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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Uli Hoeneß

Bielefeld (ots) - Nach vier Verhandlungstagen soll Uli Hoeneß nun also wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. So tragisch dieses Urteil für den Menschen Uli Hoeneß auch sein mag, so folgerichtig ist diese Bestrafung in einem besonders denkwürdigen Fall von Steuerkriminalität. Ganz unabhängig von juristischen Feinheiten, vom Sinn oder Unsinn der Selbstanzeigen und vom Ausgang des Revisionsverfahrens: Die meisten Bundesbürger, die korrekt ihre Steuern zahlen, werden das Urteil als gerecht empfinden. Alles andere als eine Gefängnisstrafe wäre wohl von der Öffentlichkeit als Skandal empfunden worden. Ein Freispruch oder eine Bewährungsstrafe hätten viele Menschen an unserem Rechtsstaat zweifeln lassen. Die Selbstanzeige konnte Hoeneß nicht retten. Nicht vergessen werden sollte, dass der Bayern-Boss die Selbstanzeige zunächst nicht aus freien Stücken abgegeben hat, sondern weil er durch die Recherchen eines »Stern«-Reporters bei der Schweizer Vontobel-Bank gewarnt war. Reiner Tisch sieht anders aus. Der FC Bayern München wird sich einen neuen Präsidenten und einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden suchen müssen. Das ist bitter für einen Verein, dessen wichtigster Führungsmann nun hinter Schloss und Riegel kommt. Der Imageschaden für Bayern München ist enorm, für Uli Hoeneß selbst jedoch weitaus größer - persönlich und beruflich. Über Jahre hinweg galt Hoeneß als Wohltäter und moralische Instanz. Wahr ist: Uli Hoeneß hat betrogen. Und er hat gelogen. In einer Talkshow behauptete er vor einem Millionenpublikum, stets korrekt seine Steuern gezahlt zu haben. Nun wissen wir: Das Gegenteil ist der Fall. Erst waren es 3,5 Millionen Euro, dann 18.5 Millionen Euro und am Ende 28,5 Millionen Euro. Es sind unvorstellbare Summen für den normalen Bürger. Hoeneß machte zwischen 2003 und 2005 mit seiner Zockerei an den Devisenmärkten 130 Millionen Euro Gewinn. Unterm Strich steht ein Millionenverlust. An einem Tag soll er einmal 18 Millionen Euro verzockt haben. Geldgier, Machtbesessenheit, Größenwahn, Spiel- oder Gewinnsucht: Keiner weiß ganz genau, welche Motive es waren, die Uli Hoeneß abheben ließen. Vielleicht waren es die großen Erfolge seiner Bayern - mit dem Triple als Krönung. Die Frage nach dem Warum stellen sich viele - aber nur Uli Hoeneß selbst kann sie beantworten. Wenn der FC Bayern München am 10. Mai Deutscher Meister wird, eine Woche später den DFB-Pokal holt und möglicherweise sogar am 24. Mai im Champions-League-Finale in Lissabon auf dem Platz steht, wird Uli Hoeneß noch auf der Tribüne sitzen und sich über weitere Titel freuen. Es kann jedoch nur eine getrübte Freude sein für einen Mann, der sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befand und auf dem Boden der Tatsachen ganz hart angekommen ist. Weil er Maß und Mitte verloren hat.

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