Alle Storys
Folgen
Keine Story von Westfalen-Blatt mehr verpassen.

Westfalen-Blatt

Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Koalition in Israel

Bielefeld (ots)

Wenn Ehud Barak, der Chef der linksgerichteten
Arbeitspartei Israels, plötzlich gemeinsame Sache mit Rechten und 
Ultrarechten macht, damit den Zusammenhalt seiner Partei aufs Spiel 
setzt und das alles mit Begründung, er wolle den Friedensprozess im 
Nahen Osten wieder voranbringen, dann darf man das nicht allzu ernst 
nehmen. Nicht nur empörte Mitglieder der Arbeitspartei werfen ihm 
vor, dass er nur seinen Job des Verteidigungsministers in die neue 
Regierung hinüber retten wollte. Im Gegenzug für seine Beteiligung an
der Koalition erhielt Barak nur das vage Zugeständnis von Benjamin 
Netanjahu, die Friedensgespräche mit den Palästinensern fortzusetzen.
Vom Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung ist bei Netanjahu mit Rücksicht 
auf seine radikalen Partner keine Rede mehr.
So entsteht in Israel ein bizarres Bündnis aus Netanjahus 
konservativem Likud-Block, Avigdor Liebermans Nationalisten, der 
ultraorthodoxen Schas-Partei und der Partei der Siedler, dem der 
künftige Regierungschef Netanjahu mit der Arbeitspartei ein 
sozialdemokratisches Feigenblatt hinzugefügt hat, um international 
nicht von vornherein in die Isolation zu geraten. Denn mit einem 
Außenminister Avigdor Lieberman, der sich mit Äußerungen wie - man 
solle den Gazastreifen planieren - hervorgetan hat, ernsthaft 
Friedenspolitik zu betreiben, ist wohl nicht möglich. Netanjahus 
Absicht, sich um die wirtschaftliche Entwicklung der 
Palästinensergebiete zu kümmern, wird für eine glaubhafte 
Annäherungspolitik nicht ausreichen.
 Dementsprechend zurückhaltend sind auch die Reaktionen aus der 
Europäischen Union und den USA. So hat Präsident Barack Obama die 
hohen Erwartungen an eine neue Nahost-Politik seiner Regierung 
mittlerweile wieder gedämpft. Die neue israelische rechtsorientierte 
Regierung mache die Bemühungen um eine friedliche Lösung im Nahen 
Osten »nicht leichter«, erklärte Obama. Aber zu einer 
Zwei-Staaten-Lösung gebe es keine Alternative.
 Die Regierungen in Ägypten und Jordanien, die bisher dafür gesorgt 
haben, dass der Gesprächsfaden zwischen Israelis und Palästinensern 
nicht abgerissen ist, würden bei der eigenen Bevölkerung in 
Bedrängnis geraten, wenn sie Lieberman als Gesprächspartner 
akzeptieren würden.
Unklar ist auch, ob demnächst auf palästinensischer Seite ein 
Verhandlungspartner zur Verfügung steht. Die Gespräche über eine 
Einheitsregierung der verfeindeten Palästinensergruppen Fatah und 
Hamas stocken. Sie werden nur in Gang gehalten durch den Druck 
arabischer Staaten, die ihre finanziellen Zusagen für den 
Wiederaufbau in Gaza nur einhalten wollen, wenn Fatah und Hamas eine 
Regierung bilden. Die Hamas lehnt die Anerkennung des Staates Israel 
jedoch ab. Somit wäre eine Einheitsregierung als Gesprächspartner 
einer israelischen Regierung handlungsunfähig. Auf der anderen Seite 
Netanjahus Koalition, die von einem Palästinenser-Staat nicht viel 
hält. Schlechtere Zeiten für einen Nahost-Frieden sind kaum 
vorstellbar.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: Westfalen-Blatt
Weitere Storys: Westfalen-Blatt
  • 26.03.2009 – 19:17

    Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum Thema DNA-Panne:

    Bielefeld (ots) - Was muss in den 40 Heilbronner Polizisten vorgehen, die seit zwei Jahren den Mörder ihrer Kollegin Michele Kiesewetter jagen und jetzt wissen, dass sie einem Phantom hinterhergelaufen sind? Einer Tatverdächtigen, die es überhaupt nicht gab? Jetzt stehen diese Mordermittler wieder ganz am Anfang. Baden-Württembergs Innenminister Heribert ...

  • 26.03.2009 – 19:15

    Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum Thema Afghanistan:

    Bielefeld (ots) - Die nato-feindlichen Plakate der Linken gestern im Bundestag hätten beinahe vom wirklich Wichtigen abgelenkt. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte US-Präsident Barack Obama Grenzen auf. Sie verlangte den »revolutionären« Wandel der Militärallianz und öffentlich Aufklärung über das neue, im Alleingang aufgeblasene Afghanistan-Konzept ...