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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu McChrystals Rauswurf

Bielefeld (ots) - Afghanistan schenkt Obama keine Ruhe: Erst fiel General Petraeus im Kongress in Ohnmacht, nun hat der Präsident den aufmüpfigen General McChrystal entlassen. Der Offizier hatte den Präsidenten in einem Interview kritisiert und blamiert. Doch Obama hasst Illoyalität und mangelnde Disziplin. Amerika war empört. Da der Präsident zugleich der Oberbefehlshaber im Krieg ist, darf er Zweifel an seiner zivilen Autorität durch die Militärs nicht dulden. So weit, so gut. Obama zeigt sich führungsstark und durchsetzungsfähig, doch die McChrystal-Affäre enthüllt mehr als einen Machtkampf zwischen dem Weißen Haus und den Militärs. Sie zeigt die umfassende Krise der US-Afghanistanstrategie: Wenn der Präsident seinen besten General entlässt, steht es schlecht um das amerikanische Engagement am Hindukusch. Die Lage ist in der Tat prekär: Die Taliban sind nicht besiegt, täglich stirbt durchschnittlich ein US-Soldat, und der Krieg ist inzwischen teurer als die Irak-Invasion: 6,7 Milliarden Dollar pro Monat. Obamas Plan, die Taliban zu schlagen und die Afghanen aufzurüsten, geht nicht auf. Die US-Kampagne in Afghanistan droht zum längsten Krieg der amerikanischen Geschichte zu werden. Die militante Afghanistan-Politik des Präsidenten gleicht inzwischen der unseligen Kriegsstrategie seines Vorgängers. Das ist nicht der versprochene »Wandel«. Obama will die US-Truppen massiv aufstocken, die Taliban besiegen und den Rückzug im Sommer 2011 einleiten. Das wäre politisch opportun, um 2012 die Afghanistan-Erfolge im Präsidentschaftswahlkampf vorzeigen zu können. Doch diese Erfolge bleiben aus: Der afghanische Anti-Amerikanismus wächst, Präsident Karzai ist schwach und korrupt, der Opiumhandel blüht, und der Krieg fordert mehr Opfer denn je. Der jüngste Pentagon-Bericht zum Afghanistan-Krieg nennt die Taliban widerstandsfähig und kampfbereit. Einen schnellen Sieg wird es nicht geben. Innenpolitisch bleibt Amerika zerstritten: Linke und liberale Demokraten fordern den baldigen Rückzug, die Republikaner wollen »Erfolge und Siege«. Obama wird daran erinnert, dass er auch deshalb gewählt wurde, weil er vor »dummen Kriegen« gewarnt hatte. Senator John McCain möchte mehr Soldaten schicken, andere Republikaner bestehen auf weitere Nato-Truppen. Doch die Alliierten zögern: Der politische Wille schrumpft, die Niederländer ziehen sich zurück, die Polen fordern einen Abzugstermin, die Engländer sind kriegsmüde. Bei der McChrystal-Affäre geht es um mehr als verletzte Eitelkeit und Illoyalität. Der entlassene General war auch der Oberbefehlshaber der Nato in Afghanistan. Sein Rauswurf berührt somit auch die Interessen der Bundeswehr. Wenn die Amerikaner scheitern, ändert sich auch die Lage unserer Soldaten. Dann wäre vielleicht ein baldiger Rückzug denkbar.

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