relativity wurden global 224 General Counsel und Chief Legal Officers in Unternehmen mit mehr als 100 Millionen US-Dollar Umsatz und mehr als 1.000 Mitarbeitern durch das Marktforschungsinstitut Censuswide befragt. Zusätzlich haben die Analysten von Ari Kaplan Advisors 30 qualitative Einzelinterviews geführt. 63 Prozent dieser Interviewpartner haben eine Funktion mit globaler Verantwortung, 59 Prozent von ihnen arbeiten in Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar. Erstmals wurden auch C-Level-Technologieverantwortliche (CIOs und Heads of Transformation) für qualitative Einordnungen interviewt.
Den vollständigen Report können Sie hier herunterladen:
ftitechnology.com/resources/white-papers/the-seventh-annual-general-counsel-report-entering-the-unfazed-era
Über FTI Consulting
FTI Consulting, Inc. ist eine weltweit führende Beratung für Unternehmen in Krisen und Transformationen mit mehr als 8.100 Expertinnen und Experten in 32 Ländern und Territorien zum 31. Dezember 2025. In bestimmten Ländern werden die Dienstleistungen von FTI Consulting durch eigenständige juristische Einheiten erbracht, die separat kapitalisiert und unabhängig verwaltet werden. FTI Consulting erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 3,8 Milliarden US-Dollar. Weitere Informationen unter www.fticonsulting.com
FTI Consulting Deutschland GmbH
Taunusanlage 9-10 | Marienturm
60329 Frankfurt
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