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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Phänomen Eiswasserdusche - Pro und Kontra zur "Ice Bucket Challenge"

Bielefeld (ots) - PRO:

Eimerweise Gutes tun die Menschen im Internet. Millionen begegnen einer tödlich verlaufenden Krankheit mit Eiswasser und einem Lächeln - und das ist genau richtig. Der ein oder andere mag diesen spaßigen Umgang mit Krankheit und Spende als unangebracht und albern empfinden. Betroffene und ALS-Einrichtungen dagegen sind froh über die große Aufmerksamkeit und Gelder für eine bislang zu wenig beachtete Erkrankung. »Die Challenge ist verrückt, aber sehr hilfreich. Und alles, was hilft, ist gut«, sagt Horst Ganter, Chef der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke. Die Macht der Bilder ist immens. Die Spenden steigen. Die Challenge hat ihr Ziel in kürzester Zeit übererfüllt. Kritiker werfen vielen Eimer-Gießern dennoch Selbstdarstellung vor. Was für den Einzelfall gelten könnte, wäre für die Masse zu pauschal betrachtet. Es ist eine Ich-Kultur für den guten Zweck, die hilft und die Unterstützung verdient. Ich mache mich nass, ich spende (im besten Fall) und ich helfe so bei der Beachtung für und dem Kampf gegen eine schwere Krankheit.

KONTRA:

Keine Diskussion: Jeder Mensch, der von der Geißel einer Krankheit befreit werden kann, ist jede noch so abstruse Aktion wert. Und sei es die »Ice Bucket Challenge«. Wenn so viel Geld gespendet werden sollte, dass die Forschung die Ursache von ALS herausfinden und bekämpfen kann, dann hat die Aktion ihren gut gemeinten Zweck übererfüllt. Doch drängt sich nach zwei Wochen Hysterie der Eindruck auf, dass der gute Zweck der Selfie-Generation nur noch als Vorwand dient, um Filme von sich im Internet zu verbreiten - und Aufmerksamkeit im Zuge eines globalen Trends zu bekommen. Die »Ice Bucket Challenge« ist als virales Internet-Phänomen am ehesten mit den Tanzvideos »Gangnam Style« und »Harlem Shake« zu vergleichen. Schauspieler oder private Selbstdarsteller wollen Teil des weltweiten Hypes sein. Den meisten von ihnen geht es nur um sich und nicht um ALS. Wer für die Erforschung der Krankheit spenden möchte, der kann dies tun, ohne sich vorher einen Eimer Eiswasser über den Kopf zu schütten.

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