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02.11.2009 – 18:52

Kölner Stadt-Anzeiger

Kölner Stadt-Anzeiger: ACHTUNG SPERRFRIST Dienstagmorgen 01.00 Uhr Paritätischer Wohlfahrtsverband steigt aus Zivildienst aus

Köln (ots)

Nach der von Union und FDP für 2011 geplanten
Verkürzung des Wehr- und damit auch des Zivildienstes von neun auf 
sechs Monate bereitet sich der Paritätische Wohlfahrtverband auf den 
Ausstieg aus dem Zivildienst vor. "Die Kürzung des Zivildienstes auf 
sechs Monate heißt, den Anfang vom Ende des Zivildienstes überhaupt 
einzuläuten, weil wir dann nicht mehr in der Lage sein werden, 
Zivildienstleistende noch vernünftig einzusetzen", sagte der 
Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, dem "Kölner 
Stadt-Anzeiger" (Mittwoch-Ausgabe). "Unsere Mitgliedsorganisationen 
haben bereits signalisiert, dass sie die Stellen dann zurück geben 
und nicht mehr besetzen werden." Unter dem Dach des 
Wohlfahrtsverbandes arbeiten 500.000 Menschen, 15.000 davon sind 
Zivildienstleistende. Im Rettungsdienst, so Schneider, dauere die 
Ausbildung auf den Fahrzeugen drei Monate. "Da bringen sechs Monate 
dann gar nichts mehr. Bei der Pflege, in Kindergärten oder der Arbeit
mit Behinderten kann man es den Menschen einfach nicht zumuten, alle 
halbe Jahre die Bezugsperson zu wechseln." Auch den Einsatzstellen 
könne man nicht zumuten, stets neue Leute einarbeiten zu müssen. 
"Wenn man auf sechs Monate geht, dann ist der Zivildienst am Ende." 
Allerdings gebe es die Möglichkeit, den Verlust durch Freiwillige "zu
kompensieren, wenn die Politik mitspielt" und mehr Geld bereitstelle,
ergänzte der Hauptgeschäftsführer. So stehen den bundesweit 85.000 
Zivildienstleistenden im Jahr 2009 cirka 35.000 junge Menschen 
gegenüber, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr 
absolvieren. Die Zahl der Bewerber ist ungefähr doppelt so hoch. Die 
Stellen werden von Bund und Ländern finanziert; der Bund gibt in 
diesem Jahr 19,2 Millionen Euro. Nach Auskunft des 
Wohlfahrtsverbandes müsste er 60 Millionen Euro jährlich zuschießen, 
damit das Loch, das die Zivildienstleistenden hinterlassen, gestopft 
werden könnte. Der Parlamentarische Staatssekretär im 
Bundesfamilienministerium, Hermann Kues (CDU), erklärte dem "Kölner 
Stadt-Anzeiger": "Jetzt sind kluge Lösungen gefragt." Ein Ausweg sei 
die freiwillige Verlängerung des Zivildienstes, da dieser auch eine 
wichtige "Zubringerfunktion für Pflegeberufe" habe. "Es gibt keine 
abschließenden Antworten", betonte Kues. Die Rahmenbedingungen für 
freiwilliges Engagement müssten ohnehin überarbeitet werden. Nun 
müsse man den Zivildienst verstärkt mit in den Blick nehmen.

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